Der Müll, die Stadt, das Verbot

1 Sep

Am gestrigen Samstag demonstrierten in Berlin etwa 4000 Menschen gegen Putins Anti-Homo-Gesetz. Das Besondere an der Demo waren die Organisator_innen, die ganz ohne Parteien- und sonstigen Organisationsapparat die Veranstaltung initiierten. Parteienlogos waren unerwünscht und das wurde im Vorfeld auch kommuniziert. Eine ganz besondere Partei fühlte sich diesem Anliegen allerdings nicht verpflichtet:

Anja Kofbinger von den Grünen sagte, es gebe eine Untersuchung, nach der der Anteil Nicht-Heterosexueller in der katholischen Kirche, aber auch im Leistungssport höher liege als der sonst statistische Wert von drei bis zehn Prozent der Bevölkerung. Sie hoffe auch auf Outings vor den Spielen.

Bevor man sich fragen konnte, was eigentlich der Anteil Nicht-Heterosexueller in der katholischen Kirche mit der Putinschen Anti-Homo-Gesetzgebung zu tun habe, schritten die Veranstalter ein. Und so konnte Kofbinger die Veranstaltung nicht länger als Wahlkampfbühne benutzen und musste das grüne

Logo auf dem Plakat auf Wunsch des Demo-Hauptorganisators umklappen und wegkleben. Alfonso Partisano wollte keinen Wahlkampf.

Eine bekannte Verfechterin des korrekten grünen Bewußtseins zeigte sich darüber not amused:

„In Russland würden sich Menschen freuen, wenn Parteien gegen Diskriminierung auf die Straße gingen“, konterte Künast

und stellte damit erneut unter Beweis, dass Respekt und Demut nicht zu den Qualitäten grüner Tugendwächter_innen gehören.

Dies demonstrieren die Grünen seit dem vergangenen Dezember auch in Kreuzberg. In der Gerhard-Hauptmann-Schule leben mittlerweile mit Einverständnis des Bezirks mehrere Hundert Flüchtlinge. Wie einem rbb-Bericht vom 30. August zu entnehmen war, sind die Toiletten in der Schule größtenteils verstopft, Duschen und Waschmaschinen existieren nicht. Doch geht man nach dem zuständigen grünen Bezirksstadtrat Hans Panhoff sind das alles Petitessen angesichts des eigentlichen Misstandes:

Wir haben Mülltonnen jetzt bestellt, hier draußen ist auch noch Müll, also da kamen jetzt die Tage noch weitere Mülltonnen und auch Papiermüll, Mülltrennung, das ist ja auch n Thema, das versuchen wir in Griff zu kriegen.

Wundern sollte man sich über diese Prioritätensetzung nun wahrlich nicht, denn immerhin: Sich zu duschen und seine Wäsche zu waschen, verbraucht Wasser und Energie, gesammelter Müll hingegen führt die Rohstoffe der Erde wieder in den Schoß von Mutter Gaia zurück.

Zwei Beispiele, die belegen, dass die Grünen nicht in der Lage sind, über den Gartenzaun ihres eigenen Sendungsbewußtseins hinauszuschauen. Während sie die Demo gegen die Zustände in Russland für Wahlkampfzwecke nutzen und die Veranstalter belehren, wie Protest richtig geht, ignorieren sie die von ihnen mitverursachte menschenunwürdige Unterbringung von Flüchtlingen in Kreuzberg und propagieren stattdessen einen wohlstandssaturierten Fetisch, der sich Mülltrennung nennt.

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3 Antworten to “Der Müll, die Stadt, das Verbot”

  1. Hermann Zeller 1. September 2013 um 11:29 #

    Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch die Linken und die FDP ihre Parteifahnen dabei hatten.

  2. Ralf 1. September 2013 um 17:02 #

    Ich grüble, ob,die Zustände in jener Asylantenunterkunft mehr mit dem Schwulenhassergesetz in Russland zu tun haben als die Anzahl der Nichtheten in der kath. Kirche… Wie auch immer: Frau Künast ist nicht berufen, überhaupt die Schwulenschützerin zu spielen, seit sie den (damaligen) Papst, einen der weltweit übelsten Feind der Menschenwürde und Grundrechte von Schwulen und Lesben, öffentlich ihres Respekts versichert hat.

  3. lotharson 1. September 2013 um 19:04 #

    Hallo, als Lothringer und Außenseiter glaube ich, dass die CDU, CSU, FDP, Grünen und SDP die BRD-Blockparteien sind: für die wichtisgten Probleme der Gesellschaft wie soziale Ungerechtigkeiten, Kapitalismus und Arbeitslosigkeit unterscheiden sie sich kaum voneinander. Es gibt also nur einen Schein von Diversität in der sogenannten bundesdeutschen Demokratie.

    Damien: es hat damit nichts zu tun aber ich habe auf deine interessante Bemerkungen auf meinem Blog geantwortet.

    Liebe Grüsse aus Lothringen.

    Lothars Sohn – Lothar’s son

    http://lotharlorraine.wordpress.com

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