Christen gegen Jesus

7 Jul

Nicht nur in Deutschland verursacht der Versuch, die Diskriminierung von Homosexuellen zu minimieren, bei manchen Kirchenvertretern Schaum vor dem Mund:

Die moldawische orthodoxe Kirche hat in einer Pressemitteilung Ende Juni erklärt, dass Politiker der Regierung erst wieder nach der Abschaffung eines Antidiskriminierungsgesetzes mit dem Merkmal sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität Sakramente empfangen dürfen.

Was für eine Anmaßung! Die Sakramente sind Handlungen, die Gottes Gegenwart widerspiegeln und Menschen in sie einbeziehen sollen. Welchem Menschen stünde es zu, zu entscheiden, wer davon ausgeschlossen werden dürfte? Gerade die Eucharistie, die Erinnerung an den Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei, die uns immer wieder daran erinnert, dass uns Jesus unterstützen will beim Auszug aus Strukturen von Herrschaft und Unterdrückung, gerade dieses Sakrament zu benutzen, um Menschen durch den Ausschluß davon zu bestrafen, kann man das anders als Blasphemie bezeichnen?

Die Glaubensgemeinschaft rief ferner zu landesweiten Protesten gegen Homo-Toleranz auf.

Vielleicht sollten sie konsequent gleich gegen Jesus Christus demonstrieren, denn der hat keineswegs, wie die moldawischen

Bischöfe immer wieder Stimmung gegen Homo-Rechte gemacht. So erklärte Bischof Marchel unlängst, dass Homosexuelle in der Gesellschaft geächtet werden sollten:

Hat Jesus Menschen zu Geächteten gemacht oder ist er zu den Geächteten hingegangen und ihnen auf Augenhöhe begegnet? War nicht eben das auch der Auftrag an seine Nachfolger_innen?

„Viele von ihnen sind krank. Sie sollten nicht in Bluttransfusionszentren arbeiten und ich will sie auch nicht auf der Straße oder in Schulen und Kindergärten sehen.“

Exakt gegen solches Denken hat Jesus Tag für Tag gelehrt: Gegen den Ausschluß von Menschen aus der Öffentlichkeit, gegen den Zwang, nur hinter Mauern existieren zu dürfen.

Aus der Situation der Exkommunikation durch die Römisch-katholische Kirche heraus hat sich einst die Altkatholische Kirche gebildet. Ähnlich hat sich in den 60er Jahres des vergangenen Jahrhunderts aufgrund verschiedener Diskriminierungserfahrungen die MCC (Metropolitan Community Church) gegründet.

Vielleicht finden sich nun auch in Moldawien ein paar Aufrechte, denen die Verfälschung der christlichen Botschaft irgendwann zum Anlaß wird, eine eigene Kirche zu gründen, vielleicht braucht es dafür tatsächlich die Erfahrung der Exkommunikation, um sich nach einer bestehenden oder aufzubauenden Alternative umzusehen.

Der Vielfalt der christlichen Denominationen würde das sicher gut tun, zumal wenn es sich dabei um Kirchen und Gemeinden handelte, die versuchen, sich möglichst nahe an der Lehre Jesu zu orientieren, ohne dabei zu übersehen, dass wir im 21. Jahrhundert leben.

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Eine Antwort to “Christen gegen Jesus”

  1. hulrichlrich 7. Juli 2013 um 18:05 #

    Wenn man den für sein Wohlergehen unbedingt geweihte Röckchenträger braucht, die einem das Denken abnehmen und sagen, wo es langgeht. Ich würde es vorziehen, wenn die angesprochenen Politiker es fertigbrächten, diese Art Geistliche wegen Volksverhetzung und Diskriminierung vor Gericht zu stellen und von ihren Ämtern zu entfernen. In einer Demokratie – ich will jetzt nicht die Qualität der moldawischen Demokratie beurteilen, dafür ist mir der Staat zu wenig vertraut – sind vom Parlament erlassene Gesetze zu respektieren.
    Wenn diese Priester das nicht respektiert, müssen ihm Grenzen gezeigt werden.

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