Willkommen in Kreuzberg

24 Apr

Das Jüdische Museum in Berlin möchte einen Platz nach Moses Mendelssohn benennen:

Der jüdische Philosoph gilt als ein Wegbereiter der Aufklärung und kam selber als Migrant nach Berlin – der perfekte Kandidat also, hätte er nicht ein entscheidendes Manko:

Er ist Jude? Nein, ganz so offiziell ist der in Kreuzberg durchaus verbreitete Antisemitismus noch nicht:

Er ist keine Frau.

Friedrichshain-Kreuzberg hat sich 2005 eine Frauenquote von 50 Prozent verschrieben. Laut einem Beschluss der von den Grünen dominierten Bezirksverordnetenversammlung müssen Straßen und Plätze zur Hälfte nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, sollen nur noch weibliche Namen vergeben werden.

Vielleicht könnte man eine bereits politisch korrekt benannte Straße umbenennen, um dann den neuen Platz mit deren bisheriger Namenspatronin zu beglücken?

Im Bezirksausschuss „Frauen, Gleichstellung und Queer“ wird bereits die Idee diskutiert, die bestehende Rahel-Varnhagen-Promenade umzutaufen, nur um dann doch den Vorplatz der Akademie des Jüdischen Museums nach ihr benennen zu können.

Oder sollte man den Platz besser nach Herrn und Frau Mendelssohn benennen?

Um Mendelssohn nicht außer Acht zu lassen und trotzdem noch eine Frau aufs Schild zu hieven, haben Abgeordnete die Alternative „Fromet- und Moses-Mendelssohn-Platz“, respektive „Eheleute-Mendelssohn-Platz“ vorgeschlagen.

Die WELT meint dazu:

Im Jahr 2013 gilt es also wieder als emanzipatorischer Erfolg, an der Seite seines Mannes genannt zu werden. Funktion: Gattin. Dafür, könnte man meinen, hätte es eine Frauenquote nicht gebraucht.

Immerhin, Kreuzberger Grüne haben gar nichts gegen Juden, solange sie nicht deutschen Beschlüssen zuwiderlaufen:

Anna Sophie Luck von den Kreuzberger Grünen, stellvertretende Vorsitzende des Gleichstellungs-Ausschusses, bemüht sich zwar zu versichern, dass man Mendelssohn an sich ja auch „ganz toll“ finde, aber Beschluss sei nun einmal Beschluss.

Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, schließlich

wurden in den vergangenen Jahren schon Ausnahmen von der Regel gemacht. Etwa für die Rudi-Dutschke-Straße oder für den ermordeten Hausbesetzer Silvio Meier, nach dem demnächst die Gabelsbergerstraße in Friedrichshain umbenannt werden soll. Offenbar lässt sich die Frauenquote für linke Konsensfiguren aussetzen.

Und damit hätte ich einen Namensvorschlag, der in Friedrichshain-Kreuzberg den größtmöglichen Konsens garantieren dürfte: Sie ist Frau, sie ist Jüdin und in Punkto Israelhass voll und ganz Kreuzbergerin. Auch das Jüdische Museum müsste einverstanden sein, lud es sie doch noch im vergangenen Herbst ein, ihr Herz für die Hamas auch in Berlin zu inszenieren.

Auch wenn es in Deutschland nicht üblich ist, Straßen nach lebenden Personen zu benennen, für sie wird man in Kreuzberg sicher gerne noch eine Ausnahme machen, damit es bei Stadtrundfahrten mit Halt am Jüdischen Museum schon bald heißen kann: Willkommen in Kreuzberg, wir begrüßen Sie recht herzlich am Judith-Butler-Platz!

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