Die letzten Aufrechten

26 Jun

Nach der Auflösung von Exodus International war ich gespannt, wie Wüstenstrom und das DIJG sich dazu äußern würden. Schließlich war man im selben Bereich tätig und könnte das Scheitern von Exodus als Bedrohung der eigenen Tätigkeit wahrnehmen, nach dem Motto, erst gehen die, dann wir. Doch Hoffmann und Vonholdt schaffen eine bemerkenswerte Volte. Das beginnt noch im redaktionellen Teil des Spektrum-Artikels, wenn es heißt, beide Organisationen stünden

nicht in Verbindung mit Exodus International.

Und weil das noch nicht genug Distanzierung scheint, lässt man obendrein erklären:

Deren Methoden lehnen sie ab.

Außerdem, so Markus Hoffmann, Wüstenstrom-Chef,

sei Exodus fachlich nicht professionell genug gewesen. So habe man undifferenziert behauptet, Homosexualität allein mit Gebet umkehren zu können. Dies entspreche nicht dem tiefenpsychologischen Ansatz von Wüstenstrom.

Dabei reicht eine einfache Internet-Recherche, um zu erfahren, Exodus International glaube,

dass Homosexuelle durch Reparative Therapien, Gebete und andere Möglichkeiten „durch die verändernde Kraft des Herrn Jesus Christus“ verändert werden können.

Das Konzept von Exodus war also keineswegs auf Gebete beschränkt:

Das „Unterstützungssystem“ von Exodus für Homosexuelle besteht aus einer Gemeinde, einem Therapeuten und einer Unterstützergruppe.

Hoffmann gibt sich jedoch nicht damit zufrieden, den Ansatz von Exodus im Vergleich mit dem von Wüstenstrom als defizitär zu beschreiben. Er belässt es auch nicht dabei, zu postulieren, „Veränderung“ sei möglich.  Er spricht ausdrücklich selbst Menschen, die sich als Homosexuelle wohlfühlen, diese Selbstwahrnehmung ab.

Gleichzeitig widersprach Hoffmann mit Nachdruck der Behauptung von Homosexuellenverbänden, dass es keine Möglichkeit zur Veränderung gebe und in ihrem Leben „alles gut“ sei.

Passend zum grünen Gesetzentwurf, der „Reparative Therapie“ bei Minderjährigen unter Strafe stellen will, will man bei Wüstenstrom entdeckt haben, dass die „Hilfe“ je einfacher in die Betroffenen eingefüllt werden kann, je jünger sie sind:

Je älter die Betroffenen seien, desto schwieriger sei eine Umorientierung.

Auch konkrete Zahlen nennt Hoffmann:

Die Veränderungsrate bei unter 20-Jährigen liege bei 85 Prozent. Jenseits des 40. Lebensjahres fänden rund 30 Prozent zu einer Neuorientierung, 30 Prozent erführen eine teilweise Veränderung und der Rest keine. Dies entspreche in etwa den Erfahrungen mit anderen Therapien.

Welche anderen Therapien meint Hoffmann hier? Und wieso überhaupt Therapien? Wird Hoffmann nicht sonst immer nicht müde zu betonen, man biete keine „Heilung“ an?

Auch Christl Vonholdt, Chefin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG), bleibt nichts als die Distanzierung vom einstigen Vorbild:

Es sei „traurig zu sehen, dass eine Arbeit, die gut begonnen hat, zunehmend profilloser geworden ist und sich immer mehr von einem fundierten christlichen Menschenbild verabschiedet hat“.

Im Odenwald hingegen setze man

sich für „professionelle, psychodynamisch, tiefenpsychologisch und traumatherapeutisch orientierte Identitätsarbeit ein, was die Leitung von Exodus leider nicht getan hat“.

Tja, nur weil dieses Exodus-Vereinchen in 19 Ländern mit über 270 Gruppen aktiv war, heißt das noch lange nicht, dass die wussten, wie man’s richtig macht. Da muss schon eine Kinderärztin aus Reichelsheim kommen, um den Schnarchnasen aus Amerika mal zu erklären, wo der Hammer hängt.

Eins finde ich zum Abschluß noch bemerkenswert. Nachdem die übliche konservativ-evangelikale Suada immer nur den einen homosexuellen Lebensstil kannte, schreibt Vonholdt nun, Menschen mit homosexueller Neigung

litten auch unter den Realitäten vieler homosexueller Lebensstile, etwa der sexuellen Freizügigkeit.

Veränderung scheint also selbst bei Vonholdt möglich. Obwohl diese Formulierung die Sorge weckt, dass nun auch das DIJG zunehmend profilloser wird. Wo soll das noch hinführen? Am Ende werden Homosexuelle gar als Individuen betrachtet. Pfui!

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3 Antworten to “Die letzten Aufrechten”

  1. allsurfer4 26. Juni 2013 um 21:20 #

    Soso, homosexuelle „heilen“……..
    Ich wusste noch gar nicht, dass der Quacksalberei und der Scharlatanerie immer noch soviel Raum gegeben wird.
    Die solltenn es doch alle mal mit Voodoo probieren.
    Im Ernst! – Ich will gar nicht so genau wissen, für wie viele Suizide diese Machenschaften verantwortlich sind.

  2. Maschenka 27. Juni 2013 um 18:19 #

    Die Aussage, Exodus International glaube, „dass Homosexuelle durch Reparative Therapien, Gebete und andere Möglichkeiten ‚durch die verändernde Kraft des Herrn Jesus Christus‘ verändert werden können“ stammt von Wikipedia! Es empfiehlt sich, bei Exodus selbst nachzulesen, was sie dazu sagen.

    Im Juni 2012 lautete nämlich die offizielle Position bezüglich der Reparativtherapie: „As an organization, we do not subscribe to therapies that make changing sexual orientation a main focus or goal.“
    Quelle: http://alanchambers.org/exodus-official-position-on-reparative-or-conversion-therapy/

  3. Maschenka 27. Juni 2013 um 18:30 #

    Nachtrag:
    Alan Chambers formulierte es im Juni 2012 nochmal ähnlich: „In fact we are no longer an organization that associates with or promotes therapeutic practices that focus on changing one’s attraction.“
    http://exodusinternational.org/2012/06/defining-exodus-letter-from-alan-chambers-for-june-2012/

    Dies zeigt, dass Exodus früher solche Therapien befürwortete, diese Postion aber in der letzten Zeit aufgab. Wikipedia ist also nicht auf dem neuesten Stand.

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