Ukrainisch Heterosexuelle Sowjetrepublik

2 Jul

Kaum ein Land hat mehr unter der russischen Herrschaft gelitten als die Ukraine. Der von Moskau befohlene, absichtlich herbeigeführte Hungertod von Millionen von Ukrainern im Rahmen der „Kollektivierung der Landwirtschaft“, spielt im europäischen Bewusstsein bis heute kaum eine Rolle. Dass das Land nach dem Ende der Sowjetunion schnellstens unabhängig werden und sich von Moskau loslösen wollte, ist angesichts der ukrainischen Geschichte allerdings kaum verwunderlich..

In jüngste Zeit beobachtet man aber eine bezeichnende Annäherung beider Staaten, der demnächst wohl in einem Gesetz gipfeln wird, dass man sich unzweifelhaft vom „großen Bruder“ in Moskau abgeschaut hat:

Nach einigen Regionen in Russland steht nun auch der südöstliche Nachbarstatt, die Ukraine, kurz davor, ein homophobes Gesetz zu beschließen. Nach russischem Vorbild wurde im Parlament in erster Lesung ein Gesetz beschlossen, das die ‘Propagierung von Homosexualität’ unter Strafe stellt und Haftstrafen von bis zu 5 Jahren vorsieht.

Europa scheint sich augenscheinlich wieder dem Stadium eines „Kalten Krieges“ anzunähern, geteilt in einen homofreundlichen Westen und einen homophoben Osten. Wobei der Einfuss Russlands – wie so oft – nichts Gutes zu bedeuten hat.

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6 Antworten to “Ukrainisch Heterosexuelle Sowjetrepublik”

  1. Yadgar 2. Juli 2013 um 19:22 #

    Ich frage mich, woran diese flächendeckende Homophobie in Osteuropa liegt… ich vermute mittlerweile, es muss an der kontinentalen Abgeschlossenheit liegen, riesige Flächen Land fern jeder Küste, dazu das Kontinentalklima mit seinen barbarisch harten Wintern (für weite Teile der USA gilt ja Ähnliches)… ich wage zu behaupten: überall, wo strenges Kontinentalklima (oder auch Wüstenklima) herrscht, sind die Menschen tendenziell autoritär, lustfeindlich und gewalttätig (mit anderen Worten: rechts) – in Ostanatolien, Afghanistan, Russland, Bayern, Kansas und noch etlichen anderen Gegenden mit Gelobt-sei-was-da-hart-macht-Faktor… und umgekehrt sind ozeanisch-gemäßigte Gegenden eher liberal und tolerant: Niederlande, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, das Rheinland, die US-Westküste, Hawaii, Vancouver, Neuseeland… als Ausnahme von dieser Regel fällt mir eigentlich nur Schweden ein, wo man trotz bis zu -50°C im Winter (Lappland) nie von Schwulenpogromen hört. Umgekehrt ist wohl Irland trotz hochozeanischem Klima (Winter 6°C, Sommer 14°C, das sind jetzt die Mittelwerte) nicht unbedingt ein schwules Traumziel… aber im Großen und Ganzen scheint meine Vermutung zu stimmen!

  2. Adrian 2. Juli 2013 um 20:55 #

    @ Yadgar
    Das ist eine interessante Theorie, die mir sehr gut gefällt und der ich zustimmen würde. Es passt auch: Rauhes Klima und „unendliche“, leere Weiten sorgen für einen großen Gruppendruck, die „Horde“ ist aufeiander angewiesen, Einflüsse von außen werden als Bedrohung angesehen.
    Das gleiche gilt für bergige Regionen, wo man von Einflüssen von außerhalb quasi abgeschnitten war/ist (Österreich ist konservativer als die Niederlande).

    Maritime Regionen profitieren vom kulturellen Austausch (Handel), sind demnach kosmopolitischer, offener. Schweden wäre insofern keine Ausnahme, weil es ein martimes Land ist. Und Irland ist eigentlich auch recht homofreundlich.

    Das ist natürlich nur eine Durchschnittsbetrachtung, aber geografische Einflüssen sind m. E. schon wichtig bei der Herausbildung von bestimmten Mentalitäten und Kulturen.

  3. Atacama 2. Juli 2013 um 23:03 #

    Und was ist mit Afrika?
    Da wuchert und wächst in vielen Gegenden blühende (nahrhafte) Flora und Fauna, es ist also theoretisch genug zu essen da und warm ist es auch.
    Homofreundlich sind sie aber nicht.

    Ich glaube, es liegt mal wieder an der Religion. Denn in den meisten homofreundlichen Ländern hat die Religion nicht soviel Einfluß aufs öffentliche Leben.
    In Osteuropa sind es zu einem großen Teil ja auch die orthodoxen die die Leute aufhetzen.

    Nu kann man natürlich fragen, wieso Religion in bestimmten Regionen stärker wurzelt als in anderen.

  4. kai 3. Juli 2013 um 07:20 #

    Grossrussland ist das letzte Europäische Land mit Kolonien, der letzte Nationalstaat und von der Aufklärung aus Bevölkerungssicht gesehen 40 Jahre hinter Westeuropa..

    Im dieses Vielvölkerreich zusammen zu halten setzt die Regierung auf Nationalismus, und wie so oft geht Nationalismus mit Homophobie einher…

  5. Yadgar 3. Juli 2013 um 13:48 #

    @kai
    „von der Aufklärung aus Bevölkerungssicht gesehen 40 Jahre hinter Westeuropa“

    40? Eher 60 Jahre – vor 40 Jahren, das wäre 1973, also kurz nach ’68, dann müsste es dort eine blühende Sponti-, Hippie- und Politfreak-Szene geben, die die miefige Normalowelt so richtig aufmischt… das ist aber nicht der Fall! Die meisten Langhaarigen in Russland sind orthodoxe Popen und Mönche… und deren Weltbild ist ganz sicher nicht progressiv!

  6. Ralf 6. Juli 2013 um 17:29 #

    Der Hass kommt immer aus der Religion – in Osteuropa vom orthodoxen, in Westeuropa vom katholischen, in den USA vom evangelikalen Christentum, in Vorderasien vom Islam, in Afrika vom Islam und vom Christentum. Nur wo der Einfluss der Religion auf die Politik schwindet, kommt es zuerst zur Beendigung der Verfolgung, dann zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben.

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