Sexualität ist kein Verbrechen!

24 Aug

Es gibt Geschehnisse auf der Welt, bei denen ich mich frage, ob die Menschheit noch alle Tassen im Schrank hat. So etwa bei einem Vorfall, der sich in Irland zugetragen hat:

Manchmal dauern die Folgen einer durchzechten Nacht nicht länger als der Kater am nächsten Tag. In einigen Fällen verfolgt einen eine schlechte Entscheidung jedoch ein Leben lang.

Für ein Mädchen, das im Internet derzeit als „Slanegirl“ traurige Berühmtheit erlangt, könnte das womöglich zutreffen. Die 17-Jährige besuchte am vergangenen Sonnabend ein Konzert des US-Rappers Eminem im irischen Slane Castle. Währenddessen soll sie zwei Männer in aller Öffentlichkeit sexuell befriedigt haben. Videos und Fotos der Blowjobs, die andere Besucher gemacht hatten, verbreiteten sich in Windeseile auf Twitter, Facebook und Instagram.

Man ist auf einer Feier, einem Konzert, einem Event, der Alkohol fließt reichlich, ein paar Drogen gibt es auch, die Hormone sprudeln, überall junge Leute. Klar, dass es dann auch zu sexuellen Handlungen kommt. Völlig normal, das passiert selbst auf dem katholischen Weltjugendtag, wo die Reinigungskräfte nach jeder Veranstaltung hunderte gebrauchte Kondome zu entsorgen haben.

Doch die Menschheit ist schlecht und daher wird die junge Frau nun im Internet an den Pranger gestellt:

Innerhalb einer Woche wurden die Hashtags #slanegirl und #slaneslut die meistgesuchten Phrasen in den sozialen Netzwerken in Irland. Gleichzeitig fanden User die Identität des Mädchens heraus und verbreiteten sie im Netz. Die 17-Jährige soll infolgedessen einen Nervenzusammenbruch erlitten haben und wurde am Anfang der Woche ins Krankenhaus eingeliefert.

Schuldbewusstsein? Fehlanzeige!

Eine Userin twitterte: „Das Mädchen kann nur sich selbst die Schuld geben, umgeben von all den Leuten mit Handykameras. Was hat sie erwartet?“

Ja, was hat sie erwartet? Offenbar kann man auch im Jahre 2013 niemanden oral befriedigen – bei einem Konzert, in einer anonymen Masse, mit Alkohol und Drogen! – ohne dass sich die Meute auf eine stürzt und einen nichtigen Vorfall zum Anlass nimmt, zu verspotten, zu diffamieren und fertig zu machen. Man könnte ja auch einfach mal diskret beiseite schauen (oder sich angewiedert abwenden, wenn es einem partout nicht gefällt) und einen Blowjob einen Blowjob sein lassen. Auf keinen Fall muss man das zum Anlass nehmen, seinen Voyeurismus freien Lauf zu lassen, zu fotografieren, filmen und ohne Einverständnis zu veröffentlichen. Gibt es auf dieser Welt keinen Anstand mehr, keine Moral, kein Schamgefühl, keine Empathie?

Den Männern übrigens, denen der Fellatio verabreicht wurde, hatten mit keinen derartigen Folgen zu rechnen, mit denen die junge Frau nun zu kämpfen hat. Die Gründe hierfür mag jeder für sich selbst interpretieren.

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6 Antworten to “Sexualität ist kein Verbrechen!”

  1. Koikai 25. August 2013 um 00:32 #

    Die Gründe sind klar. Die jungen Männer wussten das sie anhand der Aufnahmen nicht erkannt werden, weil sich die Kameras auf die Fellatio- Szene fokussieren, die junge Frau war so dämlich in der Öffentlichkeit ihr Gesicht bei sexuellen Handlungen zu zeigen.
    Mittlerweile müsste es sich bis ins letzte Kuhdorf rumgesprochen haben, dass sich solche Aufnahmen im Internetzeitalter verbreiten.
    Letztens gab es zu dieser Thematik einen Film im Fernsehen, der auf einem wahren Fall beruht.
    Ein Junge filmt sich beim onanieren ( allerdings nicht in der Öffentlichkeit) und die Aufnahmen geraten in die falschen Hände…

