Brüderle im Himmelreich

24 Jan

Rainer Brüderle soll sich einer Journalistin vom „Stern“ (wenn man das Wort „Journalistin“ im Zusammenhang mit dem „Stern“ überhaupt verwenden kann) sexistisch genähert haben:

„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“ „Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er. Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Gegen ein Uhr nachts tippt ihm seine Sprecherin an die Schulter. Brüderle verabschiedet sich von den umstehenden Männern. Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper. Die Sprecherin eilt von hinten heran: „Herr Brüderle!“, ruft sie streng. Sie führte ihn aus der Bar. Zu mir sagt sie:“Das tut mir leid.“ Zu ihm sagte sie: „Zeit fürs Bett.“

Das ist natürlich skandalös. Man stelle sich vor. Ein Mann flirtetet mit einer Frau, der das nicht gefällt und trägt einige platte Anmachsprüche vor. Nicht geradezu professionell für einen Politiker, aber eben allzumenschlich und alltäglich.

Aber wo ist der Skandal? Und worin besteht der vielzitierte Sexismus in diesem Vorfall? Ich sehe diesen nicht.

Aber gut, lassen wir uns darauf ein, und betrachten das Ganze als Sexismus. Was ist dann Sexismus? Und welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Meiner Erachtens nach folgende:

1. Sexismus ist, was bestimmten Frauen nicht gefällt.

2. Sexismus ist, wenn ein Mann eine Frau attraktiv findet, und das zum Ausdruck bringt.

3. Der Vorwurf des Sexismus hat keinerlei Bedeutung, da er mittlerweile inflationär verwendet wird.

4. Für einen Mann ist es gesellschaftlich dennoch gesünder, den Kontakt mit ihm fremden Frauen auf ein Minimum zu reduzieren.

Summa summarum bleibt nur wieder die Erkenntnis, dass es unglaublich kompliziert sein muss, ein heterosexueller Mann zu sein. – Bad luck!

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15 Antworten to “Brüderle im Himmelreich”

  1. Andreas 24. Januar 2013 um 12:28 #

    @ Adrian:

    Was macht Dich eigentlich so sicher, vor Falschuldigung durch Frau eine gefeit zu sein? Schliesslich geht es dabei nicht um Wahrheit, sondern darum, einen Zweck zu erreichen.

    Nach der Niedersachsenwahl fuerchtet Bertelsmann um die Machtperspektive fuer rotgruen in Bund. Die FDP war unerwartet stark. Bruederle ist der Hoffnungstraeger see FDP …

    Dass die Heterosexualitaet eine komplizierte Lebenslage ist, bestaetige ich.

    • Adrian 24. Januar 2013 um 22:41 #

      @ Andreas
      „Was macht Dich eigentlich so sicher, vor Falschuldigung durch Frau eine gefeit zu sein? Schliesslich geht es dabei nicht um Wahrheit, sondern darum, einen Zweck zu erreichen.“

      Ich wüsste nicht wie frau das anstellen sollte.

      • Damien 25. Januar 2013 um 13:17 #

        @Adrian: Das geht ganz einfach. Sie behauptet es und schon hast Du Dreck am Stecken. Du kannst dann zwar leugnen, aber irgendetwas bleibt schon hängen.
        Ich hatte mal ein Erlebnis in einer linken Kneipe. Da saß ich an der Theke und eine Frau, die neben mir saß, schaute mich plötzlich scharf an und sagte „Bist Du nicht der Typ, der letztens hier Frauen auf dem Klo belästigt hat?“. Im Wissen um die Träume von Selbstjustiz bzgl. sexueller Belästigung unter Linken kam ich mir ziemlich hilflos vor. Ich wußte, leugnen hilft nichts, auch wenn ich mir sicher war, dass sie mich verwechselte. Zum Glück sagte sie im nächsten Moment „Ah nein, Du bist es nicht, ich erkenne es an Deinen Augen!“ Was hätte ich gemacht und erlebt, wenn sie das nicht „erkannt“ hätte? Ich weiß es nicht und bin bis heute froh, dass mir eine Eskalation der Situation erspart geblieben ist.
        Das ist eben das Problem mit der in der Linken so gehypten „Definitionsmacht der Frau“. Es gibt einer einzelnen, angeblich betroffenen Frau bzw. auch anderen Frauen ein Machtinstrumtent in die Hand, um Männer fertig zu machen, die einem aus irgendeinem Grund nicht in den Kram passen. Insoweit finde ich die Wahl von „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres einen deutlichen Ausdruck davon, wie weit sich dieses linke Denken bereits in die Gesellschaft hinein ausgebreitet hat. Denn mit seiner Wortschöpfung wollte Kachelmann doch eben diese „Definitionsmacht“ skandalisieren.

