Das war schon immer so

26 Mai

Schwule Kinder und Jugendliche werden bei den amerikanischen Pfadfindern ab dem 1. Januar 2014 nicht mehr ausgegrenzt. So weit, so erfreulich! Doch wie sieht es mit schwulen Leitern aus? Laut der Süddeutschen schlecht, denn in

ihren Reihen werden weiterhin keine Schwulen geduldet.

In der WELT hingegen heißt es, für die Erwachsenen ändere sich nichts an

dem Verbot, sich offen zur Homosexualität zu bekennen,

was eher nach „Don’t ask, don’t tell“ klingt als nach einer absoluten Ausgrenzung. Kritische Stimmen zum Ausschluss der Erwachsenen deuten allerdings darauf hin, dass die Süddeutsche korrekt berichtet:

Matthew Titone, ein bekennend schwuler Lokalpolitiker in New York, lobte die Pfadfinder für ihr „mutiges Votum“. Dass der Bann gegen erwachsene Mitglieder der Pfadfinder unangetastet bleibe, sende jedoch das ganz falsche Signal: „Es verbreitet weiter die Idee, dass schwule Männer Pädophile sind – und das ist falsch und unfair und bedauerlich.“ Einer der führenden Funktionäre der Pfadfinder in New York, Joseph Schlitz, bedauerte den unveränderten Bann gegen schwule Männer; er sei „extrem enttäuscht“ und werde nicht nachlassen, auch diese letzte Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

Für Konservative ist diese Form der Gerechtigkeit ein Gräuel:

Frank Page, Führungsmitglied der Southern Baptist Convention: „Homosexuelles Verhalten ist unvereinbar mit den Prinzipien, die im Eid wie in den Regeln der Pfadfinder verankert sind.“ Der Treueeid der US-Pfadfinder wird auf Gott und Vaterland abgelegt; man gelobt „moralische Geradlinigkeit“.

Wo ist das Problem? Warum sollten schwule Pfadfinder keinen Eid auf Gott und Vaterland schwören, warum keine moralische Geradlinigkeit geloben?

Assemblies of God, eine konservative evangelikale Sekte, sagte voraus, dass die Öffnung der Boy Scouts (und der Girl Scouts) für schwule Kinder und Jugendliche zu einem „Massenexodus“ führen werde.

Wir erinnern uns: „Exodus“ bezeichnet die göttliche Errettung einer Gruppe aus einer Gewaltherrschaft. Wollen diese Konservativen mit ihrer Wortwahl daher nahelegen, die Abschaffung der Diskriminierung von schwulen Kindern und Jugendlichen bei den Boy Scouts sei gleichbedeutend mit der Errichtung einer Gewaltherrschaft?

Im Übrigen werde mit dem Nachgeben der Organisation im Prinzip eine Flut an Prozessen provoziert, die dasselbe Recht für Erwachsene einklagen würden.

Entweder ist die Diskriminierung gerechtfertigt oder sie ist es nicht. Sie aufrechtzuerhalten, weil sonst auch andere das Ende ihrer Diskriminierung fordern könnten, ist eine ziemlich merkwürdige Begründung.

Eine ehrwürdige Institution werde durch eine politische Agenda gespalten, fügte ein Mitglied des konservativen Family Research Council hinzu.

Das könnte man auch genau andersherum sehen: Eine ansonsten ehrwürdige Institution, die ihre Ehre durch Diskriminierung teilweise befleckt hat, stellt diese Ehre wieder her durch die Aufhebung des Ausschlusses.

Obendrein ging es ums Geld: Prominente Unterstützer wie die UPS-Stiftung, Merck und Intel zogen ihre Spenden zurück, weil die Pfadfinder-Regeln firmeneigene Antidiskriminierungskodizes verletzten.

Manchmal sind die Kozides der Wirtschaft eben anständiger als die Ehrvorstellungen von Konservativen. Obwohl, wenn man der WELT folgt, letztlich finanzielle Erwägungen grundlegend sind für die Homophilie des amerikanischen Kapitals:

Amerikas Wirtschaft und Industrie verehren geradezu die (statistisch nachweislich) besser gebildeten, besser verdienenden, häufig ästhetisch interessierten schwulen Verbraucher.

Weshalb offenbar auch den Boy Scouts gar nichts anderes übrig blieb:

Selbst die amerikanischen Pfadfinder konnten sich nicht von diesem Normalisierungsprozess ausschließen.

