Segnung unter Vorbehalt

17 Jun

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat am Samstag

die weitgehende Gleichstellung der Segnung homosexueller Paare mit der Trauung von Mann und Frau

beschlossen:

Damit wird künftig auch die Segnung als kirchliche Amtshandlung beurkundet.

Ein weiterer konsequenter Schritt steht noch aus:

Die Synode will in den kommenden Monaten weiter darüber beraten, ob die Segnung auch als Trauung bezeichnet werden kann.

Zur Begründung hieß es,

damit gleiche man die Regeln der Praxis an.

In dem Beschluß zeigt sich die Synode überzeugt:

Heute wird davon ausgegangen, dass die gleichgeschlechtliche Orientierung zu den natürlichen Lebensbedingungen gehört.

Etwas vorsichtiger klingt der nächste Satz:

Homosexualität kann als Teil der Schöpfung gesehen werden.

Ob Heterosexualität auch als Teil der Schöpfung gesehen werden kann? Oder ist man sich hier nicht doch sicher, dass sie in jedem Fall Teil der Schöpfung ist?

Hervorzuheben ist, dass

die bisherige Praxis der Segnungen von eingetragenen Partnerschaften konsequent in den Abschnitt über die Trauung integriert worden

ist:

Nach evangelischem Verständnis seien beides Segenshandlungen und keine Sakramente.

Ein Wehmutstropfen ist die weiterhin bestehende Möglichkeit, Homosexuelle bei Bedarf zu diskriminieren:

Zudem bleibe es den einzelnen Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Kirchenvorständen vorbehalten, Segenshandlungen abzulehnen.

Oder gilt dieser Vorbehalt auch für Trauungen von heterosexuellen Paaren? Dann wäre die Regelung an dieser Stelle zumindest konsequent.

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4 Antworten to “Segnung unter Vorbehalt”

  1. Martin 18. Juni 2013 um 01:32 #

    Ich bin mir nicht sicher, ich glaube das ein Pfarrer die Trauung eines beliebigen Paares ablehnen kann. Das muss ich mal recherchieren. Ok, recherchiert, unter bestimmten Bedingungen kann die Trauung abgelehnt werden. Was für Bedingungen das nun genau sind und ob diese eine grobe Richtlinie oder verpflichtend sind weiß ich leider nicht.

    Ich würde einen bekannten Pfarrer fragen, aber der hat sich mit 3000 Euro meiner Eltern aus dem Staub gemacht…

    • Damien 18. Juni 2013 um 09:44 #

      @Martin: Meine Vermutung ist, dass bei heterosexuellen Paaren für die Ablehnnung einer Trauung eine Begründung notwendig ist, die nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun hat. Anders gesagt, ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der ev. Kirche möglich ist, als Pfarrer die Trauung eines heterosexuellen Paares abzulehnen, weil diese Verbindung moralisch/theologisch nicht akzeptabel sei. Eben das ist aber die Begründungsmöglichkeit einer Ablehnung bei gleichgeschlechtlichen Paaren, oder? Das würde bedeuten, dass die Ablehnungsmöglichkeiten bei Homo- und Heteropaaren unterschiedlichen Ebenen entspringen würden. Und das eben ist Diskriminierung. Wenn die Ablehnung der Trauung eines Heteropaares beliebig möglich wäre, wäre es bei dem Thema Trauung/Segnung von Homopaaren nicht notwendig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass eine solche Trauung natürlich auch abgelehnt werden könne, denn das wäre dann selbstverständlich und bekannt. Das Problem der Ungleichbehandlung zeigt sich doch gerade darin, dass heterosexuelle Paare willkommen geheißen werden zur Trauung. Homosexuelle Paare hingegen, je nach Landeskirche, willkommen sind oder auch nicht. Selbst wenn sie willkommen sind, reibt man ihnen aber gleich die Drohung unter die Nase, dass ihr Wunsch selbstverständlich durch den Pfarrer abgelehnt werden könne. Willkommenskultur sieht anders aus!
      Hat jemand andere Informationen?

  2. Ralf 20. Juni 2013 um 12:15 #

    Mir sagte bei unserer Verpartnerung die örtliche Pfarrerin (Landeskirche der Pfalz), „so einen Zirkus“ mache sie nicht mit. Sie sei lediglich bereit, einen Kollegen zu vermitteln, der das tue, und auch dann müsse erst das Presbyterium zustimmen. Wir ließen uns damals nicht an einen ortsfremden Pfarrer vermitteln und stellten auch keinen Antrag beim Presbyterium, sondern traten aus der Kirche aus. Einer Institution, in der man nicht oder nur um mehrere Ecken vielleicht willkommen ist, sollte man seine Steuergelder nicht zumuten.

    • Damien 20. Juni 2013 um 13:12 #

      Lieber Ralf,
      Euren Schritt kann ich gut verstehen. Ich versuche immer wieder, Veränderungen auch innerhalb von Kirchen mit voranzubringen, komme dabei aber auch regelmäßig an meine Grenzen bzw. die der Kirche. Manchmal hilft es mir dann, zu beten und Gott um Kraft zu bitten und um die Weisheit, zu entscheiden, wann es sinnvoll ist, sich für diese langwierige Arbeit der Veränderung in den Einstellungen des „Bodenpersonals“ zu engagieren und wann es besser ist, seine Kräfte nicht an Stellen zu verschwenden, wo Veränderung überhaupt nicht zu erwarten ist. Das muss natürlich jeder letztlich selbst entscheiden. Ich würde niemanden kritisieren, der aus der Kirche austritt und wünsche mir Respekt für die Menschen, die versuchen, die Kirche auch von innen zu verändern.
      Gruß, Damien

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