Brauchen wir die Ehe?

1 Dez

Ich persönlich könnte mit dem Gedanken leben, dass die Ehe eine Institution ist, die nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann. Ich könnte ebenfalls mit dem Gedanken leben, dass heterosexuelle Liebe etwas „ganz anderes“ ist, als homosexuelle Liebe. Wenn ich dereinst mit einem Mann den „Bund fürs Leben“ schließen sollte, wäre es mir gleich, ob man dies nun „Ehe“ nennt, oder nicht. Wichtig ist meines Erachtens, wie ich und mein Partner unsere Verbindung empfinden, nicht wie die Gesellschaft diese bezeichnet. Es wäre mir also relativ egal, wenn Heteros ihre Institution hätten und Homos unsere. Und wenn Heteros unbedingt auf den exklusiven Begriff „Ehe“ bestehen – fein, damit hätte ich keine Schwierigkeiten.

Allerdings gibt es dann doch ein kleines Problem: Die Gegner der Homo-Ehe lassen allzu oft durchblicken, dass es ihnen nicht um die Zukunft stabiler heterosexueller Partnerschaften nebst Kindern geht, sondern gegen Homos. Sie lassen allzu oft durchblicken, dass homosexuelle Liebe nicht einfach nur „anders“ ist, sondern schlechter. Soll heißen: Die Opposition gegen die Homo-Ehe ist im Grunde genommen eine Opposition gegen Homosexualität. Zumindest kommt es so rüber. Und das ist der Grund, warum ich dann doch für die gleichgeschlechtliche Ehe bin. Mir bleibt halt keine andere Wahl.

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4 Antworten to “Brauchen wir die Ehe?”

  1. Andreas 1. Dezember 2013 um 10:25 #

    Was haltet Ihr vom Zivilpakt nach französischen Vorbild? Er ist leichter zu schließen und leichter zu beenden als eine Ehe. Ein Zivilpakt wird auf dem Standesamt geschlossen und kann mit sofortiger Wirkung auch gegen den Willen des Partners durch notarielle Beglaubigung binnen Tagesfrist wieder getrennt werden („Ehe ohne Kündigungsschutz“). Der Zivilpakt ermöglichte das Auskunftsrecht bei Ärzten, die Teilnahme am Ehegatten- resp. Familiensplitting, Erbberechtigung im Todesfall und Mitversicherung in der Krankenversicherung. Er begründet keine über den Trennungszeitpunkt hinaus gehenden Unterhaltspflichten und ermöglicht nicht die Adoption von Kindern.
    Der Zivilpakt würde jungen Paaren ermöglichen, staatlich verbürgt Rechte und Pflichten gegeneinander zu übernehmen, ohne die für junge Menschen noch oft abschreckenden Wirkungen wie weitgehende Unterhaltspflichten und im Fall des Scheiterns aufwändige Scheidungsverfahren schultern zu müssen. Für kinderlose Paare kann der Zivilpakt sich als dauerhaft attraktiver als die Ehe erweisen.
    Gegenüber den Eingetragenen Partnerschaften böte der Zivilpakt den Vorteil, auch heterosexuellen Paaren offen zu stehen. Hierfür besteht vermutlich große Nachfrage wie das Beispiel Frankreich zeigt. Dort wurde der Zivilpakt 1999 im Hinblick auf homosexuelle Paare als Eheersatz eingeführt, inzwischen wird er aber zu 95 % von heterosexuellen Paaren in Anspruch genommen.

    Ich plädiere also dafür
    1. den Zivilpakt als Ehe light einzuführen und
    2. sowohl Zivilpakt als auch Ehe allen Paaren zu öffnen.

    Wahrscheinlich würden fast alle homosexuellen Paare und ein erheblicher Teil der heterosexueller Paare (dort vor allem die kinderlosen) dem Zivilpakt den Vorzug geben – aus freier Eintscheidung.

    Meinungen dazu?

