Physik für Anfänger

18 Sep

Einer der Gründe, warum afrikanische Länder – wie etwa Nigeria – schwer aus ihrer Armut herausfinden, könnte in der Art und Weise liegen, wie sie Wissenschaft praktizieren:

Chibuihem Amalaha, ein Doktorand an der Universität von Lagos will den physikalischen Beweis gefunden haben, warum eine homosexuelle Ehe unnatürlich sei.

Sein Beweis stützt sich auf die Magnettheorie die er auf Menschen überträgt. Nord- und Südpol eines Magnetes ziehen sich an. Gleiche Pole stoßen sich ab. Genauso sei das bei Mann und Frau.

Die Gegenargumentation für diese Hypothese ist einfach zu führen:

1. Der Mensch ist kein Magnet und hat demnach auch keine Polarität im magnetischen Sinne.

2. Selbst wenn der Mensch eine Polarität im magnetischen Sinne hätte, müsste man die Existenz homosexueller Menschen erklären, weil diese sich trotz der postulierten gleichen Polarität eben nicht abstoßen, sondern anziehen. Um den Vergleich mit Magneten aufrecht zu erhalten, stelle man sich also einen Haufen Magneten vor, von denen sich die meisten, mit gleicher Polarität, abstoßen. In diesem Haufen Magneten gibt es aber nun einige Magneten, die sich trotz gleicher Polarität eben nicht abstoßen, sondern anziehen, so wie wir es analog auch bei Menschen mit der „Polarität“ „männlich“ und „weiblich“ wiederfinden. Inwiefern wäre diese Minderheit der Magneten nun unnatürlich? Selbstverständlich gar nicht, denn sie existieren ja.

3. Die These, dass der Mann ein Pol und die Frau ein anderer wäre, ist ein reines Konstrukt (siehe 1.) Ebenso gut könnte man behaupten, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe hätten eine unterschiedliche Polarität und würden sich im Rahmen der Magnettheorie daher anziehen. Auf nigerianische Verhältnisse übertragen wäre es demnach unnatürlich, würde sich ein ethnischer Nigerianer mit einem anderen ethnischen Nigerianer vermählen. Ebenso gut könnte man diese These weiterspinnen und behaupten, nur die Heirat zwischen Mensch und Kamel ( oder Frosch, Schwein, Ente etc. pp.) sei natürlich, weil unterschiedliche Spezies unterschiedliche Pole hätten und sich demnach anziehen würden, während zwei Menschen die gleiche Polarität besäßen und sich demnach abstoßen.

Bevor es nun noch abstruser wird, kehren wir zum Argument zurück, welches eigentlich bereits ausreicht, um den wissenschaftlichen „Beweis“ des Doktoranden, über die Unnatürlichkeit homosexueller Beziehungen, als falsifiziert zu verwerfen: Der Mensch ist kein Magnet und hat demnach auch keine Polarität im magnetischen Sinne.

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17 Antworten to “Physik für Anfänger”

  1. FDominicus 18. September 2013 um 15:28 #

    Also ich verstehe nicht warum Sie das Wissenschaft nennen. Wie sieht es denn mit der Überprüfbarkeit aus?

  2. morus 18. September 2013 um 18:30 #

    Gratulation Adrian. Du hast soeben bewiesen, dass es den Magnetismus gar nicht gibt. Die Physikbücher müssen neu geschrieben werden. 🙂

  3. Leszek 18. September 2013 um 22:18 #

    @ Adrian

    Ich würde da eher empfehlen: den ghanaischen Philosophen Kwame Anthony Appiah.
    Der ist schwul (und nicht homophob),

    http://bigthink.com/videos/ghanaians-like-sex-too-much-to-be-homophobic

    und schreibt außerdem noch coole philosophische Bücher:

    http://www.amazon.de/Eine-Frage-Ehre-moralischen-Revolutionen/dp/3406614884

  4. gnaddrig 18. September 2013 um 22:23 #

    Kein Magnetismus mehr? Das gilt dann – Naturgesetze sind ja universell gültig – sicher auch für andere auf irgendeiner Art Polung beruhende Anziehungs- und Abstoßungskräfte. Dann funktioniert der klassische Katzen-Marmeladenbrot-Antrieb nicht mehr. So ein Scheiß!

