Mit dem Dritten vögelt man besser

24 Okt

Seit ungefähr 160.000 Jahren gibt es menschliche Heterosexualität – und weil Frau und Mann trotz dieser langen Zeit immer noch nicht wissen, wie man es richtig macht, wird ausgerechnet der als eher bräsig geltende Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) demnächst mit einer fünfteiligen Dokumentation starten:

Der Duktus ist nüchtern, der Ton passt zu einer Ratgebersendung – jede Kochshow im Dritten geht emotional steiler. Nähe (vulgo: Betroffenheit) wird trotzdem gesucht. Die dänische „Sex Super Nanny“ – die Älteren seien an Ruth Westheimer erinnert – spielt mit einem Paar dessen Probleme durch. Olli und Jessica aus Böblingen haben einmal in drei Monaten Sex. Gerne hätten sie mehr, aber, aber, aber. An diesen Merkpunkten greift Henning ein. Mit Worten, mit einer Stoff-„Mösette“ (heißt wirklich so), beispielhafte Realszenen mit einem Modellpaar kommen dazu. Beim Beckenbodentraining schwingen der Mann und sein Penis, die Frau schwingt mit, wenn sie nicht gerade ihre Vagina nach vorne stülpt. In späteren Folgen wird es um sexuelle Aufklärung, Singles, sexuelle Dysfunktion gehen. Konkret, mit Menschen wie Du und Ich. Wenn Uschi sich auf – genau– reimt. Sex-Exhibitionisten wurden schon beim Casting vor die Tür gebeten.

Auffallend ist allerdings, dass der MDR bei der Ankündigung der Sendung, insbesondere die Frau in den Fokus rückt:

Mit Humor und Charme nennt Ann-Marlene Henning die Dinge beim Namen, jenseits von Leistungsdruck und Normierung, ohne Tabu und ohne Peinlichkeit. „Auch heute noch ist das weibliche Geschlecht ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das fällt mir jeden Tag in der Praxis auf. Kaum eine Frau kennt sich selbst ‚dort unten'“, sagt Ann-Marlene Henning.

Doch sieht das beim Mann so viel anders aus? Gerade unter Heteros fällt mir immer wieder auf, dass eine ganze Reihe von ihnen noch nie was von männlichen multiplen Orgasmen gehört haben und dass nicht wenige ihren Höhepunkt immer noch mit der Ejakulation gleichsetzen.

Allerdings solle man sich als schwuler Mann hüten, sich darüber lustig zu machen, dass für heterosexuelle Mitmenschen im 21. Jahrhundert offenbar immer noch Bedarf nach einer Ratgebersendung für Sex besteht. Man erliegt dabei allzu leicht der Vorstellung, Homosexualität sei unkomplizierter, und gerade zwei Männer wüssten doch sicherlich ganz genau, wie man am Besten kommt, weil sie ja selber an sich üben können.

Au contraire, mes amis! Auch Blasen, lecken und penetrieren unter Männern (und natürlich Frauen) will gelernt sein. Insofern wäre ich dem MDR sehr verbunden, wenn sie ihre Dokumentation irgendwann auch auf gleichgeschlechtliche Paare erweitern würde.

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10 Antworten to “Mit dem Dritten vögelt man besser”

  1. Andreas 24. Oktober 2013 um 19:08 #

    >Gerade unter Heteros fällt mir immer wieder auf, dass eine ganze Reihe von ihnen noch nie was von männlichen multiplen Orgasmen gehört haben und dass nicht wenige ihren Höhepunkt immer noch mit der Ejakulation gleichsetzen.

    Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage und bitte um Aufklärung.

  2. Andreas 24. Oktober 2013 um 23:16 #

    In a nut shell?

    • Adrian 24. Oktober 2013 um 23:27 #

      @ Andreas
      Du musst schon ein bisschen Zeit und Geduld investieren. Aber kurz gesagt geht es darum, den Musculus pubococcygeus zu trainieren (bitte im Wikipedia-Eintrag das „soll es dem Mann beispielsweise möglich sein“ ignorieren – es funktioniert, hab es selbst ausprobiert). Das ist der Muskel, der einem insbesondere beim Urinieren auffällt, weil man mit ihm den Strahl kurzweise stoppen kann, um stoßweise zu pinkeln.

      Für „feuchte“ Orgasmen (also mit Ejakulation) jenseits der „üblichen Erfahrung“ empfehle ich Penis-Massagen (Stimulation der Eichel mit Gleitgel unter Verwendung der Stop-and-Go-Methode), für Prostata-Orgasmen einen Dildo oder Anaeros.

  3. martin 25. Oktober 2013 um 09:34 #

    @ Adrian
    Gaywest auf dem Weg zum Sexratgeber – Abstieg oder Aufstieg?
    Und was soll das für ein „Geheimwissen“ sein, über das man öffentlich diskutieren kann? Früher, als alles noch besser war, gab es wenigstens noch Leute mit Sinn für die Esoterik der Esoterik.
    Wie lange hast Du denn bitte – wenn man fragen darf – Beckenbodentraining betrieben, um zum Erfolg zu kommen?

  4. Adrian 25. Oktober 2013 um 10:25 #

    @ martin

    „Abstieg oder Aufstieg?“

    Warum so griesgrämig? Wenn Du einen Beitrag uninteressant findest, tut mir das leid, aber es wird immer mal wieder vorkommen.

    „Und was soll das für ein “Geheimwissen” sein, über das man öffentlich diskutieren kann?“

    Das ist der Titel des Buches, Dafür kann ich doch nichts.

    „Wie lange hast Du denn bitte“

    Etwa 2 Monate.

  5. martin 25. Oktober 2013 um 14:01 #

    @ Adrian: Eigentlich fand ich den Beitrag gar nicht uninteressant, durchaus nicht. Mein Kommentar sollte allenfalls ein wenig spöttisch ausfallen, aber völlig harmlos und gewiss nicht griesgrämig. Darüber bin ich nun selbst ein wenig entsetzt und bitte um Entschuldigung. Ich: ein Griesgram? Sollte mir das, zumal bei diesem Thema, zu denken geben? In der Tat tut es das jetzt bereits…

    • Adrian 25. Oktober 2013 um 14:36 #

      @ martin
      Es gibt keine Grund sich zu entschuldigen. Ich habe Dich wohl missverstanden. Sorry.

  6. Atacama 25. Oktober 2013 um 14:43 #

    Ud dann kann man so oft kommen wie man will ohne zu ejakulieren und damit pausieren zu müssen? Indem man sich anspannt, wird die Ejakulation mechanisch verhinder oder wie?

    • Adrian 25. Oktober 2013 um 15:30 #

      @ Atacama
      Im Wesentlichen, ja. Auch wenn man nicht so oft kommen kann, wie man will. Irgendwann will man ejakulieren oder es kommt der Punkt, wo man zu erschöpft ist, um weiterzumachen. Meines Erachtens lohnt sich der Aufwand dafür nur mit einem wirklich vertrauten Partner.

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