All-inclusive Moschee

23 Apr

Homosexualität und Islam, geht das zusammen? Der gläubige Moslem Ludovic-Mohamed Zahed war sich nach seinem Coming-Out sicher:

„Entweder Homosexualität ist schlecht, muss verboten werden und ich bin krank. Oder der Islam ist ein Betrug“, beschreibt er seinen Konflikt, an dessen Ende er mit seiner Religion brach.

Doch das ist nicht das Ende der Geschichte:

„Ich besaß nicht die Reife, um meinem inneren Widerspruch zu begegnen“, sagt er heute.

Jetzt hingegen versucht er den Widerspruch in sich zu versöhnen:

Der 35-Jährige, der sich als Ausdruck seiner französisch-algerischen Nationalität Ludovic-Mohamed nennt, hat zum Glauben zurückgefunden, ist ins weltoffenere Paris gezogen und promoviert dort über Homosexualität im Islam. Mit intellektuellen Waffen will er beweisen, dass es sich keineswegs seit jeher um ein Tabu gehandelt hat. Eine einseitige und dogmatische Auslegung einiger Koran-Verse habe sich losgelöst von humanistischen Werten durchgesetzt. „Der Islam rechtfertigt nicht die Diskriminierung“, sagt Ludovic-Mohamed.

Deshalb hat er Ende November Europas erste „alle einschließende“ Moschee bei Paris gegründet, die offen ist für Homo-, Hetero- und Transsexuelle. Frauen werden dort nicht gezwungen, einen Schleier zu tragen, sie sollen sogar Imame sein können.

Klar ist, dass Zahed damit nicht nur Begeisterung auslöst:

Die Eröffnung provozierte heftige Reaktionen.

Die offiziellen Vertreter der Muslime weigerten sich, die „fortschrittliche Moschee“ anzuerkennen. Unter Artikeln im Internet musste teilweise die Kommentar-Funktion abgeschaltet werden, so beleidigend waren die Reaktionen mancher Leser. Weil er Drohungen bekam, hielt Ludovic-Mohamed die Adresse der Moschee geheim.

Nicht von ungefähr erinnern diese Zeilen an ähnliche Vorgänge im christlichen Bereich. Bis heute kämpfen Homo- und Transsexuelle in den christlichen Kirchen um ihre vollständige Akzeptanz, beleidigen und belehren christliche Hardliner ihre liberalen Glaubensgeschwister über den einzig richtigen Weg und nicht zuletzt gibt es im evangelikalen Bereich des Protestantismus Gruppen, die ihre Treffpunkte nicht öffentlich ankündigen, da sie Repressionen seitens ihrer „Geschwister“ befürchten. Für Zahed zahlte sich die Beharrlichkeit aus:

Inzwischen ist die Angst vor Angriffen gewichen. Einmal erkannten ihn drei Halbwüchsige auf der Straße und pöbelten ihn an. „Aber als ich ihnen antwortete, wichen sie zurück und konnten mir nicht einmal in die Augen sehen.“

Die Proteste gegen die Eheöffnung für Homosexuelle in Frankreich erklärt Zahed

mit dem Gefühl des Kontrollverlustes: „Alle sozialen Gruppen, die ihre Traditionen in Gefahr wähnen, suchen Sündenböcke und grenzen sie aus.“ Er wartet auf die Homo-Ehe, um die Heirat mit seinem Mann Qyiaam, die 2011 in Südafrika vollzogen wurde, in Frankreich zu wiederholen. Er glaubt, die Menschen werden sich bald an die neue Realität gewöhnen. „Ein Tabu ist gebrochen. Selbst wenn man es ablehnt, spricht man wenigstens darüber.“

Und das dürfte auch für die von Zahed gegründete Moschee gelten. Natürlich provozieren Veränderungen, zumal fortschrittliche, immer den Widerstand von Konservativen. Aber wie sonst sollte man gesellschaftliche Einschränkungen aufheben, wenn man nicht mit eigenem Beispiel vorangeht und Strukturen schafft, in denen bisher für unvereinbar Gehaltenes zusammenkommen darf? Viel Erfolg und Gottes Segen, Ludovic-Mohamed Zahed!

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