Dann geh doch nach Russland!

16 Jan

Manchmal kann ich mich nicht entscheiden, ob Kulturkonservative lächerlich, oder einfach nur nur peinlich sind. Meistens ist es wohl eine Mischung aus beidem:

Bundespräsident Gauck boykottiert jetzt die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Warum? Vermutlich, weil Rußland es wagt, anders zu sein als Deutschland. Weil die ganze Welt so werden soll wie Westeuropa und Nordamerika – mit sinkenden Geburtenraten, mit sozialer Atomisierung, mit Dekadenz und Verblödung, mit religiöser Taubstummheit, mit ultrasozialistischem Regelungswahn und sinnlos explodierendem Konsum auf Pump.

Genau! Besser als im Westen ist es in Russland allemal. Da gibt es noch richtige Familien. Pressefreiheit. Kluge Leute. Religion. Freie Wirtschaft. Sparsamkeit. Und vor allem: keine Homos!

Rußland schließt eine lächerliche Gesetzeslücke im Kampf gegen jugendgefährdende Pornographie entsprechend den auch im Westen üblichen Altersgrenzen und verhindert neben der heterosexuellen auch die homosexuelle Pornographie für bestimmte Altersgruppen zu bestimmten Tageszeiten.

Das ist in der tat eine interessante Umschreibung für das in Kraft getretene russische Gesetz, das es verbietet, im Beisein von Minderjährigen „Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ zu machen, was de facto einem Verbot jedweder Diskussion, Rede oder Berichterstattung, die sich nicht negativ auf Homosexualität bezieht, gleichkommt und homosexuelle Menschen damit gleichsam aus der Öffentlichkeit verbannt.

Und was tut der fortschrittliche Westen? Er schreit auf gegen »Homophobie«

Mit Recht!

und beschimpft »Zar Putin«, der sich nicht mit dem zum »Wandel« umgelogenen demographischen Niedergang abfinden will, als den finstersten Reaktionär aller Zeiten.

Heterosexuelle zu mehr Kindern zu animieren, indem man Homosexualität aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt, könnte man durchaus als Lösungsweg in Betracht ziehen – zumindest dann, wenn einem jedwede Empathie, jedwede Moral, jedweder Anstand abhanden gekommen ist. Man kann nur immer wieder den Kopf schütteln ob des Argumentes, Schwule und Lesben seien verantwortlich für den demographischen Niedergang, wenn es doch die 90 bis 95 Prozent Heteros sind, die es vermehrt versäumen, an fruchtbaren Tagen in die Vagina zu ejakulieren – bzw. dies zuzulassen.

Der Westen kann nicht einmal zwischen Homosexualität und Homosexuellen unterscheiden, zwanghaft muß er aber die zartesten Bedenken gegen die Sache selbst in einen Angriff auf die von ihr betroffenen Personen umdeuten.

Erinnert das nicht irgendwie an das absurde Doktrin der Katholischen Kirche, die zwar den Homosexuellen, aber nicht die Homosexualität liebt?

Butter bei die Fische: Wer „Bedenken“ gegen Homosexualität äußert, der äußerst Bedenken gegen Homosexuelle; der äußerst „Bedenken“ gegen Menschen, die homosexuell empfinden, homosexuell lieben und homosexuell Sex haben. Der degradiert unser Leben, der zieht unsere Gefühle in den Schmutz, und der verweigert uns unsere Würde als Menschen.

So einfach ist das !

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7 Antworten to “Dann geh doch nach Russland!”

  1. gnaddrig 16. Januar 2014 um 10:42 #

    Heterosexuelle zu mehr Kindern zu animieren, indem man Homosexualität aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt, könnte man durchaus als Lösungsweg in Betracht ziehen

    Nicht mal das, ganz abgesehen von Ethik, Moral und Empathie. Ich sehe jedenfalls nicht, wieso ich mehr Kinder kriegen (wollen) sollte, wenn in der Öffentlichkeit weniger Schwule zu sehen sind.

