Wozu braucht man Frauen?

5 Aug

Christa Müller, Ex-Frau von Oskar Lafontaine, hat dem „Tagesspiegel“ ein bemerkenswertes Interview gegeben. Bemerkenswert deshalb, weil es sehr schön den medial-gesellschaftlichen Diskurs im heutigen Geschlechterverhältnis aufzeigt; jenen Diskurs, der Frauen in den Himmel hebt und Männer als primitive Waschlappen ohne Rückgrat und Veranwortungsgefühl verhöhnt.

In den Worten von Müller, klingt das dann so:

… die Geburtenraten sind, wie sie sind: nicht sehr hoch. Ich kenne einige Frauen um die 30, die würden gern eine Familie gründen und finden keinen Partner. Wir Frauen aus meiner Generation sagen: Kriegt eure Kinder ohne Mann. Wir helfen euch. Nach dem neuen Scheidungsrecht bekommen Frauen ohnehin keinen Unterhalt. Wenn die Männer keine Verantwortung mehr für die Kinder übernehmen, und das ist zunehmend der Fall, muss man sich fragen, wozu man sie eigentlich noch braucht.

Nun könnte man an dieser Stelle nach den Gründen fragen, die dazu führen, dass Männer keine Verantwortung mehr für Kinder übernehmen, sich auf Kinder immer weniger einlassen wollen. Diese Frage interessiert eine Feministin wie Mülller allerdings grundsätzlich nicht. Ihr gesamtes Weltbild kreist schließlich um Frauen, das Wohl von Frauen, die Bedürfnisse von Frauen. Das Wohl und die Bedürfnisse von Männern sind ihr gleichgültig, ebenso, wie dem Rest der Gesellschaft.

Man stelle sich den Aufschrei vor, würde eine anerkannte, als seriös geltende Tageszeitung, einen Mann interviewen, der die Frage stellt, wozu man Frauen überhaupt noch bräuchte, weil ja wohl offensichtlich sei, dass diese keine Verantwortung mehr dafür übernehmen wollen, mindestens zwei Kinder in die Welt zu setzen.

Da mir das Wohl von Männern am Herzen liegt, und ich keine Angst vor dem Furor von Frauen habe (was können die mir schon antun – Sexentzug?), werde ich mich heldenhaft opfern und die Frage stellen, die schon lange überfällig ist:

Wozu braucht man eigentlich Frauen?

Wozu ich Männer brauche ist klar: Für anregende Gespräche, anregende Unternehmungen, anregenden Sex. Wozu die Gesellschaft Männer braucht ist auch recht offensichtlich, zumindest, wenn man mit wachen Augen durchs Leben spaziert: Männer halten den ganzen Laden am Laufen, von der Müllabfuhr, über das Baugewerbe bis hin zu Managment, Verwaltung, Forschung und Wissenschaft. Und ganz nebenbei bleibt noch Zeit, in ehernamtlichen Vereinen tätig zu sein oder als Autor bei der Wikipedia zum Wissen der Menschheit beitzuragen.

Selbstverständlich weiß ich nur zu gut, dass Frauen ebenso ihren Teil zur Gesellschaft beitragen, und ich würde mir in Wahrheit nie anmaßen, einen Menschen nach gesellschaftlichen Nützlichkeitskriterien zu bewerten oder Männer und Frauen gegeneinader auszuspielen. 

Was ich allerdings zunehmend als dreist und unverschämt empfinde, ist die nonchalante Art und Weise, in der das Leben und die Leistungen von Männern übergangen, verspottet und negiert werden und ihnen nun auch noch, so ganz nebenbei, die Daseinsberechtigung abgesprochen wird.

Ist es angesichts dessen verwunderlich, wenn sich Männer immer weniger ernsthaft auf Frauen und Familie einlassen wollen? Ist es da ein Wunder, wenn sie beginnen, gleiches mit gleichem zu vergelten und sich nicht mehr jede Frechheit gefallen lassen?

