Mit Homophobie gegen Homophobie?

2 Sep

In Russland gibt es ein Gesetz, das Minderjährige davor schützen soll, homosexuell zu werden. Aus diesem Grund soll man vor ihnen nicht mehr über Homosexualität sprechen. Bei der Berliner Demo gegen  dieses Gesetz gab es am vergangenen Samstag einige merkwürdige Plakate zu bestaunen.

Auf einem war Putin geschminkt zu sehen, mit Lippenstift, Lidschatten und Rouge. Darunter steht „Putin go homo“. Was will man der Welt damit mitteilen? Dass Schwule sich schminken, an Lippenstift, Lidschatten und Rouge erkennbar sind? Dass ein Mann, der sich schminkt, ziemlich lächerlich aussieht, denn als Kompliment ist diese Darstellung des russischen Präsidenten sicher nicht gedacht? Dass Putin kein „richtiger“ Mann ist, sondern eigentlich eine Tunte, also so etwas wie – pfui! – eine Frau? Und wieso soll der Mann „homo gehen“? Heißt das nicht „nach Hause gehen“, was wiederum nicht freundlich gemeint ist, sondern so etwas wie „verpiss Dich“ meint? Wieso wird „schwul werden“ gleichbedeutend mit „sich verpissen“ verwendet? An wessen frauen- und schwulenfeindliche Affekte wollen die Demonstrant_innen mit diesem Plakat appellieren?

Aber das war noch nicht alles:

Ein anderes Plakat zeigte Putin mit nacktem Oberkörper beim Angeln. „Vladimir! You are turning me gay“ („Vladimir! Du lässt mich schwul werden“), war daneben zu lesen.

Was will uns dieses Plakat sagen? Dass Männer schwul werden, wenn sie halbnackte Männer sehen? Das dürfte ungefähr der Glaube von Vladimir himself sein. Dass Männer, die sich gerne mit nacktem Oberkörper zeigen, vermutlich selbst schwul sind, war andernorts zu lesen. Was dann wohl nahelegen soll, Putin selbst sei schwul. Doch selbst wenn dem so wäre, was würde das ändern? Seine Politik ist Mist und Grund genug dagegen zu demonstrieren. Nur bessere Plakate beim nächsten Mal wären keine schlechte Idee.

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3 Antworten to “Mit Homophobie gegen Homophobie?”

  1. Keppla 3. September 2013 um 10:25 #

    „Vladimir! You are turning me gay“ sehe ich eigentlich als Parodie und Überpsitzung seiner eigenen Behauptung: dass man a) schwul werden kann, und b) das durch „Propaganda“ geschieht. Es führt vor Augen, dass man deren Wahnvorstellungen der Homosexuellen Propaganda überall finden kann.

  2. Fx 4. September 2013 um 00:34 #

    Die Plakate zeigen deutlich, was ich schon länger vermutet hatte: dass es hier nämlich (zumindest größtenteils) nicht um Homophobie geht, sondern um Hetze gegen einen Staatschef, der (noch?) nicht nach der Pfeife der verlogenen, kriegsgeilen „Westlichen Wertegemeimschaft“ tanzt. Werden hier nicht letztlich Homosexuelle zu ganz anderen Zwecken missbraucht? Deswegen muss man russische Schwule jetzt nicht im Regen stehen lassen, aber man sollte sich deutlich abgrenzen.

    • Damien 4. September 2013 um 08:24 #

      @Fx: Soweit würde ich nicht gehen. Ich vermute bei den meisten Demonstrant_innen eher ehrliche Empörung über die Zustände in Russland. Da die Demo vollkommen ohne die üblichen Politbetrieb-Profis organisiert war, waren auch die Slogans vermutlich nicht durch den Fleischwolf der politischen Korrektheit gelaufen. Meine Kritik war eine an den Plakaten, nicht an der Demo und an den Protesten gegen das Gesetz.

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