Mit Adrian auf der Palme

6 Nov

Es gibt mehrere Wege, die Aussagen von Homo-Gegnern zu kontern, mit Sachlichkeit, mit Polemik, mit Spott, mit innbrünstiger Empörung. Alle diese Strategien haben ihre Vor- und Nachteile, alle sind in gewissem Sinne förderlich, wenn auch nicht immer in jeder Situation. 

Der Präsident der österreichischen Ärztekammer hat nun aber gezeigt, wie man es in gar keinem Fall machen sollte:

In einem offenen Brief verurteilt der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres scharf die im aktuellen „profil“ getätigten Aussagen des Arztes und Nationalratsabgeordneten Marcus Franz zu Genese von Armut, Kinderlosigkeit und Verhütung, vor allem aber dessen Meinung, wonach Homosexualität als „amoralische genetische Anomalie“ zu gelten habe.

Wir erinnern und an Marcus Franz, jenem Menschen, der nicht nur Homosexualität für amoralisch hält, sondern auch freiwillige Kinderlosigkeit. Dass man diesem Standpunkt etwas entgegen setzen sollte, scheint klar, aber muss es gleich derartig geschehen, wie von Herrn Szekeres in Szene gesetzt?

„Sehr geehrter Herr Kollege Franz,

mit großem Befremden, ja Bestürzung, habe ich Ihr Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ‚profil‘ gelesen. Ihre Einstellung zur Genese von Armut und der Funktion von Steuern sind Meinungen, die ich weder teile noch kommentiere. Ihre Mutmaßungen und Festhaltungen zu Kinderlosigkeit und Verhütung entsprechen nicht wissenschaftlichen Kriterien.

So weit so in Ordnung, auch wenn ich die „Bestürzung“ von Szekeres nicht ganz nachvollziehen kann, da ich Franz‘ Äußerungen eher mit einer Mischung aus Amüsement und fassungslosem Staunen gelesen habe. Aber gut, ich gönne jedem Menschen seine Emotion.

Weiter im Text:  

Empörend und inakzeptabel ist aber Ihr Statement zur Homosexualität. Homosexualität als ‚amoralische genetische Anomalie‘ zu bezeichnen, ist kommentarlos nicht hinzunehmen. Übersetzt hieße dies, dass Homosexualität für Sie eine angeborene Krankheit sei, noch dazu außerhalb jeglicher moralischer Kategorie.

Das ist durchaus nicht ganz falsch. Dennoch bleibt es fraglich, ob man Franz damit beeindrucken kann, da anzunehmen ist, dass dieser Homosexualität in der Tat außerhalb moralischer Kategorien sieht, und ihm diese Äußerung nicht einfach so aus Versehen entschlüpft ist.

Doch auch dieser Teil des offenen Briefes geht noch in Ordnung. Aber was jetzt kommt, lässt mich nur noch den Kopf schütteln:

Diese Aussage ist auf das Schärfste zurückzuweisen. Als Wissenschafter, Mediziner und Repräsentant der Ärztekammer fordere ich Sie auf, dieses Statement öffentlich zurückzunehmen. Ihre Aussagen wiegen umso schwerer, als Sie nunmehr nicht nur als Arzt, sondern auch als Abgeordneter zum Nationalrat eine besondere Verantwortung tragen. Ich ersuche Sie, in Ruhe zu reflektieren, was Sie formuliert haben, und sich öffentlich zu entschuldigen. Solche Aussagen dürfen in demokratischen Kulturen nicht unwidersprochen bleiben.

Ich stelle mir gerade vor, ich, Adrian höchstpersönlich, plaudere in einem Interview über Gott, die Welt und meine moralischen Ansichten, und denke mir nichts Böses.

Dann aber, in den nächsten Tagen, werde ich von einem offene Brief an mich in Kenntnis gesetzt, in der mein Vorgesetzter (z.B. der Präsident der Deutschen  Schwulenkammer) mich dazu auffordert, mein Statement  zurückzunehmen, meine Äußerungen in Ruhe zu reflektieren und mich anschließend öffentlich zu entschuldigen. Kann sich irgendjemand denken, was ich von dieser Begebenheit halten würde?

Zugegeben, ich weiß nicht genau, was Herr Franz für ein Mensch ist, aber angesichts des anmaßenden, autoritären Tonfalles des offenen Briefes, kann ich mir gut vorstellen, dass die erste gedankliche Erwiderung an Herrn Szekeres ein tief empfindendes „Du kannst mich mal“ sein wird.

Aber gut, vielleicht ist Herr Franz anders als Adrian. Vielleicht bereitet es ihm kein Problem wie ein dummer Schuljunge vom allwissenden Direktor abgekanzelt zu werden, verbunden mit der Pflicht, am nächsten Tag vor versammelter Klasse zu bekennen, was für ein unartiger Bub man doch gewesen ist.

Man, wäre ich sauer…

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3 Antworten to “Mit Adrian auf der Palme”

  1. martin 6. November 2013 um 10:03 #

    Eine Deutsche Schwulenkammer, das wäre doch wirklich einmal eine hübsche Einrichtung. Dann wäre Schwulsein endlich quasi als Beruf anerkannt. Vielleicht werden dann sogar Schwulenzulassungen vergeben und man müsste nicht mehr alles und jeden als Seinesgleichen akzeptieren. Umgekehrt gäbe es natürlich auch Zwangsmitgliedschaften und alles, was dazu gehört. Aber nur, wenn ich ordentlich besoldeter Funktionär werden darf…

    • Adrian 6. November 2013 um 10:16 #

      @ martin
      Ich stimme zu und schlage mich, ganz uneigennützig, als Präsident vor. Den Funktionärsposten für Dich werde ich selbstverständlcih wohlwollend erwägen 🙂

  2. Yadgar 6. November 2013 um 18:16 #

    Bundesschwulenkammer… ich müsste dann wohl einen Antrag auf eine Bärenlizenz (§ 57 BSchwuKG) stellen, was erst einmal verbunden wäre mit einer Evaluation gemäß § 9b BSchwuKVerwG zur Kategorisierung nach ISO 3271003 (früher „Natural Bears Classification System“). Fortan bin ich dann zu monatlichen Haarschnitten (§ 59d BSchwuKG) und einer besonderen Diät nach § 19 BBärVO verpflichtet; sollten meine Haare zu irgendeinem Zeitpunkt länger als 1,65 cm oder mein BMI niedriger als 33,92 sein (nach Berücksichtung der Muskelkompensationsformel nach §26f BBärVO Abs. 3), wird mir die Bärenlizenz fristlos entzogen; nach einer Übergangsafrist von 30 Tagen ohne Antragstellung auf eine sonstige Lizenz nach §56 BSchwuKG erlischt auch meine Mitgliedschaft in der Bundesschwulenkammer. Danach gilt für mich § 87 BPsychKG, demzufolge ich nach ICD-11 Diagnoseschlüssel 74.05 (objektiv ungeordnete Sexualneigung) reparativ zu therapieren bin…

    …würg, reiher, kotz!!!

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