Irgendwann hat jede Duldsamkeit mal eine Ende und ich hoffe, ich werde den Tag noch erleben, wenn Männer es zuwege bringen, Frauen wie der Müller kollektiv den Stinkefinger zu zeigen.

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8 Antworten to “Wozu braucht man Frauen?”

  1. Andreas 5. August 2013 um 17:06 #

    In dem Interview von Müller stecken noch weitere Schmankerl:

    „Schon, auch wenn ich glaube, dass Anzüglichkeiten nicht das Thema sind, sondern das Gewaltverhalten von Männern vor allem im Bereich Sexualität. Ich stehe auch einem Verein gegen Genitalbeschneidung vor. Überall auf der Welt üben Männer Gewalt aus – auch durch Fremdgehen. Angeblich gibt es auch Frauen, die fremdgehen. Ich lerne die komischerweise nicht kennen. Ich lerne nur Frauen kennen, die von ihren Männern unglaublich fies behandelt wurden. Es gibt auch nette Männer, doch die decken die anderen. Darüber brauchen wir eine Debatte: Was sagen Männer dazu, dass andere Männer sich so gemein verhalten?“

    Da haben wir es wieder: Seine Sexualität gehört ausschließlich ihr. Müller stilisiert sogar noch als Gewalt, wenn er ihr fremdgeht. (Das Lafontaine sie wegen der jüngeren Wagenknecht verlassen hat, muss für sie Trauma sein.)

    Und dann legt sie den Finger auf den entscheidenden Punkt:

    „Ich spreche von der Mehrheit der Männer, und die hat andere Instinkte als Frauen. In Amerika hat man mal Männern und Frauen Brillen aufgesetzt, mit denen man anhand der Augenbewegungen Interesse messen kann. Erst wurden ihnen Babys gezeigt – keine Reaktion. Es folgten leicht bekleidete Frauen. Alle Männer: Glupsch, glupsch, glupsch. Die Frauen reagierten begeistert auf die Babys, während leicht bekleidete Männer sie kaltließen.“

    Die Normal-Hetera ist eine Glucke. Der Hetero aber nicht. Deshalb ist eine ständige Spannung im Geschlechterverhältnis. In der Heterosexualität sind bei Personen durch Anziehung aufeinander fokussiert, deren Sexualität sich nur teilweise entspricht. In der Homosexualität kann es meiner Vermutung nach nur in individuellen Eigenarten liegen, wenn Mann1 und Mann2 nicht miteinander auskommen. Bei heterosexuellen Beziehungen ist eine Grundabweichung schon durch die Sexualität ständig gegeben und damit ein niemals endendes Konflikt- und Frustrationpotential. Die HeterOsexualität ist einfach ungleich der HeterAsexualität.

    Damit wäre die Männerfeindlichkeit einer Müller aus dem Frust über das Gegenüber erklärt. Woher kommt dann aber die oft noch um einiges aggressivere Männerfeinlichkeit der Lesben, die Müller’sche Frustrationen gar nicht erfahren?!

  2. martin 5. August 2013 um 19:33 #

    Ist das dieselbe „Feministin“ Christa Müller, die als einzige Politikerin jenseits der CSU jemals ein Betreuungsgeld befürwortet hat?

    @ Andreas: Ehrlich gesagt scheint mir Deine Argumentation ein klein wenig absurd, auch wenn wir uns im Urteil über die hier zum Ausdruck kommende Männerfeindlichkeit einig sein dürften. Die „Grundabweichung“ in der heterosexuellen Beziehung dürfte, im Gegensatz zur homosexuellen, wohl weniger in irgendeiner Abweichung der (sexuellen) Orientierung (auf Babys bzw. spärlich bekleidete Frauen) liegen, als doch einfach darin, dass sie eben hetero-sexuell ist: da geht es eben um verschiedene Geschlechter. Allerdings würde ich einerseits meinen, dass Unterschiede im Geschlecht oder meinetwegen auch der sexuellen Orientierung im Vergleich zu den circa siebentausenddreihundertvierundsechzig anderen Merkmalen, in denen sich Menschen möglicherweise voneinander unterscheiden, eher überschätzt zu werden neigen. Und andererseits scheint mir Deine Prämisse, dass Abweichungen – im Gegensatz zu Gleichförmigkeiten – Konflikte und Frustrationen produzieren, ziemlich fragwürdig. Bei Lichte betrachtet spricht doch eigentlich mindestens genauso viel für das Gegenteil: Wer will schon eine Beziehung mit einer Kopie seiner selbst führen?

