Rettet das Wahlrecht für Schwule! Stoppt Helmut Kohl!

23 Jul

Helmut Kohl war Trauzeuge bei der Eintragung einer Lebenspartnerschaft. Manch einer aus der Leserschaft von queer.de lässt seinen Gewaltfantasien daraufhin freien Lauf. Fast noch harmlos kommt dieser Kommentar daher, der offenbar meint, Gesetze seien nur für die da, die sie erkämpft haben  – und in seinem Ärger nicht einmal bemerkt, dass keineswegs Kohl eine Lebenspartnerschaft eingegangen ist, sondern ein Freund von ihm, von dem überhaupt nicht bekannt ist, dass er „uns“ Steine in den Weg gelegt habe:

Ich fordere ein Verpartnerungsverbot für alle Menschen, die uns Steine in den Weg gelegt haben!!!!

Verwirrt zeigt sich dieser Kommentar:

Einerseits die Gleichstellung bekämpfen und ständig etwas über die Werte der traditionellen Familie faseln, aber dann zur „Homo-Hochzeit“ gehen und den Trauzeugen geben. Irgendwie verrückt…!

Mir ist zwar keine Stellungnahme von Kohl bekannt, in der er die Gleichstellung bekämpft, insoweit sehe ich den Widerspruch hier nicht, aber Hauptsache man hat mal wieder über Konservative geschimpft, auch wenn es gar keinen Anlass dafür gab.

Kaum noch zurückhalten vor dem Aufruf zum Pogrom kann sich dieser Leser:

aber alle haben sie „nette, schwule, langjährige freunde!!!??? die vor allem noch VERLOGENER SIND, ALS SIE SELBST!!! schade, dass die prügelstrafe und der pranger abgeschafft wurden! dieser misthaufen wäre es wert tagelang zur volksbelustigung zu dienen!

Ob es Sinn macht, diesen unzivilisierten Zeitgenossen darauf hinzuweisen, dass es eher unsereiner war, der an den Pranger gestellt wurde? Und dass diese Forderung – und die Bezeichnung eines Menschen als Misthaufen allemal – gegen Schwule erhoben, in kürzester Zeit den LSVD wegen Volksverhetzung auf den Plan rufen würde? Und ob der Leser noch erklären könnte, was daran verlogen ist, Helmut Kohl als Trauzeugen zu wählen?

Nicht Recht machen kann man es diesem Leser:

„aber alle haben sie nette, schwule, langjährige freunde!“ – die kann man in der LSU mieten. sollen recht billig sein, wie man so hört…

Sind Konservative gegen die Lebenspartnerschaft, wird am liebsten gleich „Faschismus“ gerufen. Sind sie dafür, gar dabei, sind sie Zuhälter. Man kann es sich schon sehr einfach machen, das erspart einem praktischerweise jegliche inhaltliche Begründung für die eigene Hetze.

Das Private ist manchem auch 2013 noch so politisch, dass das Kreuz an der falschen Stelle zum Beziehungsende führen würde:

Wäre mein Mann Deutscher und er würde SOWAS wählen, wäre er definitiv mein Mann gewesen. Denn mit der Wahl dieser Parteien bringt einer schlussendlich auch zum Ausdruck was er von seiner eigenen Beziehung/Ehe hält.

Vermutlich kann sein Mann froh sein, dass der Gatte nicht für die Aufenthaltsgenehmigung zuständig ist. Die würde sonst am Ende bei falscher Wahl womöglich gar nicht erst erteilt. Bringt aber, wer die Union wählt, damit tatsächlich 

schlussendlich auch zum Ausdruck was er von seiner eigenen Beziehung/Ehe hält

– oder nicht doch eher, dass er andere Prioritäten setzt als Mister Left?

Ein anderer Leser, der Kohl nebenbei als „charakterschweinchen“ bezeichnet, bedankt sich im Namen aller Schwulen bei Kohl, dass dieser

seinen SCHMIERIGEN, sogenannten schwulen freunden, jetzt den arsch leckt! 

Man wähnt sich im neuesten Song von Bushido und ungefähr auf dessen Intelligenzniveau fährt der Leser im Folgekommentar fort, wenn alle Schwulen nicht so kritisch wären wie er, hätten „wir“

nicht einmal das wahlrecht!

Da muss ich damals im Geschichtsunterricht geschlafen haben, als wir gelernt haben, wann die Schwulen für sich das lang ersehnte Wahlrecht erkämpft haben. Die Unterscheidung allerdings zwischen guten und schlechten Schwulen, die habe ich schon früh kennengelernt. In der Regel wollte man mir in solchen Belehrungen weismachen, dass anständige Schwule nicht in die Sauna gehen und am besten auch keinen Fummel tragen. Die linke Variante, Schwule, die die falsche Partei wählen, zu „sogenannten“ Schwulen zu erklären, finde ich keinen Deut sympatischer. Denn Schwulsein ist eine Frage der sexuellen Orientierung, kein politisches Programm.

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