  2. Miria 25. August 2013 um 22:36 #

    Du fragst, ob es keinen Abstand und keine Moral mehr gibt, weil Leute dieses Bild verbreiten. Aber was ist mit dem Anstand des Mädchens? In aller Öffentlichkeit durch sexuelle Handlungen andere Menschen zu belästigen (mit Sicherheit fanden das die umstehenden Personen nicht nur positiv) zeugt auch nicht gerade von Anstand!
    Ich stimme dir zu, dass es auch nicht in Ordnung war, das Bild zu verbreiten und das Mädchen bloßzustellen, aber ich finde es nicht gut, wir Du in deinen Artikel ihre Handlung durchweg unkritisch betrachtest.

  3. Adrian 26. August 2013 um 09:07 #

    @ Miria
    Ich bin kein Freund sexueller Handlunegn in der Öffentlichkeit, da, wo alle es sehen können, aber es war immerhin auf einem Konzert vom Eminem. Guten Geschmackt und Dezenz sollte man da nicht erwarten.

    Und überhaupt: Sexuelle Handlungen schaden nicht. Auch die kurzzeitige gezwungene Anschauung derartiger Handlungen ist weitaus unproblematischer als das Fotografieren, Filmen und Veröffentlichen.

  4. morus 26. August 2013 um 17:10 #

    „Gibt es auf dieser Welt keinen Anstand mehr, keine Moral, kein Schamgefühl, keine Empathie?“
    Die Voyeure waren wohl nicht die einzigen Anwesenden, die keinen Anstand und v.a. kein Schamgefühl zeigten…

  5. Leszek 27. August 2013 um 17:00 #

    @ Miria

    Da bin ich anderer Meinung.
    Die Handlungen des Mädchens haben wohl kaum das Leben irgendeiner anderen Person in nennenswerter Weise negativ beeinträchtigt, die Arschlöcher, die sich über das Mädchen im Internet ausgelassen haben, dagegen sehr wohl.

    Jeder begeht in seiner Jugend mal eine triviale Dummheit oder unreflektierte Handlung, niemand sollte dafür in solcher Weise angegangen werden. Da fehlt jede Verhältnismäßigkeit.

    Ich jedenfalls würde jedem von dem Abschaum, die das Mädchen im Internet an den Pranger gestellt haben, gerne eine Ohrfeige verpassen – geschlechtsübergreifend versteht sich. (Und sollte mir jemals einer dieser widerwärtigen Internetmobber über den Weg laufen, werde ich dies auch tun.)

  6. Miria 27. August 2013 um 18:47 #

    @Adrian
    „Ich bin kein Freund sexueller Handlunegn in der Öffentlichkeit, da, wo alle es sehen können, aber es war immerhin auf einem Konzert vom Eminem. Guten Geschmackt und Dezenz sollte man da nicht erwarten.“

    Ich glaube nicht, dass ich auf irgendeinem Konzert sowas erwarten sollte! Was guter Geschmack ist, ist relativ. Aber du warst derjenige, der Von Anstand sprach und den hatten die zwei dort wohl nicht. So etwas ist definitiv eine Art der Belästigung, weil andere Menschen unfreiwillig mit in deren sexuelles Spiel hineingezogen werden.

    @Leszek:
    „Da bin ich anderer Meinung.
    Die Handlungen des Mädchens haben wohl kaum das Leben irgendeiner anderen Person in nennenswerter Weise negativ beeinträchtigt, die Arschlöcher, die sich über das Mädchen im Internet ausgelassen haben, dagegen sehr wohl. “

    Ich habe mit keinem Wort geschrieben, dass ich es richtig finde, wie im Nachhinein damit umgegangen wurde. Ich habe nur gesagt, dass ich eben auch das Verhalten selbst nicht gut finde und es daher bedauere, dass das hier im Artikel so unkritisch betrachtet wurde.
    Ich glaube nicht, dass öffentliches Bloßstellen die richtige Strafe dafür ist, aber eben auch nicht, dass es in Ordnung ist auf diese Weise andere Menschen zu belästigen.

    Wenn ich unbedingt sowas vor anderen Menschen treiben möchte gehe ich in entsprechende Clubs und nicht auf ein Konzert.

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