  2. Atacama 24. Januar 2013 um 14:27 #

    Männer müssen einfach der Frau telepatisch klarmachen, dass sie was von ihr wollen. Reden, ansprechen, anfassen usw. geht halt nicht. Ist das denn so schwer?

    Aber vielleicht lernt mancher Heteromann ja was daraus. Heteros sind doch dafür bekannt, oft mindestens genauso hysterisch auf männliche Annährungsversuche zu reagieren.

  3. allsurfer4 24. Januar 2013 um 20:39 #

    Das wärs doch……….
    Da schwört SIE – nicht Himmelreich – jeden Eid, dass ER – nicht Brüderle – ganz nachdrücklich versucht haben soll, SIE sexuell zu bedrängen, (vergewaltigen?) und ER stellt sich dann als schwul geoutet raus – der Lacher.

  4. Andreas 25. Januar 2013 um 21:25 #

    @ Adrian: Wo ein Wille, da Erfindungsreichtum.

  5. Molderson 25. Januar 2013 um 22:49 #

    Eine Glosse von Ralf Höcker:

    Rechtlicher Hinweis: Die Personen, Dialoge und Gedanken in diesem Stück sind zum Teil frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit dem weitgehend wortidentischen Artikel von Laura Himmelreich über Rainer Brüderle in der Print-Ausgabe des STERN vom 24.01.2013 ist alles andere als zufällig.

    Für mich ist es nicht immer angenehm, 63 Jahre alt zu sein, ein Mann und Politikjournalist. Das liegt an Frauen wie Laura Himmelreich. Es war vor einem guten Jahr, in der Nacht vor dem Dreikönigstreffen in Stuttgart. Wie jedes Jahr stehen Journalisten und Liberale an der Bar des Hotels Maritim zusammen. Rainer Brüderle hat ein Glas Weißwein in der Hand. Ich auch und es ist nicht unser erstes. Brüderle will von mir wissen, wie mir seine Rede vor ein paar Stunden auf dem Landesparteitag gefallen hat.

    „Naja, Sie haben Rösler die Show gestohlen. Besser als Sie kann er morgen kaum werden“, sage ich.

    „Allerdings“, nuschelt Brüderle zufrieden in sein Glas hinein. Jetzt wird es interessant, denke ich, denn es heißt, Rösler persönlich habe verhindert, dass Brüderle auch auf dem Dreikönigstreffen sprechen darf.

    „Warum will Rösler nicht, dass Sie morgen sprechen?“ frage ich beiläufig und gucke möglichst harmlos. Ich wechsle in einen vertraulich-ironischen Tonfall und zwinkere Brüderle zu: „Hat er wirklich solche Angst vor Ihnen?“ Brüderle lächelt. Je weinseliger er ist, desto redseliger wird er auch. Außerdem kennt er mich seit Jahrzehnten und weiß, dass er offen mit mir sprechen kann.

    „Ach wissen Sie, der Rösler….“, seufzt er, „………der Rööösler! Aber was ich Ihnen jetzt sage, behalten Sie jetzt natürlich für sich!“. Während Brüderle noch einen spannungssteigernden Schluck Weißwein zu sich nimmt, nähert sich von rechts eine blonde junge Frau.

