Fuck La France!

22 Apr

Frankreich ist in aller Welt als das Land der Leichtigkeit bekannt, Paris als die Stadt der Lichter und der Liebe. Und nun das: Seit Wochen eskalieren die Proteste gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und des Rechtes auf Adoption für homosexuelle Paare:

Es sind nicht nur die überwiegend konservativ-katholischen Bürger, die unter dem Motto „Papa und Mama – es gibt nichts Besseres für ein Kind“ zu Zehntausenden auf die Straße gehen. Rechtsextreme Gruppen haben sich hinzugesellt. Ermutigt durch den seit Monaten ungebrochenen Massenprotest gegen die Homo-Ehe, lassen sie ihren homophoben Neigungen freien Lauf, machen Jagd auf Homosexuelle. In Lille haben Skinheads nach einer Veranstaltung der Reformgegner den Chef und drei Angestellte einer Schwulenkneipe zusammengeschlagen. In Bordeaux verwüsteten Rechtsextreme eine überwiegend von Homosexuellen frequentierte Bar. Mit massivem Polizeieinsatz versuchen die Behörden, die homophobe Gewalt zu unterbinden.

Was ist los in Frankreich? Woher dieser Furor? Kann man sich an ähnliche Szenen erinnern, als die Homo-Ehe in ebenfalls katholischen Ländern Spanien, Argentinien und Uruguay eingeführt wurde? Nicht mal in Südafrika gab es einen derartige Tumulte wie in dem Land, das sich gerne als Hort von Zivilisation und Kultur versteht.

Andererseits: für den politisch nicht unbeleckten Beobachter ist das alles weniger überraschend, als man zunächst meinen könnte. Frankreich ist ein politisch äußerst extremes Land mit starken rechts- und linksextremen Bewegungen, die tief in der Mitte der Gesellschaft verankert sind; ein Land in dem  Antiliberalismus, Antiamerikanismus und der Ruf nach dem starken Staat eine lange Tradition haben. Dazu kommt die französische Mischung aus Größenwahn und Impotenz, jenes Bewusstsein also, auf der Welt etwas ganz Besonderes zu sein. Doch wie selbstbewusst kann ein Land sein, das es für nötig hält, seine Bürgern Sprachvorschriften zu verordnen und Quoten für französiches Kulturgut festzuschreiben?

Nichtsdestotrotz ist Frankreich ein charmantes Land – und wird es auch bleiben. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass die Mehrheit der Franzosen die Gleichstellung von Homosexuellen befürwortet. Die Radikalität die sich in der Opposition gegen diese Gleichberechtigung zeigt, lässt einen allerdings die Fäuste ballen und unseren westlichen Nachbarn ein beherztes „Fuck you, France!“ zurufen.

Zumindest bis man sich wieder beruhigt hat…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: