Von Lesben und ihren Ehemännern

10 Jul

Ist der Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen oder die Diskriminierung von Homosexuellen ein „Wohlstandsphänomen“, mit anderen Worten Ausdruck einer dekadenten Gesellschaft, in der sich kaum noch jemand existentielle Sorgen machen muss, wie Kulturkonservative gerne behaupten? Diktator Robert Mugabe scheint anderer Ansicht zu sein. Das ihm unterjochte Land

Simbabwe gehört zu den weltweit ärmsten Ländern und kämpft seit Jahren gegen Misswirtschaft und Hungersnöte.

Trotzdem hatte Mugabe nun nichts Besseres zu tun als erneut gegen Schwule und Lesben zu hetzen. So erklärte er,

dass er Schwule und Lesben ins Gefängnis bringen wollte, weil sie keine Kinder bekommen könnten. Laut „New Zimbabwe“ sagte der 89-Jährige: „Ich möchte sie [Schwule und Lesben] gerne in einen Raum sperren und sehen, ob jemand schwanger wird. Wenn nicht, dann sollten sie ins Gefängnis kommen. Mugabe nannte die Vorstellung, dass Homosexuelle Kinder großziehen könnten, „Quatsch“.

„Quatsch“ ist natürlich die Vorstellung, Schwule und Lesben könnten keine Kinder bekommen. Weder sind Schwule zeugungsunfähig noch Lesben unfruchtbar. Warum allerdings überhaupt Menschen, die keine Kinder bekommen können, dafür ins Gefängnis kommen sollten, hat Mugabe nicht erklärt. Und dass Schwule und Lesben Kinder großziehen können, beweisen sie seit langem überall auf der Welt. Das mal eben so zu negieren, zeugt nicht gerade von Bildung. Aber auch sonst ist die Weltsicht des Präsidenten recht einfach gestrickt:

Mugabe zeigte sich besonders irritiert über Lesben: „Ihr wollt wirklich andere Frauen zu eurem Ehemann machen? Das ist verrückt. Wir können das nicht akzeptieren.“

Nein, in der Regel wollen Lesben andere Frauen nicht zu ihrem Ehemann machen, wenn überhaupt, zu ihrer Ehefrau. Manche wollen nicht einmal heiraten.

Gleichgeschlechtlichen Sex unter Frauen bezeichnete er als „widerwärtiges Tun“.

Ich frage mich, was geht es Robert Mugabe an, was Frauen unter sich tun? Klar, er kann das „widerwärtig“ finden. Aber wen interessiert das? Wenn er nicht die Macht hätte, die er leider hat, lautete die korrekte Antwort vermutlich: Keinen.

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4 Antworten to “Von Lesben und ihren Ehemännern”

  1. John 10. Juli 2013 um 11:00 #

    Deine Aufregung bzgl. Homosexuelle zu Diskriminieren und ins Gefängnis bringen ist natürlich mehr als gerechtfertigt.
    Aber trotzdem kann ich teilweise seine Ansichten nachvollziehen. Mehr auch hier:

    http://www.die-entdeckung-des-eigenen.de/2013/06/28/kultur-war-gestern-heute-opfert-der-westen-seine-kinder/

  2. gnaddrig 10. Juli 2013 um 11:59 #

    Was die Leute immer mit dem Kinderkriegen haben, wenn es um Schwule und Lesben geht. Das wird m. E. nur vorgeschoben, damit man nicht ganz mit leeren Händen dasteht und die eigene homophobe Position wenigstens ein bisschen mit etwas unterfüttern kann, das wie ein Argument aussieht, wenn man nicht so genau hinschaut.

    Herr Mugabe dürfte wissen, dass es jede Menge Heteros gibt, die keine Kinder kriegen können oder wollen und deswegen eben keine Kinder kriegen. Die will er anscheinend nicht einsperren. Und solange es in Simbabwe keine Kinderkriegepflicht für geschlechtsreife Bürger gibt, geht es niemanden etwas an, ob jemand Kinder kriegt.

  3. gnaddrig 11. Juli 2013 um 11:05 #

    @ John: Der Text von Lombard ist aber ganz schön starker Tobak. Das ist ein einziger Cocktail aus Verdrehungen und Unterstellungen, insgesamt trotz der wohlgesetzten Worte erschreckend bösartig. Und alles nur, weil es Bestrebungen gibt, Schwule nicht mehr – oder immerhin weniger als jahrhunderte lang üblich – zu diskriminieren. Irgendein Weltbild hängt da ziemlich schief.

    • Damien 11. Juli 2013 um 13:51 #

      Vielleicht schreib ich noch einen eigenen Beitrag dazu, mal sehen.

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