    „Herr Brüderle!“, sagt sie einen Tick zu laut und zu forsch und blickt ihn investigativ fordernd an: „Wie finden Sie es denn, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen?“

    VERDAMMTE SCHEISSE, sie hat´s verbockt! Brüderle und ich sind im selben Alter. Mir ist klar, dass er solche Bemerkungen hasst. Doch er überspielt seinen Ärger und gibt den Ball gekonnt mit einer angemessen dosierten Spitze zurück:

    „Ach das Alter. Sie würde ich jedenfalls auf 28 Jahre schätzen. Habe ich Recht? Mit Frauen in dem Alter kenne ich mich aus.“

    Haha, gut gekontert, freue ich mich über diese Ehrenrettung für uns ältere Herrschaften. Man sollte die Alten nicht unterschätzen, Kleines! Jetzt wirst Du ja wohl merken, dass Du hier störst. Doch meine Hoffnung wird sofort enttäuscht:

    „Was genau meinten Sie, als Sie in Ihrer Rede vorhin sagten, dass Deutschland sich nicht schnell genug verändert?“ vernimmt ihn die STERN-Redakteurin unbeirrt weiter. Puuh, es ist halb eins, wir stehen an einer Theke, haben jeder eine Flasche Wein intus und die will staatstragende Reden hören. Das kann doch nicht wahr sein!

    „Ach, lassen wir doch die große Politik“, nimmt Brüderle mir die Worte aus dem Mund, „Reden wir lieber über Sie: Woher kommen Sie?“

    „München“ antwortet die Journalistin knapp, verzieht den Mund zu einem schmalen Strich und schweigt. Brüderle blickt auf die Cola light in ihrer Hand:

    „In München sind die Frauen doch eigentlich trinkfest“ füllt er die Stille mit geübtem Smalltalk. Die Angesprochene antwortet, dass sie privat, zum Beispiel auf dem Oktoberfest, durchaus schon einmal ein Bier trinke – wenn es passt. Ich muss schmunzeln. Brüderle auch. Sein Blick wandert von der Cola in ihrer Hand über die Brust hinweg hoch in ihre Augen.

    „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, reitet ihn jetzt ein wenig der Teufel. Brüderle scheint sich mit der Situation zu arrangieren. Die Reporterin nervt ihn, er will sie ein bisschen provozieren aber irgendwie findet er sie wohl auch halbwegs attraktiv. Schlecht für mich. Ich hätte gerne mehr über sein Verhältnis zu Rösler erfahren. Doch die Dame will einfach nicht gehen. Ich überbrücke die Wartezeit mit einem Riesling und höre Brüderle sagen:

    „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen!“

    Großartig! Er veräppelt sie weiter. Das junge Ding weiß doch gar nicht mehr, was eine Tanzkarte ist.

    „Herr Brüderle!“, weist sie ihn brüsk ab, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin!“

    Soso, Journalistin, amüsiere ich mich. Ich würde sagen, bis dahin ist es noch ein weiter Weg!

    „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, legt der alte Büttenredner Brüderle noch einen drauf.

    „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell“, entgegnet sie. Brüderle legt eine kurze Pause ein, sieht die Journalistin lange nachdenklich an und sagt leise:

    „Am Ende sind wir alle nur Menschen“.

    So ist es. Vor allem nachts um Eins an einer Hotelbar.

    „Warum glauben Sie eigentlich, nach all den Jahren plötzlich so beliebt geworden zu sein?“, versucht Frau Himmelreich es jetzt doch noch menscheln zu lassen.

    „Weil ich der Beste bin“.

    Genau! Er nimmt Dich nicht ernst und das völlig zu Recht. Hoffentlich begreifst Du das jetzt endlich und lässt mich meine Arbeit als menschlich professioneller Journalist machen.
    Aber wieder werde ich enttäuscht. Brüderles Sprecherin tippt ihm an die Schulter. Er verabschiedet sich von mir. Dann beugt er sich zu der Cola-Light-Trinkerin herunter, so als wolle er ihr noch etwas ins Ohr flüstern. Sie aber weicht aus irgendeinem Grund zurück und hält in einer theatralischen Geste ihre Hände vor ihren Körper. Brüderles Sprecherin missversteht die Situation und eilt von hinten heran: „Herr Brüderle!“, ruft sie streng. Sie führt ihn aus der Bar. Zu der Journalistin sagt sie: „Das tut mir leid.“ Zu ihm sagt sie: „Zeit fürs Bett.“

    Laura Himmelreich sollte ein ganzes Jahr brauchen, um „ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Mann, dem die FDP jetzt folgt“ zu verarbeiten.

