Hinz, Kunz und der Quell des Gegensatzes

24 Jul

Es scheint aussichtslos und doch weise ich ab und an gerne daraufhin, dass Gender Mainstreaming nicht die „Abschaffung der Geschlechter“ meint, wie einige verschreckte Konservative meinen, sondern ihre Gleichstellung, Gleichstellung im Sinne von Gleichbehandlung. Bei ideaSpektrum hat man zuletzt eine neue Wortwahl zum Thema erfunden, die ich unseren Leser_innen nicht vorenthalten möchte:

„Gender Mainstreaming“ bedeutet die Gleichschaltung der Geschlechter,

Doch nicht nur Geschlechter sollen gleichgeschaltet werden, sondern auch noch andere Subjekte, nein, ganze Gruppen, die

Homosexuellen oder Intersexuellen.

Was aber dem Thron den Zipfel aufsetzt:

Die Bewegung huldige dem „absurden Gedanken (…) Hinz und Kunz (…)  seien absolut gleich

zitiert die Speerspitze der Rettung des Individuums vor den Folgen staatlicher und religiöser Vergleichung

 die Kolumnistin der Stuttgart Zeitung, Sibylle Krause-Burger.

Diese findet harte Worte:

Dies sei „nichts anderes als ein Wahn“.

Und für alle, die eben bei Gleichschaltung oder Bewegung noch nicht die richtigen Assoziationen hatten, hilft Krause-Burger nach:

Das Bestreben der Gender-Bewegung habe „etwas Sektiererisches, ja Totalitäres, etwas Faschistisches“.

Besonders schlimm ist, dass sich das, was Krause-Burger mit institutionalisiertem Gender Mainstreaming verwechselt, nicht einmal an die sinkende Geburtenrate in Deutschland hält:

Der Kolumnistin zufolge vermehren sich „die Gender-Lehrstühle wie die Kaninchen“.

Mit rechten, also natürlichen, Dingen kann es da nicht zugehen:

„Das ist schon fast eine Industrie, auf alle Fälle aber eine Jobmaschine für meschuggene Akademikerinnen.“

Akademikerinnen? Was machen die in der Uni? Offenbar die Mehrheit stellen:

Auf den Lehrstühlen säßen fast ausschließlich Frauen.

Obwohl sie doch eigentlich eine ganz andere Aufgabe haben:

Sie hätten offenbar für sich selbst wegdiskutiert, „dass sich die Menschheit aus dem Quell des sichtbaren und spürbaren Gegensatzes von Mann und Frau fortpflanzt“.

Wohingegen Sie, Frau Krause-Burger, ein beeindruckendes Beispiel dafür sind, dass zumindest als Quell für krude Thesen eine Art intellektuelle Selbstbestäubung absolut ausreichend ist.

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3 Antworten to “Hinz, Kunz und der Quell des Gegensatzes”

  1. Andreas 24. Juli 2013 um 11:53 #

    Gender Mainstreaming ist seinem selbst gesetzten Anspruch nach ein Politikansatz, demzufolge bei der Gestaltung eines Bereiches die Auswirkungen auf beide Geschlechter zu berücksichtigen sind. In der praktischen Umsetzung wird Gender Mainstreaming diesem Ansatz bislang aber nicht gerecht. Tatsächlich werden nur die altbekannten, rein frauenzentrierten Politikansätze unter dem Label Gender Mainstreaming weiterbetrieben.

    Woran liegt’s? Die Männer kümmern sich nicht um das Thema. Also nutzen sie die für sie darin liegenden Chancen nicht. Also haben andere das Instrument in der Hand. Diese anderen sind radikalfeministische Frauen, deren harter Kern meist Lesben sind.

    • Damien 24. Juli 2013 um 20:03 #

      @Andreas: Absolute Zustimmung. Bis auf den letzten Satz, das kann ich nicht beurteilen.

  2. Martin 25. Juli 2013 um 12:55 #

    Na ja, ich glaube, das Verschrecktsein gehört zu konservativen Folklore seit – symbolisch gesprochen – 1789, also sozusagen seit der Geburtsstunde des Konservatismus. Man muss eben unter allen denkbaren historischen Umständen die konservative Erzählung von den althergebrachten, natur- oder gottgegebenen Wahrheiten, die unter den Sturmläufen der Revolution nun endlich, endlich doch einmal und endgültig zu zerbrechen drohen, erneuern. Im Augenblick ist eben die Gender-Theorie an der Reihe, und umgekehrt bedeutet das dann wohl auch, dass sich die Vertreter diese Theorie(n) geradezu dazu anbieten, das kulturkämpferische Feuer des Konservatismus aufs Neue zu entfachen – sage keiner, dass es ihm nicht im Grunde Spaß macht, wenn so eine Frau Krause-Burger im Dreieck springt! Für mein doch irgendwie liberal gesonnenes Herz bleibt es freilich immer noch rätselhaft, was diese Leute von links und rechts alle so faszinierend daran finden, Menschen in Gruppen einzuteilen.

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