  5. martin 19. September 2013 um 09:33 #

    @ Leszek:
    Appiah ist tatsächlich sehr zu empfehlen.
    Dass er schwul ist, wusste ich jedoch nicht. Danke für den Hinweis und den interessanten Link.

  6. Hbdgay 19. September 2013 um 22:20 #

    (Exklusive) Schwule sind trotzdem aus biologischer Sicht erklärungsbedürftig. Verhaltensweisen, die die Anzahl der Nachkommen auf NULL reduzieren, werden ausselektiert. Homosexualität ist keine einfache „Spielart der Natur“. Exklusive Homosexualität wie beim Menschen ist im Tierreich praktisch unbekannt. Homosexuelles Verhalten bei Tieren ist strenggenommen bisexuell.

  7. Blub 20. September 2013 um 00:32 #

    @Hdbgay: Ich halte es immer für absolut fragwürdig, Entscheidungen der Evolution durch vermeintlich rationale Gründe zu erklären. Die Evolution ist kein rationaler Akt und v.a. wählt sie nicht, sie spielt bestenfalls. Es gibt genügend Beispiele, wo etwas schlechtes halt überlebt, weil mans einfach nicht einfach wieder wegevoliert bekommt (Blinddarm war zumindest früher so ein Beispiel). Ein viel sinnvollerer Versuch Homosexualität in dem Kontext zu erklären, wäre, dass Lebewesen vielleicht besser nicht zu selektiv beim Erkennen der Paarungspartner sein sollten, sonst finden sie schnell gar keinen. Daher ist es besser, wenn da eine breite Vielfalt herrscht. Mein, stell Dir vor, Frauen hätten plötzlich Schwänze, weil das beim Pinkeln besser ist… sicher ein Evolutionsvorteil auch ohne Transportweg fürs Sperma…

  8. Keppla 20. September 2013 um 20:47 #

    @Hbdgay

    (Exklusive) Schwule sind trotzdem aus biologischer Sicht erklärungsbedürftig

    Nur, wenn du ihre Existenz anzweifelst.
    Wenn du das nicht tust, sind nicht die Schwulen erklärungsbedürftig, sondern die Theorie, die ihrer Existenz widerspricht.

    Verhaltensweisen, die die Anzahl der Nachkommen auf NULL reduzieren, werden ausselektiert.

    Das unterstellt, dass Homosexualität ein komplett Isolierter Faktor ist. Sowas gibts praktisch aber kaum, es gibt immer „Tradeoffs“. Das größere Gehirn der Menschen führt zu einem höheren Nahrungsbedarf, die geistige Flexibilität zu einer langen kleinkindlichen unselbstständigkeit, etc.

    Sagen wir, es gäbe ein Gen, was dem Träger zu 6% Wahrscheinlichkeit die Anzahl der Nachkommen verdoppelt, und zu 5% die Anzahl der Nachkommen auf Null reduziert.
    Träger dieses Gens würden über kurz oder lang die anderen Verdrängen. Es kann also durchaus sein, dass solche Veranlagungen Positiv selektiert werden.

    Homosexualität ist keine einfache “Spielart der Natur”

    Die These, dass Menschliche Homosexualität nicht von der Natur verursacht ist, ist nicht notwendigerweise unproblematischer als die These der Evolution.

