We are familiy

4 Jul

Die Diskussion um die Orientierungshilfe der EKD zum Thema „Familie“ geht weiter. Urte Klönne bspw. versucht sich im aktuellen idesSpektrum an einem ironischen Leserbrief und holt dabei etwas zu weit aus:

Ich bin begeistert von der neuen EKD-Orientierungshilfe! Denn bald wird es möglich sein, dass ich meinen Hund heiraten kann! Mein Hund ist ein wunderbares Geschöpf Gottes, wir leben in zärtlicher Beziehung und übernehmen Verantwortung füreinander. Er beschützt mich, ich füttere ihn.

Die Gleichsetzung von Schwulen und Hunden ist allerdings keine originelle Idee, ein Herr von Kirchbach hat sie vor einigen Jahren bereits aus linker Perspektive formuliert. Aber Urte hat noch mehr Ideen:

Vielleicht sollte ich aber auch, wenn ich mich nach fünfzehn Jahren gesegneter Ehe habe kirchlich scheiden lassen (die fünf Kinder dürfte ein homosexuelles Paar adoptieren – dann sind die auch Familie),

Oops, das war jetzt aber echt kritisch, dafür hat es bestimmt Mut gebraucht, Urte!

meinen Nachbarn heiraten!

Ja, warum nicht? Ist das irgendwie pervers, unbiblisch, für Konservative abstoßend oder was auch immer Deine Kriterien sind? Immerhin:

Der Nachbar geht respektvoll mit mir um und kann Verantwortung ausüben.

Keine schlechte Voraussetzung für eine Ehe, könnte man meinen. Doch Urte hat noch mehr vor:

Vielleicht kann ich auch die Nachbarin gleich mit heiraten – womöglich bin ich bisexuell – der Herr hat ́s geschenkt.

Natürlich hat’s der Herr geschenkt, wer sonst?

Am besten heirate ich den Nachbarn, die Nachbarin und den Hund!

Na das nenne ich mal innovativ. Wobei die folgende Einschränkung ein wenig sehr zurückgenommen klingt:

Wenn der Staat uns Schwierigkeiten macht, können wir notfalls auch alle so zusammenleben.

Hallo? Hieß das nicht kürzlich noch „Steht auf, wenn ihr Christen seid“?

Die Kirche wird es schon segnen, wenn wir uns alle lieben.

Warum sollte sie auch nicht segnen, wenn sich Gottes Geschöpfe lieb haben?

Bald wird auch meine Schwester meinen Bruder heiraten können! Sie mochten sich schon immer und haben ein liebevolles Verhältnis zueinander. Ich bin sicher, Gott wird auch das segnen.

Urte, bist Du Dir da wirklich sicher? Bei den Befürwortern des Inzest-Verbots finde ich die biblische Herleitung immer ein wenig schwach, deshalb wäre mir Deine fundierte Begründung in aller Ausführlichkeit ein großes Anliegen.

Dank des neuen EKD-Papieres weiß ich: Gott segnet alles!

Die Kirche segnet Motorräder und Pferde, warum soll Gott dann nicht auch Nachbarn und Hunde segnen? Ihr Herz ist ganz sicher größer als das aller Bischöfe zusammen!

Wir sind alle eine große Familie! Endlich habe ich Orientierung für mein Leben gefunden!

Urte, wir freuen uns mit Dir! Und deshalb – sing and dance:

Als Spielverderber hingegen zeigt sich der Koordinationsrat der Muslime.  Dessen Sprecher, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, erklärte, man könne

das neue Familienbild der EKD nicht mittragen. 

Nun, seit wann ist es für die EKD maßgeblich, ob andere Religionen ihre Wertevorstellungen teilen? Manchmal trifft man sich, manchmal unterscheidet man sich. Zur Begründung hieß es bei Mazyek:

Unser Familienbild ist geprägt von der Ehe zwischen Mann und Frau.

Tja, dann kann man die Erklärung wohl nur konsequent nennen.

Andere Formen des Zusammenlebens könnten Muslime aus ihrem Glauben heraus nicht anerkennen.

Ob das so bleiben muss? Vermutlich nicht, denn wer hätte vor ein paar Jahrzehnten gedacht, dass die EKD einmal eine Orientierungshilfe zum Thema „Familie“ herausgeben würde, in der unterschiedliche Lebensentwürfe gleichwertig gewürdigt werden?

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5 Antworten to “We are familiy”

  1. Hannes Leitlein 4. Juli 2013 um 14:49 #

    Heute in Christ & Welt in der ZEIT erscheint dieser Beitrag, der in Zusammenarbeit von zwei Kommilitoninnen und mir entstanden ist: http://www.hannesleitlein.de/?project=so-oder-so-ist-das-leben

    Beste Grüße
    Hannes Leitlein

    • Damien 4. Juli 2013 um 15:01 #

      Danke für den Hinweis, ein toller Text!
      Beste Grüße
      Damien

  2. Thomas ex Gotha 4. Juli 2013 um 16:43 #

    Die Gleichsetzung von Schwulen und Hunden findet sich übrigens auch bei dieser Autorin, die gerade im Begriff ist, als konservative Vorzeigemutti Karriere zu machen: „Bald bleibt nur noch der Familienhund außen vor“, nämlich bei der Ehe, wie hier (http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/7023-familienfoerderung-und-das-bundesverfassungsgericht) zu lesen ist.
    Es zeichnet sich dieses Milieu offenbar ebenso durch niedrige Gesinnung wie Fantasielosigkeit aus.

  3. lalibertine 4. Juli 2013 um 19:23 #

    Lieber Gott, wenn ich jemals heiraten sollte, dann lass es lieber eine Hund sein als so einen verklemmten und verbiesterten Christenfuzzi.

  4. Ralf 6. Juli 2013 um 17:18 #

    Welche Formen des Zusammenlebens Muslime (und alle anderen Menschen) in Deutschland anzuerkennen haben, entscheidet sich nach der deutschen Rechtsordnung, die für alle -auch Religiöse- verbindlich ist. Punktschlussaus.

    Die Gleichsetzung von Schwulen und Hunden ist weder neu noch originell und schon gar nicht an Respekt vor der Menschenwürde orientiert. Schon 2002 durfte ich mir vor meiner Verpartnerung anhören, dann könne man ja nächstens auch seinen Schäferhund heiraten.

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