Schutz und Solidarität

13 Mai

Zum Offenen Brief des Präsidiums des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG) zum “Umgang mit dem Thema Homosexualität” gibt es eine Stellungnahme von einigen Dutzend vorwiegend Hauptamtlichen, Baptisten-Pastor_innen sowie Mitarbeiter_innen des Gemeindejugendwerks. Da ich den Brief bisher nicht im Netz gefunden habe, veröffentliche ich den in der letzten Ausgabe der Zeitschrift „DIE GEMEINDE“ erschienenen Text hier im Wortlaut:

Liebe Geschwister des Präsidiums des BEFG,
wir, die Unterschreibenden, sind Menschen unseres Bundes, die an unterschiedlichen Stellen Verantwortung übernehmen. Wir äußern uns zu dem offenen Brief des Präsidiums „Zum Umgang mit dem Thema Homosexualität“ als Einzelpersonen und ausdrücklich nicht als Vertreterinnen und Vertreter bzw. Sprecher einer Gemeinde oder Institution.

Mit unserem öffentlichen Schreiben möchten wir zum Ausdruck bringen, dass man auch als freikirchlich geprägter Christ begründet zu einer anderen Auffassung gelangen kann, die nichts mit „politischer Korrektheit“ zu tun hat, sondern mit unserem Verständnis des Evangeliums.

Unsere Position
Wir stehen zu den Geschwistern in unserem Bund, die homosexuell empfinden und leben. Wir wollen, dass sie in unseren Gemeinden auf allen Ebenen mitarbeiten und sich ihren Gaben entsprechend einbringen können.
Dies gilt für ehrenamtlich Mitarbeitende ebenso wie für ordinierte Mitarbeitende unseres Bundes. Jegliche Form von Diskriminierung und Ausgrenzung lehnen wir ab. Wer davon betroffen ist, erfährt unseren Schutz und unsere Solidarität.
Unserer Meinung nach ist die Gemeinde Jesu Christi ein Raum, in dem es möglich ist, heilsame Beziehungen zu erfahren und vorgelebt zu bekommen – Beziehungen, die von Liebe, gegenseitiger Annahme, Vergebung und tiefer Begegnung geprägt sind. Das wünschen wir uns für homosexuelle wie für heterosexuelle Beziehungen gleichermaßen. Wir wünschen uns auch, dass homosexuelle Paare in unseren Gemeinden Räume finden, in denen sie für ihre Beziehungen Hilfestellung bekommen, damit diese gelingen können. Das Miteinander von homosexuell und heterosexuell empfindenden Menschen ist uns wichtig, da wir durch unsere Unterschiedlichkeit bereichert werden und uns gegenseitig dienen können.
Wir glauben, dass man einer Beziehung zwischen zwei Menschen, die auf Liebe und Verbindlichkeit beruht, nicht den Segen Gottes vorenthalten kann: Gott ist und bleibt der Segnende.  Wir sprechen uns daher dafür aus, dass eingetragene homosexuelle Lebenspartnerschaften gesegnet werden.
Auf gesellschaftlicher Ebene begrüßen wir die Initiativen zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der heterosexuellen Ehe, da umfassend gefördert werden sollte, wenn Menschen füreinander öffentlich Verantwortung übernehmen. Die heterosexuelle Ehe mit allen Rechten und Pflichten verliert u.E. dadurch nicht an Stellenwert für die Gesellschaft.

Anmerkungen zu eurer Position
Wir begrüßen es ausdrücklich, dass Ihr Euch mit dem Thema Homosexualität auseinander gesetzt habt. In Eurem Offenen Brief erklärt Ihr, dass Ihr lediglich Empfehlungen aussprechen wollt. In diesen Empfehlungen kommt für unser Empfinden aber klar eine ablehnende Haltung gegenüber homosexuell empfindenden Menschen zum Ausdruck. Wir finden dafür keine wirkliche Begründung. Eure Bearbeitung der biblischen Texte ist gekennzeichnet von großer Uneinigkeit, sie ist nicht stringent und logisch nicht nachzuvollziehen.
Aber für uns liegt das Problem Eures Umgangs mit den Bibelstellen auf einer noch tieferen Ebene: Es ist nach unserer Auffassung nicht angebracht, ethische Entscheidungen anhand einzelner Bibelstellen zu treffen. Eine ausschließlich exegetische Betrachtung der Bibelstellen allein reicht nicht, um eine ethische Entscheidung zu treffen. Wir vermissen eine tiefergehende Grundlegung der Ethik und einen in sich schlüssigen Umgang mit den biblischen Texten. Wir laden Euch jedoch herzlich zum Dialog ein, um unsere biblisch-theologische Auffassung und Position erläutern zu können, weil u.E. ein kurzes Schreiben nicht den nötigen Raum dazu bietet, unsere Position gründlich darzulegen.

Uns ist bewusst, dass es im BEFG viele unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. Die Gemeinden müssen selbst einen Weg finden, das Thema zu bearbeiten und sich eine Meinung dazu zu bilden. Für den zukünftigen Prozess wünschen wir uns, Gemeinden eine Hilfestellung in Form von Material, Seminarangeboten oder Personenempfehlungen an die Hand zu geben. Es gibt in unserem Bund einige Gemeinden, die sich mit dem Thema bereits in einem intensiven Prozess beschäftigt haben. Diese sind bestimmt gern bereit, ihre Erfahrungen und Gedanken dazu zu teilen.

Wir hoffen auf einen offenen und fairen Dialog in unserer Bundesgemeinschaft. Auch die Verfasser dieses Briefes stehen als Gesprächspartner in einem solchen Prozess zur Verfügung.

Da bleibt mir nur eins: Danke für dieses Beispiel gelebten Evangeliums !

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Eine Antwort to “Schutz und Solidarität”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Lebenszeichen | schrankgeschichten - 8. August 2013

    […] und Reaktionen darauf in den Gemeinden und Teilen der Pastorenschaft, […]

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