    Du hast letztendlich nur wenige Möglichkeiten:

    1) Du hälst sie für kulturell determiniert.
    Dann müsstest du allerdings erklären, warum die Quote an Homosexuellen zu Heterosexuellen Kulturübergreifend einigermaßen konstant ist (afaik, Gegenbelege natürlich willkommen).
    Du müsstest die Erklärung mit den Befunden vereinbaren können, dass Homosexualität durch Pränatales Testotsteron induziert werden kann (wurde in „Brainwash“ kurz angerissen, um mal ad hoc eine Quelle zu nennen)
    Und du hättest trotzdem noch die Probleme mit der Evolution, weil sich dann die Frage stellt: warum wurde ein Sexuelle Präferenz, die von den Umständen negiert werden kann, gegenüber einer, die nur auf Fortpflanzung aus ist, verdrängt werden konnte.

    2) Du hälst sie für nichtexistent, wie du – scheint mir – mit dem Verweis auf Bisexualität andeutest: Homosexuelle sind eigentlich Bisexuell.
    Hier hast du letztlich auch alle Probleme von 1)

  9. Ralf 21. September 2013 um 15:56 #

    Wenn Verhaltensweisen, welche die Zahl der Nachkommen auf Null reduzieren, von der Natur ausselektiert werden, fragt sich ja nur, weshalb die Natur eben gerade das seit Jahrhunderttausenden nicht tut, sondern sie immer wieder aufs Neue reproduziert. Die Natur arbeitet halt ganz anders, als Sozialdarwinisten und religiöse Fundamentalisten es gerne hätten.

  10. Martin 21. September 2013 um 21:37 #

    „Verhaltensweisen, die die Anzahl der Nachkommen auf NULL reduzieren, werden ausselektiert., werden ausselektiert.“

    Wir sprechen hier aber von heiner hochsozialen Spezies die in Ihrer Entwicklung immer in Sippen lebte. Man kann sich also nicht einfach die individuelle Person ansehen, man muss das Individuum in seinem Sippenverbund sehen. Und hier ergeben sich dann auch Ansätze, z.B. die Situation der Sippe die viel Nachwuchs hat und dann durch homosexuelle Mitglieder mehr Brutpfleger hat. Dadurch kann sich durchaus die Situation ergeben das die Sippe die homosexuelle Mitglieder hat, Nachwuchs mit höherer Überlebenswahrscheinlichkeit hat als eine Sippe ohne homosexuelle Mitglieder.

    • Adrian 21. September 2013 um 21:44 #

      @ Martin
      Gewagter Ansatz: Gruppenselektion ist wissenschaftlich äußerst umstritten.

  11. littlemrgreenguy@gmail.com 22. September 2013 um 01:54 #

    „Einer der Gründe, warum afrikanische Länder – wie etwa Nigeria – schwer aus ihrer Armut herausfinden, könnte in der Art und Weise liegen, wie sie Wissenschaft praktizieren:“
    Äh, was bewegt Dich dazu tendenziell rassistische Rückschlüsse zu ziehen? Idioten gibt es überall; das auf Afrika zu beschränken und damit wirtschaftliche Probleme zu „erklären“ ist schlicht und ergreifend Nonsens.

  12. lukas 22. September 2013 um 02:33 #

    Ein rein auf Geschlechtsgenossen gerichteter Sexualtrieb reduziert die Anzahl der Nachkommen ja nur auf null, wenn er auch zu exklusiv homosexuellem Sexualverhalten führt. Das kommt aber ganz auf die Bedingungen und Zwänge an, denen homosexuelle Individuen in ihrer Gruppe unterworfen sind.

  13. Hbdgay 22. September 2013 um 12:53 #

    @ alle

    Antworte mal nicht jedem einzeln:

    Ich wollte etwas überspitzt darauf aufmerksam machen, dass die übliche PC-Einstellung (Homosexualität, eine normale GENETISCHE Sexual-Variante neben Heterosexualität, die weit im Tierreich verbreitet ist und vom pöhsen homophoben kapitalistischen Patriarchat unterdrückt wurde) keine wissenschaftliche Grundlage hat.

    (Mit Homosexualiät meine ich EXKLUSIVE männliche Homosexuelle, die Männer Frauen bei freier Wahl vorziehen.)

