Sport schwul

2 Mai

Aus der Welt des Sports gibt es einiges zu vermelden: So hat sich der Basketballer Jason Collins als erster NBA-Spieler als schwul geoutet. Und erntet dafür fast überall nur Anerkennung:

Collins, 34 Jahre alt, 2,13 Meter groß, 116 Kilogramm Lebendgewicht, hat sich in einem Magazinaufsatz als erster aktiver Basketballprofi dazu bekannt, schwul zu sein – und wurde so über Nacht von einem alternden, kaum mehr eingesetzten und fast unverkäuflichen Hinterbänkler der Washington Wizards zum bewunderten Helden.

Die Stars der NBA verneigen sich vor dem Mann im Twittertakt. Kobe Bryant vermeldete etwas verquer: „Stolz auf Jason Collins. Ersticke nicht daran, wer Du bist, nur wegen der Ignoranz der anderen. Mut! Unterstützung!“

Die Welt des männlichen Mannschaftssport gilt als schweres Pflaster für offen schwule Männer. Umso erfreulicher, dass das Coming-out von Collins, kaum negative Reaktionen hervorgerufen hat. Wer hätte das vor zehn, vor fünf Jahren vermutet?

Zur beredten Ausnahme schwang sich unter anderen ein Sportkommentator namens Chris Broussard auf. Er erwies auf seine Frömmigkeit, die ihm befehle, Homosexualität als Sünde zu brandmarken. Wer schwul sei, begebe sich „in offene Rebellion gegen Gott und Jesus Christus“.

Nun ja, ein Argument, das kaum der Erwähnung wert ist, und das selbst innerhalb von frommen Kreisen der USA, zunehmend lächerlich klingt.

Oder der frühere NBA-Profi Larry Johnson. Er sagte: „Man muss vor Homosexualität keine Angst haben – aber es hat in der Umkleidekabine nichts zu suchen. Ich persönlich würde mich mit Schwulen in der Umkleidekabine nicht wohlfühlen.“

Wobei die Schwulen selbstredend nicht das Problem sind, denn mit diesen befand sich Johnson immer in einer Umkleidekabine – er hat es bislang nur nicht gewusst. Wenn er sich nun im Bewusstsein von schwuler Existenz in seiner Nähe nicht wohlfühlt, ist das allein sein Problem, und ganz sicher keines, weswegen sich die Hähne dieser Welt bemüßigt fühlen müssten, darüber zu krähen.

Schwimmen wir über den Atlantik zurück nach Europa, darf man ebenfalls „schwules“ im Sport vermelden. So hat sich Fußballspieler Mohamadou Idrissou vom 1. FC Kaiserslautern einen peinlichen Fauxpas geleistet:

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat gegen den Kameruner wegen dessen Verbalattacke gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark Ermittlungen eingeleitet.

„Er hat zu mir gesagt, deine Körpersprache gefällt mir nicht“, sagte Idrissou am Montagabend nach der 2:4-Niederlage der Pfälzer bei Energie Cottbus dem Fernsehsender Sky. „Ich bin nicht schwul. Meine Körpersprache ist eine richtige Männerkörpersprache. Ich werde auch nicht schwul, das ist sein Problem.“

Man kann sich allerdings kaum vorstellen, dass der Schiedsrichter unseren Idrissou – diese Ausgeburt an Testosteron – nur deshalb verwarnt hat, weil er sich ärgerte, dass dieser nicht schwul ist. Man muss in der Tat schon an gehörigem Verfolungswahn leiden, um hinter jeder Kritik an der eigenen Gestik, eine versteckte Anmache zu sehen. Und wie sicher kann sich jemand seiner Männlichkeit sein, wenn man diese durch derlei Kleinigkeiten bedroht sieht?

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Eine Antwort to “Sport schwul”

  1. basti 2. Mai 2013 um 12:40 #

    Mo Idrissou ist im Uebrigen strengglaeubiger Moslem und trank auf der letzten Aufstiegsfeier bei Eintracht Frankfurt keinen Alkohol.

    Das erklaert einiges.

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