  2. martin 1. Dezember 2013 um 10:39 #

    Ich persönlich halte es eigentlich für falsch, dass der Staat für Zweipersonenpartnerschaften überhaupt ein eigenes Rechtsinstitut geschaffen hat. Sicherlich gibt es allerlei Rechtsfragen zwischenmenschlicher Beziehungen, die geregelt werden können sollten, angefangen von Güterstand und Sorgerechten für etwaige Kinder bis hin zu Zeugnisverweigerungsrechten und zur Bestimmung eines gemeinsamen Familiennamens. Aber warum das nur zwischen zwei Personen, ob gleichen oder verschiedenen Geschlechts, möglich sein sollte und wozu es da eines Standesamtes bedarf, ist mir eigentlich unklar. In meinen Augen handelt es sich dabei um eine Ersatzbefriedigung romantisch-religiöser Bedürfnisse, aber im Grunde ist es ein schlechter Scherz: ein Beamter als Ersatzpriester, vor dem man den Bund fürs Leben schließt. Dieses Modell haben wir wohl einem kulturkämpferischen Positivismus aus dem 19. Jahrhundert zu verdanken. Aber es hängt gewiss auch mit dem unausrottbaren Bedürfnis des Staates zusammen, in möglichst allen und jeden Lebensverhältnissen seiner Bürger mitbestimmen zu können. Dafür gibt es dann entschädigungshalber ein paar nette Steuervergünstigungen. Wenn man aber die Ehe als eine – wie das früher hieß – sittliche Institution wirklich ernst nähme, müsste man auf diese Art ihrer staatlichen Segnung doch eigentlich verzichten. Dann würde die Ehe eben nach den Regeln der verschiedenen Religionsgemeinschaften geschlossen oder auch nach den Regeln, die sich die Partner jeweils selbst geben, und Vater Staat würde das nurmehr (wenn überhaupt) zur Kenntnis nehmen dürfen. Dann hätten auch nicht Heteros die eine, Homos eine andere Ehe, sondern jeder die, die er für richtig hielte.
    Es ist nur so, dass es die heterosexuelle Zivilehe nun einmal gibt und Vater Staat dadurch bestimmte Partnerschaften ohne sachlichen Grund gegenüber anderen Partnerschaften privilegiert. Hinzu kommt noch die homophobe Gegnerschaft gegen die „Öffnung“ der Ehe, die diese Privilegierung für sich behalten will. Daher ist es völlig berechtigt und notwendig, die gleichgeschlechtliche Ehe zu fordern, solange es überhaupt eine Ehe gibt (und mittelbar gilt dasselbe auch für eine „Ehe zu dritt“ oder was man sich sonst so vorstellen mag). Und im Übrigen ist es individuell auch völlig in Ordnung, sich die wie auch immer bestehenden (finanziellen) Vorteile dieser Institutionen zunutze zu machen, für Homos genauso wie für Heteros.

  3. bajazbasel 1. Dezember 2013 um 22:23 #

    Ich bin es zufrieden, wenn in der Schweiz die „eingetragene Partnerschaft“ besteht. Denn diese können wir weiterentwickeln – am besten an der Hetero-Ehe vorbei! Und wir müssen uns nicht mit Kirchen und Fundis herumschlagen. Dass es nun aber ex-Heteras/os gibt, die das alles auch in Frauenhaushalten und Männerhaushalten haben wollen, oder Homosexuelle, die wie Heterosexuelle dastehen (denn darum geht es doch letztlich) wollen, das ist nicht mein Problem.
    Ich würde lieber die institutionelle Partnerschaft auf 3-4 Familienteilnehmer erweitern. Und vergesst letztlich nicht, dass die heutige Kleinfamilie überhaupt nichts mit der historischen Familientradition zu tun hat!

  4. Matthias Mala 3. Dezember 2013 um 19:32 #

    Ich plädiere ebenfalls für die Abschaffung der Zivilehe und Aufhebung der Erbschaftssteuer. Dann kann jeder heiraten vor wem, mit wem und mit wie vielen er will. Dazu entfällt das wirtschaftliche Motiv der Eigentumssicherung für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft.

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