Auch wenn die Verehrung männlicher homosexueller Verbraucher mir nicht unbedingt Teil eines Normalisierungprozesses zu sein schiene und Normalisierungprozess die momentane Entwicklung tatsächlich besser beschreiben dürfte, fragt man sich, wieso ausgerechnet schwule Erwachsene bei den Pfadfindern weiterhin draußen bleiben sollten. In der Erklärung des Nationalen Rats der Boy Scouts of America heißt es hierzu:

Diese Regeln haben uns in den vergangenen hundert Jahren gut gedient.

Nicht gerade ein beeindruckendes Argument, wenn es um die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft geht. Und: Wem hätten diese Regeln wenigstens in der Vergangenheit wodurch gut gedient? Ob dazu in der Erklärung mehr steht als in der WELT?

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15 Antworten to “Das war schon immer so”

  1. allsurfer4 27. Mai 2013 um 01:04 #

    Ich will mich zu diesem Artikel nicht weiter äußern, nur eine kleine Geschichte dazu erzählen.
    Nach dem Tod meiner Frau vor 15 Jahren – ich habe 4 Kinder, das jüngste damals 5 Jahre – verlor ich den Boden unter den Füßen und das führte dazu, dass meine Kids in ein SOS-Kinderdorf im Südschwarzwald kamen.
    Dort gab es einen „Erzieher“, der mir von Anfang an mißfiel, ich konnte nicht sagen, warum.
    Im Laufe der Zeit hatte ich mit ihm öfter am Telefon zu tun – Rededuelle zu bestreiten.
    Dabei erreichte seine Stimme vor zorniger Erregung öfter mal das hohe C.
    Ich hielt ihn für schwul, aber nicht nur das.
    Zwischenzeitlich erreichten mich Worte meiner Jungs, aus denen hervorging, dass jener Erzieher zu ihnen im „spasshaften“ Ton gesagt haben soll, sie sollten ihn öfter auf seinem Handy anrufen, er würde dann selbiges auf Vibration schalten und in seine Unterhose stecken……..
    Ich habe bei der Kinderdorf-Leitung entsprechend interveniert und wurde „offiziell ausgelacht“.
    Nur wenig später wurde dieser Mann von seiner Arbeit freigestellt wegen einer „Lungengeschichte“.
    Zwei Jahre später habe ich ihn bei wkw gefunden.
    Auf seiner Seite befanden sich in seiner Freundesliste unter anderem Zweihundert halbnackte Jungs……….Ohne Kommentar.

    • Damien 27. Mai 2013 um 10:35 #

      @allsurfer4:

      Dabei erreichte seine Stimme vor zorniger Erregung öfter mal das hohe C. Ich hielt ihn für schwul, aber nicht nur das.

      Sonst lebst Du aber ohne Vorurteile? 😉

    • Adrian 27. Mai 2013 um 11:12 #

      @allsurfer4
      Ich verstehe nicht, was Du mit dieser Geschichte sagen willst 😦

  2. Atacama 27. Mai 2013 um 12:44 #

    Er will damit sagen, er hat ein persönliches Erlebnis mit einem mutmaßlichen Päderasten gehabt (ich hoffe, deine Kinder sind unbeschadet aus der Sache rausgekommen) und hält es deswegen für fatal, schwule Männer Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben zu lassen.

    Es ist für viele eben schwer, in Bezug auf von vornherein „verdächtige“ und vorurteilsbeladene Minderheiten trotzdem noch zu differenzieren und den Einzelfall zu betrachten.

    Dass da draussen millionen schwule Männer herumlaufen die kein Interesse an Kindern haben bzw. dass schwule Männer generell kein sexuelles Interesse an Kindern haben, sonst wären sie ja nicht schwul sondern pädo- oder ephebephil (oder schwul PLUS pädophil), das wird halt nicht gesehen, denn über Leute die nichts tun, steht auch ncihts in der Zeitung.

    „Wo ist das Problem? Warum sollten schwule Pfadfinder keinen Eid auf Gott und Vaterland schwören, warum keine moralische Geradlinigkeit geloben?“

    Das weisst du doch, Homosexualität ist das Gegenteil von moralischer Gradlinigkeit, sondern eine unmoralische Abirrung und dazu noch Gotteslästerung usw. usf.