    Mir gehen zugegebenermaßen die ganzen Gender-Sex-Homo-Hetero-Frauen-Männer-Queer-Familie-Kinder-Debatten gründlich auf den Geist: Sie sind unproduktiv, politisch vermutlich eher gefährlich, als dass sie irgendein wünschbares Ziel verfolgen würden, und könnten meines Erachtens verlustfrei zugunsten der unmittelbar einleuchtenden Feststellung beendet werden, dass Menschen eben unterschiedlich sind und vorzugsweise friedlich miteinander auskommen sollten, wo es sich schon nicht vermeiden lässt, dass sie miteinander zu tun haben. Und wenn Frau Müller es sich Lafontaine sei Dank mit den Männern verdorben hat, dann ist das eben ihr Problem oder auch seins, aber alle anderen könnte sie mit solchen Generalisierungen ihrer Traumata bitte verschonen.

  3. Andreas 5. August 2013 um 20:17 #

    @ martin:

    >Die “Grundabweichung” in der heterosexuellen Beziehung dürfte, im Gegensatz zur homosexuellen, wohl weniger in irgendeiner Abweichung der (sexuellen) Orientierung (auf Babys bzw. spärlich bekleidete Frauen) liegen, als doch einfach darin, dass sie eben hetero-sexuell ist: da geht es eben um verschiedene Geschlechter.

    Worauf ich hinaus will: Bei der Frau ist die Bindungsneigung hoch, beim Mann gering. Das ist der Grundkonflikt der auch in dem von Müller geschilderten Experiment zu Tage kam. Daher ja auch die von Frauen immer wieder geäußerte Angst vor dem Verlassenwerden, wohingegen ihre Männer die Dauerbeziehung immer auch als Gefängnis empfinden.

    >Bei Lichte betrachtet spricht doch eigentlich mindestens genauso viel für das Gegenteil: Wer will schon eine Beziehung mit einer Kopie seiner selbst führen?

    Ein Freund von mir argumentiert immer so. Frauen und Männer wollen sich tatsächlich nicht anders als sie sind, denn wollten sie sich anders, müssten sie sich ändern, um noch zueinander zu finden. Also ist das manifeste Verhalten auch das gewünschte, wenn es an der Oberfläche auch anders erscheinen mag und anders rationalisiert wird.

  4. Michel Houellebecq 6. August 2013 um 08:49 #

    >Bitte vorangegangenen Komment löschen: Fehlerhaft, sorry 😉

    Oh, der Aufschrei war sehr gross, als Mann (W. Hollstein) die Frauen aus Sicht von immer mehr Männern als obsolet hingestellt hat: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/Single-maennlich-sucht-keineHeirat/story/21073501

    Und wie die Leistung von Männern entwertet wird, die den Laden wirklich am Laufen halten und mancher Feministin erst ermöglicht haben, ihre Männerverachtung innert Sekundenbruchteilen publik zu machen, zeigt sich an diesem Teaser derselben Zeitung: “Gestörte junge Männer haben die Neuen Medien erfunden, mit denen wir weltweit kommunizieren.” (!!)

    Hier mehr: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Einsam-maennlich-sucht-Anschlusskabel/story/14288386

    Dein Kommentar muss noch moderiert werden.

  5. Karl 6. August 2013 um 08:59 #

    Naja, man muss feststellen, dass diese ganzen männerfeindlichen Äußerungen, die die Damen da am laufenden Band von sich geben, ein massiv narzisstisches Element haben.

    Empathie für Männer? Fehlanzeige, das sind halt Jammerlappen, wenn sie sich mal über ein Problem beklagen. #mimimi

    Gewissen gegenüber Männern? Nix da, wenn ihnen Unrecht widerfährt, sind sie selber schuld oder haben es nicht anders verdient. Abgesehen davon müssen Jahrmillionen von Frauenunterdrückung vergolten werden.

