Menschenjagd und Militärputsch – Frankreich in Bewegung

18 Jun

Nach der Ankündigung eines Bürgerkriegs machen folgsame Adepten Jagd auf Homosexuelle, nach der suizidalen Blasphemie folgt nun der Aufruf zum Militärputsch. Und das alles, weil Homosexuelle einander heiraten dürfen? Angesichts dieser Entwicklungen könnte man glatt auf die Idee kommen, dass unsere französischen Nachbarn nicht mehr alle Tassen im Schrank haben – zumindest ein gewisser Teil von ihnen:

Natürlich glaubt niemand wirklich, dass in Frankreich ein Militärputsch bevorsteht, auch wenn die Revue de l’Arsenal, eine Zeitschrift für Militaristen und Monarchisten, hohe Armeeangehörige dazu aufruft. Es wäre der erste nach über fünfzig Jahren – zuletzt probten französische Generäle 1961 während des Algerienkriegs den Aufstand gegen Staatspräsident Charles de Gaulle.

So absurd der Putschaufruf klingt, hat er doch einen sehr realen Anlass: die Homo-Ehe, die laut der Revue de l’Arsenal bloß dank der „Freimaurer“ in der Rot-Grün-Koalition in Kraft getreten sei.

Äußerst merkwürdig auch diese Aktion:

Vor wenigen Tages störten Aktivisten sogar das Finalspiel des Roland-Garros-Tennisturniers in Paris mit Spruchbändern und einem halbnackten Jugendlichen, der mit einer Leuchtrakete auf den Platz stürmte.

Wieso macht man eine Aktion gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle mit nacktem Oberkörper? War das ein missglückter Versuch, sich dem Thema angemessen zu kleiden? Ebenso illegal wie die meisten anderen dieser aus dem Ruder laufenden Proteste dürfte das Verhalten mancher gewählter Volksvertreter sein:

Das zeigt sich in der Weigerung von politisch gemäßigten Provinzbürgermeistern, die Homo-Ehe zu zelebrieren. Das konservative Frankreich wehrt sich gegen den Verlust von Bezugspunkten wie der traditionellen Familie oder der staatlichen Autorität.

Politiker, die mal eben auf die bestehende Gesetzeslage sch*****, untergraben selbst staatliche Autorität, indem sie ihre persönliche Meinung über ihre Pflichten als gewählte Repräsentanten stellen. So produziert man das selbst, wogegen man sich anschließend wehrt. Eine interessante Variante, Politik zu gestalten!

Aber auch die französischen Wähler_innen sind mir nicht geheuer, jedenfalls ihr scheinbar willenloser Anteil:

Die Kulisse für die rechte Revolte bildet die anhaltende Wirtschaftskrise, die immer mehr Arbeitslose, Pensionisten und sozial Benachteiligte in die Arme des Front National von Marine Le Pen treibt.

Wie das so eine Krise nur macht? Da stehen Arbeitslose, Pensionisten und sozial Benachteiligte irgendwie orientierungslos in der Gegend herum und wissen nicht, wohin. Dann kommt die Krise und, oops, schon liegen sie in den Armen von Madame Le Pen. Sie können offenbar nicht anders. Oder könnte es sein, dass sich da Menschen frei entscheiden, rechtsextrem zu wählen? Wäre es möglich, dass sie am Ende selbst rechtsextrem denken?

Eher nicht, wenn man die Berichterstattung über die französischen Entwicklungen in Deutschland verfolgt. Denn die Hunderttausende, die gegen die Eheöffnung auf die Straße gegangen sind, sollen angeblich gar nichts gegen Schwule haben. Selbst die Eheöffnung soll ihnen eigentlich recht egal sein. In Wirklichkeit, so heißt es immer wieder, sei die Masse dieser Menschen einfach nur unzufrieden mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik ihrer Regierung. Und als eine Art Ventil demonstriere man dann eben gegen die Eheöffnung oder schlage ein paar Schwule tot. Warum man nicht gleich gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Straße geht? Das scheint irgendwie zu kompliziert zu sein.

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