Polyamorie? Einfach göttlich!

6 Sep

Die EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie sorgt für neue Einsichten:

Die lebenslange Verbindung eines Mannes mit einer Frau ist so einzigartig, dass sie bildhaft für die Liebesbeziehung des dreieinigen Gottes steht – für die Liebe zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist.

meint Pfarrer Rolf Hille. Doch ausgerechnet die monogame heterosexuelle Ehe soll Abbild einer polyamoren Beziehung zweier Männer und eines weiblichen Wesens sein? Und was klingelt bei den meisten, wenn sie von einer Liebesbeziehung zwischen Vater und Sohn hören? Genau, deshalb muss Herr Hille gleich eine Klarstellung hinterherschieben:

 Jesus Christus ist kein Homosexueller.

Ein wenig merkwürdig ist das schon. Wenn ein Vater und ein Sohn eine Liebesbeziehung haben, was sollte das sonst sein als eine homosexuelle Beziehung? Andere würden es Inzest nennen. Okay, nur weil man eine homosexuelle Beziehung hat, muss man nicht gleich ein Homosexueller sein, zumal wenn man zugleich eine Beziehung zu einer Weiblichkeit hat. Aber ob Herr Hille diese Differenzierung betonen wollte?

Jedenfalls weiß man in Württemberg, dass alles seine Ordnung haben muss im (Welt-)Betrieb. Sonst käme am Ende noch jemand auf die Idee, mit Gott ginge es bunt zu und vielfältig, mit ihm wären gar Brüche möglich und Neuanfänge. Zum Glück klärt Hille uns auf:

Gott, der Schöpfer, ist kein Patchworker

Das allerdings steht nicht in der Bibel, nirgendwo. Doch bevor einen der Wahnsinn über dieses Niveau religiöser Erkenntnisse ereilt, verabschiede ich mich ins Wochenende und wünsche allen Leser_innen ein wunderbares solches. Genießt den Sommer, die Liebe und das Leben- in all ihrer Vielfalt!

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3 Antworten to “Polyamorie? Einfach göttlich!”

  1. martin 6. September 2013 um 20:11 #

    Inzest? Polyamorie? Homosexualität? Als strenger Dogmatiker stehe ich nicht an, darauf hinzuweisen, dass die erwähnten drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) doch auch – und vor allem – eines Wesens sind. Das gibt dem Patchworkgedanken zwar etwas an Berechtigung zurück (ein dreifaltiges Patchwork sozusagen), lässt die genannten Aspekte hier aber doch fragwürdig erscheinen: autoperformativer Inzest? schizophrene Polyamorie? trinitarische Homo-Hetero-Polysexualität? Da bietet sich ein neues Feld theologischer Spekulation an, ja, ich möchte doch meinen: mystischer Schau.

  2. bajazbasel 6. September 2013 um 22:35 #

    Ich bin zum Schluss gekommen, dass eine „reparative Therapie“ nicht Homosexualität heilen sollte, sondern das Verhältnis zwischen Sohn und homophobem Vater „reparieren“. Und da am Anfang das Wort war, ist es eben heiliger Geist und diese Ebene ist philosophiehistorisch wiederum „männlich“.
    Statt Homophobie sollte die Aus-Söhnung/Ver-Söhnung der Männer angestrebt werden. Ihre Abhängigkeit von den Müttern provoziert die Rivalität… Aber ob das den Frauen passt? Das bleibe mal dahingestellt…

  3. Atacama 7. September 2013 um 11:14 #

    bajazbasel

    Kannst du das mit den Müttern/Frauen mal erklären? Du schreibst voll oft davon. Was hat es mitFrauen u Müttern deiner Meinung nach in Bezug auf Homosexualität und den Umgang damit auf sich?

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