  6. Andreas 26. Januar 2013 um 08:53 #

    Adrian Liste der Sexismen ist meiner Ansicht nach unvollständig. Es fehlt:

    5. Sexismus ist, wenn eine Frau einen Mann attraktiv findet, und er sie nicht.

  7. Tom 26. Januar 2013 um 13:41 #

    Adrian: „Summa summarum bleibt nur wieder die Erkenntnis, dass es unglaublich kompliziert sein muss, ein heterosexueller Mann zu sein. – Bad luck!“

    Du sagst es!

    Manchmal wünsche ich mir, schwul zu sein und diesen ganzen Scheiß mit den Weibern nicht mitmachen zu müssen. Dann besinne ich mich mal wieder resigniert darauf, daß man sich seine sexuelle Ausrichtung nicht aussuchen kann und wünsche mir stattdessen in einer Welt zu leben, in der das Verhältnis zwischen Frauen und Männern so unkompliziert, offen und ehrlich ist, wie es zwischen Schwulen ist bzw. mir zu sein scheint.

    Und dann denke ich, daß es wahrscheinlicher ist, daß ich am Montag nicht zur Arbeit fahren kann, weil ein Dinosaurier mein Auto gefressen hat… 😦

  8. Alreech 26. Januar 2013 um 14:36 #

    Es ist nur kompliziert ein heterosexueller Mann zu sein wenn man noch immer an althergebrachten Verhaltensmustern fest hält.

    In der heutigen Zeit ist es keinesfalls mehr nötig sich auf einen Flirt einzulassen, oder gar selber einen solchen Versuch zu starten.
    Ob nun One-Night Stand oder dauerhafte Beziehung – Partnervermittlungen bieten weitaus höhere Erfolgschancen oder die Gefahr missverstanden zu werden.

  9. Alreech 26. Januar 2013 um 14:37 #

    muß natürlich ohne statt oder lauten 😉

  10. Tom 26. Januar 2013 um 21:40 #

    @Alreech:

    Partnervermittlungen? Alles klar, wenn die vom ersten Kennenlernen bis zum Geschlechtsverkehr dabei sind und alles so regeln, wie es die Frau haben will – ja, dann könnte das wirklich klappen…!!

  11. Michael 27. Januar 2013 um 20:31 #

    Gerade auf Deine Seite gestoßen und das mit dem BAD LUCK geht mir der Tage auch wieder durch den Kopf. Ich bin mir sicher, dass ihr auch eure Probleme habt, aber manchmal wünschte ich mir, ich wäre schwul geworden….

  12. Christian - Alles Evolution 30. Januar 2013 um 10:17 #

    Schlimm ist es denke ich insbesondere, wenn man irgendwie ein öffentliches Amt hat oder anderweitig in einem Bereich, in dem PC wichtig ist tätig ist (oder vielleicht wie oben geschildert in einer sehr stark verbundenen linken Szene). Dort entsteht das notwendige Empörungspotential über die Vervielfältigung.

    Im „normalen Leben“ werden einem die meisten Frauen ja sogar zustimmen, dass es vollkommen überzogen ist.

  13. Antoinette Pace 8. Februar 2013 um 15:03 #

    Schuld hat offensichtlich etwas, dass Ihnen so selbstverständlich erscheint, dass sie es nirgends erläutern, uns aber dafür als Zwischenüberschrift unterjubeln: ein „System Mann“. Nun ja, das ist nicht wirklich überraschend, wer hätte auch etwas anderes erwartet, und selbstverständlich muss frau dem Mann sein System nicht erklären, zumal wenn gewisslich jede Frau (zumindest jede, die nicht Komplizin ist) im Herzen fühlt, was es bedeutet!

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