  3. Martin 27. Mai 2013 um 19:50 #

    „Warum sollten schwule Pfadfinder keinen Eid auf Gott und Vaterland schwören, warum keine moralische Geradlinigkeit geloben“

    Weil für diese Leute Homosexualität eine Wahl ist, nur eine Wahl sein kann. Nur wenn es eine Wahl ist kann es unmoralisch sein, und da es aus religiösem Grund unmoralisch sein muss, muss es eine Wahl sein. nur wenn es eine Wahl ist, kann es unmoralisch sein usw. usf., immer schön im Kreis herum. So bestätigt sich ein unumstößlicher Fakt selbst ohne auch nur im geringsten tatsächlich wahr zu sein.

    zu allsurfer4, da bellst du aber den falschen Baum an, wenn du Homosexualität und Pädophilie verbindest kannst du genausogut Pädophilie und Hautfarbe verbinden.

    • Damien 27. Mai 2013 um 19:54 #

      @Martin: Und ich dachte, für diese Leute sei Pfadfinder sein eine Wahl 😉

  4. Martin 29. Mai 2013 um 00:42 #

    Ha, wer weiss wie das so in Traditionspfadfinderfamilien ist 🙂

  5. allsurfer4 29. Mai 2013 um 17:19 #

    @ Damien

    Sonst lebst Du aber ohne Vorurteile? 😉

    Ich betrachte mich eigentlich als relativ vorurteilslos, aber ich verlasse mich auf mein „Bauchgefühl“, und, wie die Geschichte gezeigt hat, auch zu recht; aber es ist natürlich auch so, dass, wenn man selber bisexuell mit Schwerpunkt zum Mann lebt, man auch im Laufe der Zeit so etwas wie eine „Antenne“ entwickelt, die einen ahnen lässt, welche sexuelle Orientierung „der Andere“ haben könnte.

    @ Adrian

    Was ich damit sagen will?
    Eigentlich ganz einfach:
    Es ist ja heutzutage schon so, dass man nur für einen neuen Mietvertrag oft einen halben „Seelen-Striptease“ hinlegen muss.
    Es gab hier auch schon Artikel, die belegen, dass man u.U. auch nach seiner sexuellen Orientierung befragt wird, was sehr beklagenswert ist, weil das niemanden etwas angeht.
    Anders sieht es aus, wenn es um Erziehungs -oder Führungskräfte unserer Kinder geht.
    Mir ist es wurscht, ob ein/e Erzieher/in schwul oder lesbisch ist, es sollte nur sichergestellt sein, dass Kinder nicht Objekte ihrer Begierden sind.
    Jeder Mensch in der Kinderbetreuung MUSS ganz einfach IMMER integer sein, dann ist es egal, welchen Job er macht.

    @ Martin

    zu allsurfer4, da bellst du aber den falschen Baum an, wenn du Homosexualität und Pädophilie verbindest kannst du genausogut Pädophilie und Hautfarbe verbinden.

    Da liegst du grundsätzlich falsch, das tue ich nämlich nicht.

    Ich bin ja erst aufmerksam geworden, als „Das Handy in der Unterhose“ in Verbindung zu seiner von mir vermuteten Homosexualität zu Tage trat.
    Hetero oder Homo oder sonstwas ist mir egal – ich bin auch kein Hetero – aber so etwas zu Kindern zwischen 10 + 14 Jahren zu sagen, ist einfach ein NO GO.

    @ Atacama

    Danke, meine Kinder sind unbeschadet aus der Sache rausgekommen.

    Ich halte es durchaus nicht für fatal, wenn homosexuelle Frauen und Männer in der Kinder -und Jugendarbeit tätig sind, das ist völlig in Ordnung, solange sie integer sind.
    Das gilt im Übrigen für alle sexuellen Orientierungen, ich kann da keine Unterschiede sehen und mache auch keine.
    Nur manchmal sollte halt genauer nachgeschaut werden.

    • Damien 29. Mai 2013 um 17:40 #

      @allsurfer: Nach diesen Ausführungen verstehe ich endgültig nicht, wieso Du Deine Erfahrung mit einem mutmaßlich pädophilen Erzieher als Kommentar zu einem Beitrag postest, wo es um die Diskriminierung von schwulen Pfadfinderleitern geht.

