Recht versus Moral

27 Mrz

In der „taz“ habe ich einen sehr interessanten Kommentar, angesichts der neuerlichen Proteste in Frankreich gegen die Öffnung der Ehe entdeckt:

In Paris demonstrierte zu Füßen des Triumphbogens einmal mehr die ideologische und moralisierende Intoleranz. Es ist das Recht dieser Bürger, gegen Vorstellungen und Lebensformen zu protestieren, die ihnen nicht gefallen.

Selbstverständlich haben Bürger das gesetzliche Recht, „gegen Vorstellungen und Lebensformen zu protestieren, die ihnen nicht gefallen“. Aber haben sie auch das moralische Recht dazu? Wohl kaum! Es zeugt im Gegenteil von einer tief autoritären (wenn nicht totalitären) Einstellung, gegen „Vorstellungen und Lebensformen“ zu protestieren, zu denen man nicht gezwungen wird und die einen persönlich überhaupt nicht betreffen.

Advertisements

12 Antworten to “Recht versus Moral”

  1. Max Flocke 27. März 2013 um 01:13 #

    sehe ich nicht anders, ich finde es aber erschreckend wie intolerant unser „erbfeind“ mittlerweile drauf ist, hätte ich nicht gedacht dass „wir“ die in sachen sexueller freizügigkeit mal überholen. aber schön dass es so ist.
    das ist etwas was ich nie verstanden habe: der ganze „homo-ehe“ etc. kram nimmt ja niemandem etwas weg, man/vrouw darf das ja auch gerne verwerflich finden, aber die gebärden sich ja so als ob den heteros morgen das heiraten verboten wird.
    dabei nehmen sich ja nur mitmenschen das selbe recht wie alle andern, welches logische argument spricht dagegen?
    ich bin ganz oreille.

  2. Atacama 27. März 2013 um 10:17 #

    Ich habe gelesen, dass da welche Plakate hatten wo drauf stand „Wir wollen einen Job, keine Homo-Ehe“. Ich vermute stark, dass die irgendwoe aufgewiegelt worden sind und eigentlich aggro auf was ganz anderes sind, nur nutzen sie dieses Thema jetzt als Projektionsfläche.
    Dass soviele Menschen ernsthaft genau damit ein Problem haben, dass sie mit langem Anfahrtsweg auf die strasse gehen, kann ich mir zumindest in diesen Breitengraden nicht vorstellen.

    ich wundere mich nur, wieso man nicht soviele Leute gegen wirkliche Probleme z.B Arbeitslosigkeit, aus dem Ruder gelaufene Finanzmärkte (das wird sicher noch böse enden), eine nicht funktionierende EU, steigende Kriminalität, die eigene Sicherheit usw. auf die Strasse gehen sieht.

  3. Adrian 27. März 2013 um 10:47 #

    @ Atacama
    Ich halte ja von der These einer „Projektionsfläche“ nicht besonders viel. Es fällt mir schwer zu glauben, dass Menschen gegen die Homo-Ehe demonstrieren, wenn sie eigentlich etwas ganz anderes bewegt.

    Wenn ich bspw. arbeitslos bin, bin ich ja nicht automatisch gegen die Homo-Ehe und lasse mich dafür auch nicht instrumentatlisieren. Das funktioniert nur, wenn ich tatsächlich etwas gegen die Homo-Ehe habe.

    „Dass soviele Menschen ernsthaft genau damit ein Problem haben, dass sie mit langem Anfahrtsweg auf die strasse gehen, kann ich mir zumindest in diesen Breitengraden nicht vorstellen.“

    Das kann ich mir im Gegenteil sehr gut vorstellen. Homosexualität ist ein exzellenter Trigger, um Gefühle in Wallung zu bringen. Dieses Thema berührt (zum Teil auch nur scheinbar) grundlegende Fragen, wie das Verhältnis der Geschlechter, Geschlechterrollen, Familienstrukturen, Sexualität und natürlich Religion.