    Mit großer Wahrscheinlichkeit:

    1. Homosexualität ist nicht genetisch bedingt (das heißt nicht dasselbe wie nicht-angeboren!). Das weiß man aus Zwillingsstudien (ca. 15% Übereinstimmung bei monozygoton Zwillingen). Das heißt es gibt allenfalls eine genetische Prädisposition für Homosexualität. (Vergleiche genetische Komponente bei TB, Rheumatoide Arthritis etc.)

    2. Homosexualität ist kein Produkt natürlicher Selektion inklusive Verwandtenselektion. Ein Schwuler Onkel müsste für 4x mehr Nachkommen bei seinen Geschwistern sorgen, damit das aufginge. Selbst wenn er das täte, wäre es immer noch besser, wenn er willige Frauen zwischendurch befruchten würde. Homosexualiät ist damit analog zur Selbstkastration! (… aus evolutionärer Sicht) Ein Verhalten, dass natürliche Selektion schon in der nächsten Generation aussortiert (sofern 100% genetisch bedingt).

    3. Die Aussage, dass Homosexualiät beim Menschen universell mit gleich hoher Frequenz (die berühmten 10%) verbreitet ist (bei allen Völkern seit mindestens der Jungsteinzeit), entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage!!

    Das heißt:

    Die Ursache von Homosexualität ist nicht genetisch und kann (noch) nicht durch „Resistenz“-Gene aufgehalten werden. So etwas schreit nach einer nicht-statischen Ursache, die sich selbst verändert –> also einer gegenläufigen Dauer-Evolution. Die ROTE KÖNIGIN. Das gilt für den Fall, dass Homosexualität schon sehr lange in der Frequenz beständig ist.

    Denkbar sind also: statische Ursachen (Die Frequenz von Homosexualität müsste abnehmen):

    – neue Veränderungen der Umwelt (z.B. Gifte, Ernährung)

    – Nebenwirkung neuer Adaptionen des Menschen (z.B. allgemeine Feminisierung von Männern, Neotonie)

    Nicht-statische Ursachen (Die Frequenz von Homosexualität bleibt stabil bzw. schwankt auf und ab):

    – Mikroorganismen (Krankheitserreger profitieren von Homosexualität oder Homosexualität ist eine Nebenwirkung der Krankheit – auch als Autoimmunreaktion)

    – Interesse-Konflikte zwischen Verwandten/Elterteilen (im biologischen Sinn) (z.B. Epigenetik oder falsche Immunreaktionen)

    Nicht denkbar sind:

    – normale genetische „Spielart der Natur“

    Ach ja, ich bin selbst schwul, falls das relevant ist und habe mit keinem Wort gesagt, Schwulsein ist gewählt, erlernt etc..

  14. Hbdgay 22. September 2013 um 12:56 #

    „Ein rein auf Geschlechtsgenossen gerichteter Sexualtrieb reduziert die Anzahl der Nachkommen ja nur auf null, wenn er auch zu exklusiv homosexuellem Sexualverhalten führt. Das kommt aber ganz auf die Bedingungen und Zwänge an, denen homosexuelle Individuen in ihrer Gruppe unterworfen sind.“

    Daher glaube ich, dass Homophobie mindestens genauso „natürlich“ ist wie Homosexualität. Das passt sehr gut zu einer nicht-statischen Ursache von Homosexualität (z.B. Mikroorganismus). Das reduziert sozusagen die Fitness-Einbußen durch Homosexualität.

  15. lukas 23. September 2013 um 14:54 #

    Homophobie ist hier wohl ein zu starker Ausdruck: Konformitätsdruck in Punkto Fortpflanzung kann es auch ohne Homophobie geben, das antike Rom dürfte solch ein Fall sein.

  16. Hbdgay 24. September 2013 um 08:52 #

    Trotzdem haben Hetero- bzw. Bisexuelle mehr Kinder im Schnitt. Homo-Aversion bzw. Konformitätsdruck können den Fitness-Einbußen durch exklusive Homosexualität nur abmildern. Das spricht für eine nicht-statische Ursache von Homosexualität.

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