  6. allsurfer4 30. Mai 2013 um 02:48 #

    @ Damien
    Ich kann es auch ganz deutlich oder einfach anders sagen:
    Diskriminierungen schwuler Pfadfinder-Leiter sind eindeutig abzulehnen, es ist eben nur darauf zu achten, dass sie integer sind, aber eben das gilt für alle Menschen, die mit Kindern arbeiten.
    Pfadfinder-Leiter nur deshalb abzulehnen weil sie schwul sind, ist absurd.
    In Bezug auf Sex in allen seinen Variationen sind die Amerikaner sowieso nicht das Maß aller Dinge, oder der Nabel der Welt – im Gegenteil, die haben ein Rad ab.
    Ich wollte mit meinem Kommentar nur klarstellen, dass ALLE erwachsenen Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung das Recht haben sollten, berufliche Qualifikation vorausgesetzt, mit Kindern zu arbeiten, solange sie nicht sexuell auf diese „abfahren“.
    Um noch auf dieser Schiene zu bleiben: Es sollten auch alle schwul/lesbischen Paare das Recht haben, Kinder zu erziehen, solange sie ausschließlich das Kindeswohl im Sinn haben.
    Aber das ist eben auch die Krux dabei, dass es keinem auf die Stirn geschrieben steht, wie er denkt und fühlt…….

  7. morus 30. Mai 2013 um 11:56 #

    @Damien
    Wenn, dann werden homosexuelle PfadfinderleiterInnen diskriminiert. Bitte nicht wieder die Lesben ausblenden…. 😉

    • Damien 30. Mai 2013 um 21:27 #

      @Morus: Bei den Boy Scouts werden alle Pfadfinderinnen diskriminiert, weil sie dort gar keine Frauen zulassen. Die Mädels haben ihren eigenen Verband. Ob dort Lesben Leiterinnen werden dürfen, entzieht sich meiner Kenntnis ebenso wie die Frage, wer für diese Geschlechtertrennung ursprünglich verantwortlich ist. Also die Ausblendung ist nicht auf meinem Mist gewachsen. 😉

  8. Adrian 30. Mai 2013 um 22:21 #

    Die „Girl Scouts of the USA“ haben eine „don’t ask, don’t tell“-Politik was Sexualität und sexuelle Orientierung angeht

    „As a private organization, Girl Scouts of the U.S.A. respects the values and beliefs of each of its members and does not intrude into personal matters. Therefore, there are no membership policies on sexual preference. However, Girl Scouts of the U.S.A. has firm standards relating to the appropriate conduct of adult volunteers and staff. The Girl Scout organization does not condone or permit sexual displays of any sort by its members during Girl Scout activities, nor does it permit the advocacy or promotion of a personal lifestyle or sexual preference. These are private matters for girls and their families to address.“

    http://en.wikipedia.org/wiki/Girl_Scouts_of_the_USA#No_official_stand_on_sexuality_and_gender_issues

    Man kann getrost davon ausgehen, dass heterosexuelle Leiterinnen selbstverständlich erzählen dürfen, dass sie verheiratet sind, oder eine Freund haben, während man analog dies bei lesbischen Leiterinnen, als „Zurschaustellung“ und „Werbung“ für Homosexualität betrachten würde. Der übliche Doppelstandard also.

  9. morus 31. Mai 2013 um 08:41 #

    @Damien
    Ich bin kein Experte der Boy Scouts und blicke bei dieser ziemlich grossen Organisation nicht ganz durch, hätte jetzt aber gesagt, dass es auch Leiterinnen gibt.
    Laut http://www.scouting.org/FAQ/Volunteer.aspx sind es 1/3.

    • Damien 31. Mai 2013 um 11:07 #

      @Morus: Du hast Recht. Ich hatte aus der geschlechtergetrennten Organisation für die Mitglieder geschlossen, dass die Trennung auch für die Leitung gilt. Da in den Artikeln zur aktuellen Entscheidung immer nur von schwulen Leitern die Rede war, gehe ich davon aus, dass sich die Regelung tatsächlich nur auf diese bezieht. Ob jemand etwas gegen Lesben in dieser Position hat, weiß ich nicht. Zumindest wird ihnen niemand unterstellen, sie wollten sich an Jungs vergreifen. Interessant ist aus meiner Sicht, dass heterosexuelle Frauen offenbar selbstverständlich Leiterinnen bei den Boy Scouts sein können – als ob diese nicht pädophil sein könnten. Und das ist dann definitiv Diskriminierung, von Schwulen.

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