Zweierlei Freiheit (?)

7 Apr

Femen - AhmadiyyaFemen“ ist eine ziemlich durchgeknallte, radikalfemistische Gruppierung, deren Strategie darin besteht, mit nackten Brüsten gegen „Sexismus“ und das „Patriarchat“ zu demonstrieren. Umso erstaunlicher, dass sie nun einmal eine wirklich sinnvolle Aktion gestartet haben, nämlich einen Protest gegen Frauenunterdrückung im Islam. So auch in Berlin vor der hiesigen Ahmadiyya-Moschee:

Sechs Frauen versammelten sich vor der Ahmadiyya-Moschee, der ältesten Moschee Deutschlands, in Wilmersdorf. Sie riefen: „Wir sind frei, wir sind nackt, es ist unser Recht, es ist unser Körper, es sind unsere Regeln, und niemand kann Religion und andere heilige Dinge dazu benutzen, um Frauen zu missbrauchen und zu unterdrücken“.

Ein sympathisches Statement. Das allerdings sehen nicht alle so. Zum Beispiel der linke Männerrechtler Arne Hoffman, der in der Aktion von „Femen“ tatsächlich „Fremdenfeindlichkeit“ zu erkennen glaubt, was mich erstaunt fragen lässt, ob auf dieser Grundlage, Religionskritik nicht im Allgemeinen der Makel des Rassismus anhaften müsste.

Kritik kommt aber nicht nur von Hoffmann, sondern  – wenig überraschend – von den kritisierten Muslimen selbst. Und das auch und gerade von Frauen. Und wie nicht anders zu erwarten, fühlen diese sich nicht unterdrückt und bekunden wort- und schriftreich ihren Glauben an Pluralismus, ihrer Religion und die Freiheit der Wahl. Besonders gut gefällt mir dabei das Plakat einer jungen Muslima,

„There is more than one way to be free“,

es gibt nicht nur eine Möglichkeit, frei zu sein. Schwierig dagegen zu argumentieren. Aber andererseits: wäre eine Aktion wie die von „Femen“ in islamisch dominierten Gesellschaften möglich? Wohl kaum. Denn dort gibt es tatsächlich nur einen Weg um „frei“ zu sein. Den des Islam. Und das ist der Kern des Problems.

Advertisements

6 Antworten to “Zweierlei Freiheit (?)”

  1. Max Flocke 7. April 2013 um 01:45 #

    “ Besonders gut gefällt mir dabei das Plakat einer jungen Muslima,

    “There is more than one way to be free”,‘

    -da hat sie sicher recht, aber die merkt ja nicht mal das gerade sie das nicht ist.
    komisch, wie sich manche menschen ihre ketten schönreden.

  2. pedro luis 7. April 2013 um 06:48 #

    Versuchen wir uns lieber mal vorzustellen, was passieren würde, wenn eine nackte Männergruppe mit einem entsprechenden Slogan für die Beseitigung gesetzlicher Diskriminierungen von Männern auftreten würde, noch dazu vor einer Moschee.

  3. Hannes Leitlein 7. April 2013 um 07:32 #

    Wo ist denn dort? Marrokko oder Sri Lanka? Neuköllln oder Köln-Mühlheim? Es ist schlicht unsinn, „islamisch dominierte Gesellschaften“ festzulegen bzw. über einen Kamm zu bürsten.

    Die Insassen in deutschen Gefängnissen zeigen ja auch, dass nur ein bestimmtes Verhalten in Deutschland zur Freiheit führt und Lebensstile, die zu diesem Verständnis nicht kompatibel sind, in die Unfreiheit führen. Auch „die christlich dominierte Gesellschaft“ ist exklusiv und kennt nur einen Weg in die Freiheit.

    Das der Islam nicht perse Frauenfeindlich und Homophob ist, hat Georg Klauda in „die Vertreibung aus dem Serail“ belegt.

  4. Adrian 7. April 2013 um 09:24 #

    @ Hannes Leitlein
    „Wo ist denn dort? Marrokko oder Sri Lanka? Neuköllln oder Köln-Mühlheim?“

    Marokko und Sri Lanka sind Staaten, die man beide nicht als sonderlich frei bezeichnen kann. Neukölln oder Köln-Mühlheim sind keine islamisch dominierten Gesellschaften. Immerhin gilt da das deutsche Recht.

    „Die Insassen in deutschen Gefängnissen zeigen ja auch, dass nur ein bestimmtes Verhalten in Deutschland zur Freiheit führt und Lebensstile, die zu diesem Verständnis nicht kompatibel sind, in die Unfreiheit führen.“

    Was meinst Du da jetzt konkret?

    „Auch “die christlich dominierte Gesellschaft” ist exklusiv und kennt nur einen Weg in die Freiheit. „

    Das habe ich nicht mal bestritten. Aber schön, dass Du mir offenbar doch recht gibst.

  5. morus 7. April 2013 um 12:46 #

    „Der Islam“ ist doch nicht das Gleiche wie „islamisch dominierte Gesellschaften“.
    Es gibt im westlichen Europa die Glaubensfreiheit – und das persönlich finde ich gut. Damit zu argumentieren, dass die nicht gut sein soll, weil andernorts die Nichtexistenz eben jener nicht gut sein soll, scheint mir doch etwas – wie soll ich sagen – komisch.
    Und: Zur Glaubensfreiheit gehört nun mal, dass man glauben darf, was man will, auch wenn dieser Glaube und seine Praktizierung bei anderen auf Unverständnis stösst.

  6. Adrian 7. April 2013 um 14:05 #

    @ morus
    „“Der Islam” ist doch nicht das Gleiche wie “islamisch dominierte Gesellschaften”.“

    Einen Zusammenhang wird man allerdings nicht abstreiten können.

    „Damit zu argumentieren, dass die nicht gut sein soll,“

    Wer hat denn das gemacht?

    „Zur Glaubensfreiheit gehört nun mal, dass man glauben darf, was man will, auch wenn dieser Glaube und seine Praktizierung bei anderen auf Unverständnis stösst.“

    Richtig. Und zur Meinungsfreiheit gehört, dass man Glaubensformen kritisieren darf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: