Appell, Appell!

15 Jun

Der sogenannte „Waldschlösschen-Appell“ ist eine Initiative, die es es sich zum Ziel gesetzt hat, der „Verharmlosung homosexualitätsfeindlicher Diffamierungen“ in den Medien entgegenzutreten. Die Forderungen des Appells richten sich dabei insbesondere an Journalisten und Medienschaffende, dafür zu sorgen, dass bestimmte Aussagen über Schwule und Lesben

1. „deutlich als diskriminierende Anfeindungen zu kennzeichnen und zu verurteilen (so wie es auch etwa bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Anfeindungen geschieht)“.

2. „Vertretern solcher Aussagen keine Plattformen zu bieten, so lange sie sich nicht klar von ihnen distanzieren“,

und

3. „Homosexuelle in Beiträgen und Diskussionen nicht länger in die Situation zu bringen, sich für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen zu müssen“.

Welches nun sind jene Aussagen, denen künftig keine Plattform mehr geboten werden soll? Konkret führt der Appell hier folgende Punkte auf:

– Homosexualität sei widernatürlich

– Homosexualität sei eine Entscheidung

– Homosexualität sei heilbar

– Heterosexuelle Jugendliche könnten zur Homosexualität verführt werden

– Homosexualität sei eine Begünstigung für sexuellen Missbrauch

– Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften sei eine Gefahr für die Gesellschaft (etwa, weil durch sie weniger Kinder geboren werden würden)

Wer unser Blog kennt weiß, dass wir eine relativ weit gehende Definition von Meinungfreiheit haben. Ich persönlich würde mich sogar als einen vergleichsweise  „radikalen“ Verfechter der Meinungsfreiheit bezeichnen. Kaum verwunderlich also, dass ich den Appell eher kritisch sehe. Diesen Standpunkt möchte ich im Folgenden begründen.

Zu Beginn möchte ich betonen, dass ich das Kernanliegen des Appells im Wesentlichen teile: diffamierende, beleidigende und herabwürdigende Aussagen über Schwule und Lesben sind etwas, von dem auch ich mir wünsche, sie mögen vom Angesicht dieser Erde verschwinden. Insofern bin ich mit den Zielen des Appells durchaus einverstanden.

Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass die Initiatoren dieses Appells es sich eine Spur zu einfach machen, weil sie nämlich de facto fordern „Diskussionen“ über Homosexualität mehr oder weniger einfach unterbinden zu wollen. Der Versuch, bestimmte Äußerungen par ordre de mufti zu ächten, ist meines Erachtens kein Zeichen von Stärke, sondern im Gegenteil ein Zeichen dafür, dass man nicht gewillt und nicht in der Lage ist, solchen Aussagen etwas entgegenzusetzen.

Aber haben wir denn keine Gegenargumente? Sind nicht homophobe Äußerungen dermaßen peinlich, irrelevant und substanzlos, dass man diese mit einem simplen Fingerschnippen kontern könnte? Gibt es nicht eine Fülle von Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen, welche die  Normalität der Homosexualität oder die Unschädlichkeit schwul-lesbischer Elternschaft belegen?

Zugegeben: Mich reizen scharfzüngige, kontroverse Diskussionen. Ich hätte keine Angst, mit einer Christa Meves oder einer Gabriele Kuby in einer Talkrunde zu sitzen. Sollen die da doch sagen, was sie von Homosexualität halten! Ich steckte die beiden jederzeit in den Sack! Und das kann ich sogar beweisen! Nehmen wir nur die oben aufgeführten Aussagen über Homosexualität, die im Sinne des Appells künftig aus dem medialen Diskurs verschwinden sollen:

1. Homosexualität ist widernatürlich

Zu Beginn müsste man erst einmal definieren, was der Begriff „widernatürlich“ überhaupt bedeutet. Denn alles was existiert, ist im gewissen Sinne „natürlich“: Pflanzen, Tiere, Steine, Brechreiz, Prostitution, der Holocaust, Chlamydien, Chilli con Carne und natürlich auch Homosexualität.

Definiert man den Begriff der „Natürlichkeit“ in einem engeren Sinne, nämlich für alles, was in der Natur vorkommt, ist Homosexualität ohne Frage ebenfalls „natürlich“. Denn diese kommt sowohl im Reich der Tiere, als eben auch beim Menschen vor, der als Lebewesen im Übrigen selbstverständlicher Teil der Natur ist.

Zuweilen hat man allerdings den Eindruck, die Begriffe „natürlich“ bzw. „widernatürlich“ sind lediglich Synonyme für etwas das, was einem gefällt („natürlich“) bzw. was einen anekelt („widernatürlich“). Man braucht wohl kaum zu betonen, dass derartig definierte Bedeutungen für die Beurteilung von Homosexualität vollkommen irrelevant sind, weil Geschmäcker nun mal verschieden sind.

Alles in allem ist der Begriff der „Widernatürlichkeit“ kein Argument, sondern eine Emotion, vorgetragen alleine zu dem Zwecke, die Substanzlosigkeit der eigene Position zu verschleiern. Ein Werturteil lässt sich aus dem Begriff jedenfalls nicht ableiten.

2. Homosexualität ist eine Entscheidung

Wohl kaum! Denn eine „Entscheidung“ würde ja implizieren, dass jeder Mensch von Natur aus heterosexuell ist, und nur aus bestimmten Gründen (um die Eltern zu ärgern?; weil das Flirten mit dem anderen Geschlecht zu mühsam ist?; weil man Abwechslung braucht?) ans andere Ufer wechselt. Doch warum sollte man das tun, wenn man eigentlich auf das andere Geschlecht steht, einer Beziehung und Sex mit dem eigenen Geschlecht also gar nichts abgewinnen kann?

Natürlich könnte der Vorwurf (denn nichts anderes als ein Vorwurf ist es ja), sich für Homosexualität entschieden zu haben, auch bedeuten, dass eigentlich jeder Mensch gleichermaßen bisexuell ist, dass es aber aus irgendwelchen Gründen ethisch geboten ist, nur seine Heterosexualität auszuleben.

Doch gehen wir die Problematik mal von einer ganz anderen Perspektive an, und unterstellen der Einfachheit halber, Homosexualität sei tatsächlich eine freie Entscheidung. Da stellt sich doch die naheliegende Frage: Na und? Sollte nicht jeder Mensch das Recht haben, sein Leben frei zu bestimmen? Hat nicht jeder Mensch das Recht auf Liebe und Sexualität? Wen hat das irgendetwas anzugehen, mit wem man ins Bett steigt?

Und mehr noch: Ist die reflexhafte Abwehr von Schwulen und Lesben gegenüber dem Vorwurf der Entscheidung nicht eine unbeabsichtigte Falle, in die wir uns guten Gewissens locken lassen? Schwingt in der Betonung, dass wir es uns schließlich nicht ausgesucht hätten homosexuell zu sein, nicht eine Spur von Selbstmitleid? Von Entschuldigung? Vom Eingeständnis, dass es schließlich nicht unsere Schuld ist, „so“, also „unnormal“, zu sein?

Nein! Selbst wenn Homosexualität eine freie Entscheidung ist, wäre sie moralisch vollkommen akzeptabel. Denn es gibt summa summarum keinen Grund, in der einvernehmlichen Beziehung zweier Erwachsener etwas per se Schlechtes zu sehen.

3. Homosexualität ist heilbar

Auch diese Aussage kann man von mindestens zwei Seiten beleuchten. Erstens mit der Antwort: „Nein, ist sie nicht!“. Dies beweisen eine Fülle von Studien und Untersuchungen, und alle seriösen psychologischen und ärztlichen Fachverbände sind sich darüber einig. Die „Heilung“ von Homosexualität deren Erfolgsquote de facto gen Null tendiert, wird fast ausschließlich von religiös-fundamentalistischen  Splittergruppen angeboten, die sich überdies nicht mal in der Methode der angeblichen „Heilung“ einig sind. Der einzige „Erfolg“, den derartige Gruppen vorzuweisen haben ist, dass sie Menschen, welche ohnehin unter ihren homosexuellen Gefühlen leiden, dazu bringen können, keinen Sex mit dem gleichen Geschlecht auszuüben. Und das ist alles andere als eine große Kunst!

Zweitens ist die Problematik der „Heilung“ von Homosexualität eng mit der Frage verknüpft, wie Homosexualität moralisch zu bewerten ist. Insofern ist die entscheidende Frage nicht, ob man Homosexualität heilen kann, sondern warum man dies tun sollte.

Um mich zu widerholen: Es gibt summa summarum keinen Grund, in der einvernehmlichen Beziehung zweier Erwachsener etwas per se Schlechtes zu sehen.

4. Heterosexuelle Jugendliche könnten zur Homosexualität verführt werden

Wir können uns kurz fassen: Auch für diese Aussage gibt es keinerlei wissenschaftlichen Belege. Und selbst wenn es anders wäre, wäre die Verführung zur Homosexualität nur dann problematisch, wenn man Homosexualität als problematisch ansieht.

5. Homosexualität ist eine Begünstigung für sexuellen Missbrauch

„Sexueller Missbrauch bezeichnet strafbare sexuelle Handlungen an Menschen, die entweder an Minderjährigen vorgenommen werden oder an erwachsenen, widerstandsunfähigen Personen (z. B. Kranke, Behinderte, Hilfsbedürftige, Gefangene), wenn dies ohne deren Einverständnis geschieht. Im Kontext spezieller Behandlungs- und Betreuungsverhältnisse, z. B. Psychotherapie, werden sexuelle Kontakte auch mit Einverständnis des Klienten als Missbrauch seitens des professionellen Helfers gewertet.“ (Quelle)

Und inwiefern begünstigt Homosexualität nun sexuellen Missbrauch? Will man mit dieser Aussage einfach nur die alte Mär aufwärmen, Homosexualität und Pädophilie seien ein und dasselbe? Nun, sollte dies der Fall sein, täte man gut daran, sich in Erinnerung zu bringen, was Pädophilie eigentlich ist. Nämlich „das primäre sexuelle Interesse an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben“ (Quelle). Mir sei die Ergänzung erlaubt: unabhängig vom Geschlecht des Kindes.

Und Homosexualität? „Bezeichnet je nach Verwendung sowohl gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten, erotisches und romantisches Begehren gegenüber Personen des eigenen Geschlechts als auch darauf aufbauende Identitäten – etwa sich selbst als lesbisch oder schwul zu definieren.“ (Quelle)

Man beachte, dass beides nicht dasselbe ist.

6. Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften sei eine Gefahr für die Gesellschaft (etwa, weil durch sie weniger Kinder geboren werden würden)

Kaum der Rede wert zu erwähnen, dass durch die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften der heterosexuellen Partnerschaft nichts genommen wird. Worin besteht also die halluzinierte „Gefahr“? Dass Heteros sich nicht mehr als etwas Besonderes fühlen können? Dass Homosexualität moralisch und gesellschaftlich auf der gleichen Stufe steht wie Heterosexualität? Dass mehr Menschen homosexuell werden?

All diese Bedenken machen nur dann Sinn, wenn man Homosexualität als gegenüber der Heterosexualität minderwertig betrachtet. Doch welchen Grund gibt es, derartiges anzunehmen?

Ach richtig, die Frage der Fortpflanzung! Unbestritten können zwei Menschen gleichen Geschlechts miteinander kein Kind zeugen. Hält man nun die Produktion von Nachwuchs für einen moralischen Wert an sich, dann hätte man gute Gründe, Homosexualität (zumindest in ihrer exklusiven Form, denn immerhin kann auch ein offiziell heterosexueller Papa mit Männern rummachen) als moralisch fragwürdig einzustufen bzw. homosexuelle Partnerschaften zu diskriminieren.

Doch inwiefern ist das Kinder bekommen ein Wert an sich? Macht das einen Menschen besser? Ist ein Mensch mit Kindern wertvoller als ein Kinderloser?

Letztendlich ist die Argumentation bezüglich der Kinder recht perfide – wenn sie auch einer gewissen Komik nicht entbehrt -, weil hier Berufsheterosexuelle krampfhaft versuchen, einen Umstand, der letztlich sie betrifft, uns Homos in die Schuhe zu schieben. Man bedenke: Sich etwas auf ihre sexuelle Orientierung einbildende Heteros werden nicht müde zu betonen, dass alleine der heterosexuelle Geschlechtsverkehr die Zeugung von Kindern ermöglicht und damit den Bestand der Gesellschaft sichert.

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass sich Homosexuelle ebenso fortpflanzen können wie Heteros, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass die Forpflanzung für unsere heterosexuellen Mitmenschen weitaus problemloser vonstatten geht. Aber genau das ist ja der Punkt! Heteros können sich erstens umstandloser fortpflanzen und stellen zweitens die überwältigende Mehrheit. Und was machen sie daraus? Nun, einen mehr als lausigen Job, da sie trotz dieser recht problemlosen Ausgangslage bereits seit Jahrzehnten wenig Interesse zeigen, die  zum Bestand der Bevölkerung notwendige Zahl von 2,1 Kindern zu produzieren – und das bereits lange bevor von Schwulen und Lesben überhaupt Notiz genommen wurde, lange bevor von einer staatlich anerkannten „Homo-Ehe“ überhaupt die Rede war.

Wieso also wird die geringe Geburtenrate nun auch noch uns Homos und unseren Partnerschaften angelastet? Bei aller Liebe, diesen Schuh ziehe ich mir nicht an!

Soviel also zu den Aussagen der Homo-Gegner, welche nach dem Willen des Waldschlösschen-Appells in Zukunft keine Öffentlichkeit mehr finden sollen. Wie man gesehen hat, bereitet es keine besonders große Mühe, jede dieser Aussagen zu kontern, zumal wenn man berücksichtigt, dass mir sicherlich einige Dinge entgangen sind, und dass man meine Argumente mit noch Dutzend anderen ergänzen könnte.

Um im Übrigen dem Argument vorzubeugen, meine Toleranz gegenüber obig zitierten Aussagen würde sich nicht im gleichen Maße auf andere, ebenso diffamierende Aussagen anderer Menschengruppen beziehen: Persönlich hielte ich es ebenfalls für tolerabel, wenn in Talkshows oder anderswo davon geredet würde, dass Schwarze faul und Juden unser Unglück seien. Und das nicht, weil ich diese Meinung teilen würde, sondern weil auch diese Argumente nicht schwer zu kontern sind. Letztendlich sollte sich im Medienzirkus jeder mit kruden Ansichten lächerlich machen dürfen.

Und noch etwas: Sollte man bei der Initiierung derartiger Appelle nicht auch die Außenwirkung beachten? Wie anders soll der Waldschlösschen-Appell bei nicht wenigen Menschen denn ankommen als dergestalt, dass sich die Homos mal wieder erdreisten, das Recht auf Meinungsfreiheit zu beschneiden?

Sicher, homophobe Menschen werden uns immer irgendetwas vorwerfen, egal was wir tun. Aber ich persönlich halte es für keine gute PR, sich durch solche Aktionen quasi zum Opfer zu stilisieren, welches die Mehrheitsgesellschaft darum anbettelt, einen bitte, bitte zu beschützen und unsere sensiblen Gefühle vor Meinungsäußerungen zu bewahren, die uns verletzen könnten – auch wenn sie das zweifellos tun.

Aber wir Homos brauchen uns nicht zu verstecken! Wir haben es nicht nötig, die Mehrheitsgesellschaft auf Knien darum zu bitten, uns zu tolerieren, uns zu beschützen, uns wohlwollend über den Kopf zu streicheln!

Denn wir haben die besseren Argumente! Wir haben die Moral auf unserer Seite! Wir treten ein für unsere Menschlichkeit! Für unsere Liebe! Und für unser Leben!

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7 Antworten to “Appell, Appell!”

  1. Andreas 15. Juni 2013 um 10:27 #

    Wenn Meinungen erst als wahr oder auch nur als plausibel qualifiziert werden müssen, um im Diskurs zugelassen zu sein, ist es mit der Meinungsfreiheit vorbei. Denn dann liegt die Diskursmacht bei dem, der diese Qualitäten attestiert.

    Nun ist man persönlich geneigt, x-kritische Äußerungen als diffamierend und nicht mehr tolerierbar einstufen, wenn man selbst x ist. Man bedenke aber, dass die Moral nicht statisch ist. Sie ändert sich im Lauf der Jahrzehnte. Sie kann sich auf weitere Bereiche ausdehnen. Beispielsweise könnten zukünftig klimakritische Äußerungen kriminalisiert werden. Sigmar Gabriel hat bereits Klimakritiker mit Krankheitserregern („sind wie Viren“) gleichgestellt, ohne daß dies kritisch aufgenommen worden wäre. Auch Marktliberale („Marktradikale“, „Neo-Liberale“) scheinen mir aktuell eine gerade noch tolerierte Strömung zu sein. Und: Die Moral kann schlichtweg ihre Richtung umkehren. Vor 68 stand alles Linke im Senkel des Mißtrauens, heute alles Rechte.

    Also Finger weg von der Meinungsfreiheit. Ich plädiere für ein amerikanisches Verständnis der Meinungsfreiheit, also weitestgehende Toleranz.

  2. Ayreon 15. Juni 2013 um 13:00 #

    Zur Frage ob Homosexualität widernatürlich ist:
    Ich gehe davon aus, dass diese Definition von Natürlichkeit auf dem Konzept des Telos basiert. Thomas von Aquin und mit ihm auch die katholische Theologie haben das abgeschaut von Aristoteles.
    Es geht um das Naturrecht. Gott hat alles mit einem bestimmten Zweck geschaffen und wir können auf diesen Zweck schließen indem wir die Natur beobachten. (Deshalb Naturrecht, weil uns der Zweck nicht von Gott offenbart werden muss.)
    Ein Messer hat den Telos zum Schneiden oder Stechen zum Beispiel.

    Die Genitalien haben in der katholischen Theologie den Zweck (Telos) die Ehepartner (!) zu vereinen und für Nachwuchs zu sorgen. Beide Bedingungen müssen vollfüllt sein. (Deshalb ist Verhütung unnatürlich, da es einen Teil davon unterbindet.) Da es unmöglich ist ein Kind durch homosexuellen Sex zu bekommen, ist solcher Verkehr widernatürlich.

    Natürlich glaube ich nicht, dass der Großteil der Leute, die so argumentieren, tatsächlich an Theologie denkt.

    Gegenargument wäre, dass das Konzept des Telos doof ist und völlig veraltet ist.

  3. Adrian 15. Juni 2013 um 13:30 #

    „Gott hat alles mit einem bestimmten Zweck geschaffen und wir können auf diesen Zweck schließen indem wir die Natur beobachten. (Deshalb Naturrecht, weil uns der Zweck nicht von Gott offenbart werden muss.)“

    Gut, nehmen wir das an und beobachten die Natur. Was können wir beobachten? Der Penis ist bspw. hervorragend dazu konstruiert, in den Mund gesteckt zu werden und daran zu lutschen, unabhängig vom Geschlecht, welches lutscht. Der Penis passt auch gut sowohl in Vagina als auch in den After. Und auch eine Vagina eignet sich hervorragend um daran zu lecken oder in ihr etwas reinzustecken. Nur, was sagt uns das jetzt?

    „Ein Messer hat den Telos zum Schneiden oder Stechen zum Beispiel.“

    Aber zum Schneiden und Stechen wofür? Zum Zwiebeln schneiden, oder zum Menschen abstechen?

    „Die Genitalien haben in der katholischen Theologie den Zweck (Telos) die Ehepartner (!) zu vereinen und für Nachwuchs zu sorgen. Beide Bedingungen müssen vollfüllt sein.“

    Das ist aber nur eine Interpretation des Zweckes der Genitalien. Man kann sie nämlich auch problemlos außerhalb der Ehe und ohne dem Ziel des Nachwuchses, als auch mit dem gleichen Geschlecht verwenden.

  4. allsurfer4 15. Juni 2013 um 15:30 #

    Zu Zeiten des Aristoteles hatten die Genitalien eben nicht das alleinige Ziel oder den Telos, Ehepartner zu vereinigen und für Nachwuchs zu sorgen, da stand wohl eher die Lust und die Befriedigung im Vordergrund, außerdem war Homosexualität kein Thema, und „verhütet“ hat man damals auch schon.
    So gesehen würden sich mindestens 80 % der Menschheit beim Sex „widernatürlich“ verhalten, damals wie heute.
    Und was die katholische Theologie betrifft – wer braucht sowas?
    Es gab die Götter und das war gut so.
    Erst durch das Christentum wurde vieles für widernatürlich erklärt, was vorher völlig normal war, und eigentlich heute noch normal ist.
    Sex zu haben mit wem man will, ist das normalste der Welt, solange der Gegenpart volljährig ist und der Sex einvernehmlich geschieht, das Geschlecht des anderen Menschen ist dabei völlig egal.
    Dafür sind wir schließlich Menschen, auf dass wir ganz alleine entscheiden, wann und mit wem wir Sex haben wollen.
    Ich habe vor über 40 Jahren, als 19jähriger, in der Werkzeugausgabe meines damaligen Betriebes ein Poster gesehen, was ich seitdem nie wieder vergessen habe.
    Es war nur ein Text, und der lautete:
    Was dauert mich der Auerhahn, der nur 3 Wochen balzen kann,
    und auch das arme kleine Reh hat nur 3 Wochen Liebesweh.
    Jedoch der Hirsche stolze Zunft hat 7 Wochen Liebesbrunft.
    Und dann……der Mensch…..
    Oh, welch Entzücken…..!!!
    Kann, wann ER will…..!!!
    Im Winter, Sommer, Herbst und Lenz……!!!
    Gott schütze uns vor Impotenz…..!!!

  5. gnaddrig 15. Juni 2013 um 16:37 #

    Das mit dem Telos ist so eine Sache, und ihn richtig zu bestimmen nicht immer ganz einfach. Es ist ja nun unbestreitbar so, dass die Menschheit ohne Fortpflanzung aussterben würde. Da kann ich schon verstehen, wie man dazu kommt, die Fortpflanzung als primären Zweck der Geschlechtsorgane anzusehen. Was ich nicht verstehe ist, wie man darauf kommt, die Benutzung der Geschlechtsorgane auf diesen einen Zweck beschränken zu wollen. Andere Organe darf man ja auch für verschiedene Sachen benutzen.

    Wenn Sex Spaß macht und wir die Möglichkeitn haben, ohne fortpflanzerischen Effekt Sex zu haben, spricht nichts dagegen, diese Möglichkeit nach Belieben zu nutzen. Niemand wird durch schwulen oder lesbischen Sex oder Handarbeit zeugungsunfähig bzw. unfruchtbar. Die Fortpflanzungsfähigkeit wird dadurch nicht berührt. Und diese Fortpflanzungsfähigkeit würde ich, wenn überhaupt, als den Telos der Geschlechtsorgane sehen. Und da läuft die klassische katholische Argumentation grandios ins Leere.

  6. Ralf 15. Juni 2013 um 17:28 #

    Grundsätzlich kann ich Dir zwar zustimmen, Adrian, aber es besteht immer das Problem, über Symptome von Hass und Menschenverachtung diskutieren zu müssen wie über sachliche Argumente, und das wertet sie gefährlich auf. Der Punkt, den der Waldschlösschen-Appell anspricht, liegt glaub ich auf einer etwas anderen Ebene. Niemand käme in Deutschland auf die Idee, Antisemiten oder Rassisten zur besten Sendezeit im Fernsehen eine Bühne für die Verbreitung ihres ekligen Gehirninhalts zu verschaffen. Schwulenhasser erhalten diese Bühne aber von Fernsehsendern immer wieder und ohne Bedenken. Es liest sich vielleicht irrwitzig, aber wenn wir im Fernsehen montags einen Judenhasserabend, dienstags ein Rassistenforum, mittwochs eine Frauenverächterkonferenz, donnerstags ein Behindertenhetzeprogramm hätten, käme ich freitags mit einer Schwulenklatschersendung eher klar. Es sieht doch so aus: Was gegenüber niemandem sonst rechtlich und gesellschaftlich erlaubt ist und hingenommen wird -öffentliche Verbreitung von Hass und Hetze, öffentliche Diffamierung und Dreckschmeißerei- sollen sich Schwule und Lesben unausgesetzt bieten lassen. Und da sag ich: Schluss damit! Sollen sie ihren Schmutz in der Nationalzeitung (gibt’s die noch?) oder auf K-TV oder ERF verbreiten, aber nicht in gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien, die gefälligst die Menschenwürde zu achten und zu verteidigen haben.

  7. Christian - Alles Evolution 10. Februar 2014 um 10:55 #

    Es wäre interessant, ob dann bei „Homosexualität ist eine Entscheidung“ feministische Queertheoretiker ausgeschlossen werden.

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