    Und überhaupt sind Männer schwach, schädigen die Gesellschaft, sind das Allerletzte, von der Evolution überholt, wozu braucht man die gewalttätigen Idioten überhaupt? Man fragt sich, ob jemand, der ständig dermaßen abwertend über eine Bevölkerungsgruppe (der er nicht angehört) spricht, nicht ein kleines Selbstwertproblem hat. Und es ist ja nicht so, dass das stimmt, Männer halten den Laden tatsächlich am Laufen, während Frauen bei absolut allem Unterstützung benötigen (Frauenförderung überall, Frauenquote, Frauenbadetage, Girls‘ Days usw. usf.) – wer ist denn da – mal ganz objektiv gesprochen – die Pfeife? Sind diese ganzen Abwertungen dann vielleicht nur Projektionen?

    Gilt nicht nur für Müller, solche sexistischen hate speeches fallen ja andauernd, was auch wenig verwunderlich ist, zumal Frauen seit Jahrzehnten in den Himmel gelobt und Männer verteufelt werden, aber im Endeffekt dann doch immer nur die Männer diejenigen sind, die etwas Wichtiges erfinden, etwas Wichtiges gründen, den Vogel abschießen.

    Da kommt bei den Damen wohl etwas Frust auf, der irgendwie kompensiert werden muss. Die Generation von Frauen, die in den letzten 40 – 50 Jahren ihre Sozialisation erfahren haben, haben die Überzeugung aufgesogen, dass sie – eigentlich – das bessere Geschlecht sind. Nur widerlegt die Realität diese Überzeugung ständig.

  6. Männerstreik 6. August 2013 um 09:31 #

    Es gibt bereits genug Männer, die die Nase mehr als gestrichen voll davon haben, nur lebenslang als Arbeitstiere und Zahlesel zu dienen und als Dank dafür verachtet und nicht respektiert zu werden. Deshalb ist der Männerstreik, in den USA als MenOnStrike bekannt, eine Antwort der Männer auf Frauen, Familie und Staat, dieses perfide Spiel nicht mehr mitzuspielen. An dieser Stelle seien die Bücher von Frauen wie Helen Smith (Men On Strike) und Christine Bauer-Jelinek (Der falsche Feind) sowie von Ralf Bönt (Das entehrte Geschlecht) ans Männerherz gelegt.

  7. undergroundnoises 6. August 2013 um 11:19 #

    Mir fällt bei den ganzen Diskussionen immer ein Satz aus „Was tun, wenn’s brennt“ ein: „Die Grenze verläuft schon längst nicht mehr zwischen rechts und links, sondern zwischen oben und unten. Zwischen denen die’s geschafft haben und denen die nicht.“ Ersetzen wir die politischen Standortbestimmungen durch „Mann“ und „Frau“, lässt sich dies 1:1 auch auf diese Debatte anwenden. Die meisten Männer und Frauen kommen gut miteinander klar. Sind ja alle nur Menschen. Ein paar Leute müsse aber die Unterschiede instrumentalisieren, weil sie bestimmte Ziele (die ich im Einzelnen nicht kenne) damit verfolgen. Und von all den Sexismusdebatten etc. profitieren nur die, die sowas beruflich bzw. politisch beackern, bei den ganz normalen Leuten führt dies nur zu zusätzlichen Spannungen und nicht zu einer Verbesserung der Situation. Es mag eine Verschwörungstheorie sein aber ganz offensichtlich besteht ein massives Interesse an der zunehmenden Atomisierung der Gesellschaft. Oder wie es DAF sao schön ausdrückten: Alle gegen Alle.

  8. Radaffe 6. August 2013 um 17:23 #

    @Andreas
    […]Erst wurden ihnen Babys gezeigt – keine Reaktion[…]
    Man bekommt schon eine Reaktion von Männern auf Kinder – es sollten nur die eigenen sein…

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