  4. Am_Rande 27. März 2013 um 13:38 #

    Da ich mich hier ja schon mal angemeldet habe, auch mal hierzu meinen Senf 😉

    Ich verstehe es nicht:
    Was ist darin unmoralisch, eine Meinung zu haben und diese Meinung auch auszusprechen?
    Gibt es unmoralische Ansichten? – Ja.
    Gibt es unmoralische Handlungen? – Ja.
    Ist die freie Meinungsäußerung unmoralischer Ansichten eine unmoralische Handlung? – Nein.

  5. Adrian 27. März 2013 um 22:51 #

    @ Am_Rande

    „Ist die freie Meinungsäußerung unmoralischer Ansichten eine unmoralische Handlung?“

    Sie sagen „nein“, ich sage „ja“.

  6. Max Flocke 28. März 2013 um 00:13 #

    -ich sage: man kann seinen scheiss auch für sich behalten.
    wenn man weiss das die eigene meinung unmoralisch ist, warum die dann anderen genervten unbedingt aufs auge drücken? wir „moralischen“ sehen sowas als stalking.

  7. Am_Rande 28. März 2013 um 18:35 #

    @ Adrian

    – ich hoffe, diesmal stimmt der Nickname 😉

    Wenn Ich Ihnen eine Buchempfehlung zu diesem Thema geben darf, so würde ich Ihnen das Buch „What’s Left?: How the Left Lost its Way: How Liberals Lost Their Way“ des britischen Autors Nick Cohen empfehlen.
    Zum einen ist das Buch sehr lebendig geschrieben, (meiner Meinung das wichtigste an einem Buch), zum zweiten zeigt der Autor sehr schön den trostlosen Zustand des heutigen englischen Linksliberalismus auf, (das dürfte einen deutschen Liberalen immer interessieren), und drittens geht der Autor im Verlauf des Buches besonders auf die Frage der freien Meinungsäußerung ein – unser Punkt hier – und rekapituliert dabei die Hauptargumente zu deren Gunsten aus John Miltons „Areopagitica“ und John Stuart Mills „On Liberty“.
    Das beeindruckende an dem Autor Nick Cohen ist es dabei, dass er uns als Lesern des 21. Jahrhunderts die Brisanz und die Aktualität auch eines Traktates von 1644 deutlich machen kann.

    • Adrian 28. März 2013 um 18:38 #

      @ Am_Rande
      Ich kenne Nick Cohens Buch, habe es sogar bei mir im Bücherschrank stehen. Was möchtest Du mir sagen?

  8. Am_Rande 28. März 2013 um 18:47 #

    @ Adrian
    Dann möchte ich Ihnen sagen:
    Glückwunsch zu Ihrem Büchergeschmack 😉
    (Es sei denn, dass Buch hat Ihnen nicht gefallen.)

    Und dann, was ich vorhin geschrieben habe, dass Herr Cohen, sehr bündig die Argumente anführt, die dafür sprechen, dass auch homophobe Ansichten frei geäußert werden können müssen.
    Wenn Sie das weiterhin als „unmoralisch“ ansehen – nun, ich will mich nicht um Begrifflichkeiten streiten. 🙂

    • Adrian 28. März 2013 um 18:52 #

      @ Am_Rande
      Natürlich müssen homophobe Ansichten geäußert werden dürfen, ebenso wie andere unmoralische Ansichten auch. Das habe ich auch nie bestritten.

  9. Am_Rande 28. März 2013 um 18:56 #

    @ Adrian

    Und ich habe nie behauptet, dass Sie das Recht auf freie Meinungsäußerung bestritten hätten.
    Sie haben aber die Moralität derselben bestritten.
    Und ich habe nur gefragt: Warum Sie das tun.

    • Adrian 28. März 2013 um 19:52 #

      @ Am_Rande
      „Und ich habe nur gefragt: Warum Sie das tun.“

      Das steht im Beitrag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: