Schrill, schriller, Dobrindt

12 Mrz

Alexander Dobrindt hat in der Welt am Sonntag deutlich gemacht, was wir von ihm im Wahlkampf 2013 noch zu erwarten haben:

Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.

Diese stille Mehrheit habe, so Dobrindt,

ein bürgerlich-konservatives Weltbild.

Die schrille Minderheit, die Dobrindt ausgerechnet in 30.000 gleichgeschlechtliche(n) Partnerschaften ausmacht, allerdings irgendwie auch, weshalb die Welt am Sonntag nachhakt:

Homosexuelle sind oft konservativ. Die CSU läuft Gefahr, Verbündete zu verprellen …

Dobrindt antwortet mit einem Ausflug in die Philosophie:

Dobrindt: Es wird niemand diskriminiert, weil er für sich eine besondere Lebensphilosophie angenommen hat. Homosexualität ist ein Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Uns kommt es aber drauf an, den besonderen Wert von Ehe und Familie zu achten.

Welt am Sonntag: Tut ein schwules Paar das nicht?

Dobrindt: Darum geht es nicht.

Das ist dann doch selten ehrlich. Letztlich geht es also einzig und allein darum, die eigenen Vorurteile zu pflegen, offenbar auch um den Preis des eigenen politischen Untergangs. Denn diese Vorurteile werden nicht einmal mehr von der Mehrheit der eigenen Wähler vertreten:

Welt am Sonntag: Umfragen zeigen: Auch CSU-Wähler wünschen sich mehrheitlich eine Gleichstellung der Homo-Ehe bei der Steuer. Kommt Ihnen das Gespür für die Stimmung im Volk abhanden?

Dobrindt: Ich will nicht abschließend beurteilen, inwieweit das politisch korrekte Antworten sind. Aber ganz sicher will niemand, dass der besondere Schutz von Ehe und Familie angetastet wird.

Ich versuche, zu übersetzen:

  1. Wenn Homosexuelle diskriminiert werden, ist das keine Diskriminierung, denn Homosexuelle haben sich für ihre Homosexualität entschieden („Lebensphilosophie“) und könnten schließlich auch darauf verzichten.
  2. Die Begriffe „Ehe“ und „Familie“ sind nicht inhaltlich bestimmt, sondern dadurch, dass sie Homosexuelle ausschließen. Das ist keine Diskriminierung (siehe Punkt 1).
  3. Sollte das ein CSU-Wähler anders sehen, sagt er das vermutlich nur, weil er denkt, er müsse das jetzt sagen.
  4. Egal, was er sagt, er meint das, was ich will.

Da fragt man sich abschließend, wer hier die eigentliche schrille Minderheit ist.

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