    Wer “Bedenken” gegen Homosexualität äußert, der äußerst Bedenken gegen Homosexuelle

    Und sogar, wenn man das trennen könnte – Homosexualität für schlecht halten, Homosexuelle aber achten und respektieren und eben nicht diskriminieren – hat das mit der Rechtslage in Russland nichts zu tun. Das Gesetz trifft nämlich tatsächlich direkt Homosexuelle. Und da, neben den Aktivisten, die wissen, worauf sie sich einlassen, vor allem Heranwachsende, die in der sowieso schon schwierigen Pubertät mit der Komplikation zu kämpfen haben, dass sie zu einer allgemein geächteten Minderheit gehören.

    Für die gibt es nirgendwo Ansprechpartner, die ihnen mit Aufklärung und allgemeiner Unterstützung zur Seite stehen können, ohne sich dabei strafbar zu machen. Das Gesetz „Über den Schutz der Kinder vor Informationen, die ihrer Gesundheit und Entwicklung schaden“ zieht gerade diesen Kindern und Jugendlichen den Boden unter den Füßen weg und wird sicher zu einem weiteren Ansteigen sowohl der allgemeinen Schwulenfeindlichkeit als auch der Selbsttötungsrate unter schwulen Jugendlichen führen.

    Es ist schlicht eine Schande, dass aufgeklärte und zivilisierte Menschen so etwas gutheißen. Dulden wäre schon schlimm, aber Gutheißen ist schandbar.

  2. Adrian 16. Januar 2014 um 10:48 #

    @ gnaddrig
    „Ich sehe jedenfalls nicht, wieso ich mehr Kinder kriegen (wollen) sollte, wenn in der Öffentlichkeit weniger Schwule zu sehen sind.“

    Aber Homos könnten dadurch gezwungen werden, heterosexuell zu leben und sich fortzupflanzen. Macht netto mehr Kinder – vielleicht.

    „Es ist schlicht eine Schande, dass aufgeklärte und zivilisierte Menschen so etwas gutheißen.“

    Wer sagt denn, dass der Autor obig zitierten Beitrages aufgeklärt und zivilisiert ist?

  3. martin 16. Januar 2014 um 10:52 #

    Das wusste ich gar nicht, dass Russland ehedem ein Paradies für homosexuelle Pornographie war. Das ist mir ganz entgangen. Schade.

  4. martin 16. Januar 2014 um 11:05 #

    Übrigens halte ich den Autor dieser Zeilen (und ich meine nicht Adrian 🙂 ) immer noch für einen psychologisch sehr interessanten Fall. Aber das gilt natürlich nur in Bezug auf mein persönliches Projekt, den Punkt zu entdecken, an dem die gute alte Kulturkritik in apologetischen Wahnwitz umschlägt. Bei diesem Herrn kann man das sehr gut nachvollziehen. Wie man sich dabei aber selbst noch intellektuell redlich vorkommen kann, wird mir ewig unklar bleiben. Ausgerechnet (dieses) Russland zu verteidigen!

  5. gnaddrig 16. Januar 2014 um 11:37 #

    @ Adrian: Aber Homos könnten dadurch gezwungen werden, heterosexuell zu leben und sich fortzupflanzen. Macht netto mehr Kinder – vielleicht.

    Hmja, vielleicht. Kinder können die natürlich aber auch ohne heterosexuelle Fassade zeugen, egal ob direkt oder mit, sagen wir, technischem Zwischenschritt. Vielleicht zusammen mit Lesben, die damit auch aus dem Schneider wären (obwohl sich an denen fast niemand zu stören scheint; obwohl, „man weiß“ ja, dass die es nur mal ordentlich von nem richtigen Kerl besorgt kriegen müssen, damit die wieder richtig ticken).

    Ansonsten gilt natürlich: Mehr Kinder bedeutet auch mehr Homosexuelle. Und gerade das wollen die ja nicht…

    Wer sagt denn, dass der Autor obig zitierten Beitrages aufgeklärt und zivilisiert ist?

    Nunja, formal ist er das sicher, was andererseits natürlich nicht viel heißen muss. Und ansonsten gibt es erschreckend viele gutbürgerliche, ansonsten anständig rüberkommende Leute, die Petitionen von Nagolder Realschullehrern zeichnen (und nicht alle haben so reflektierte Begründungen wie der eine Blogger, dessen Artikel ich nicht mehr finde) und an der russischen Rechtslage nichts Anstößiges finden.

    @ martin: Doch doch, das nahm überhand, überall schwule Propaganda, an jeder Ecke haben die Schwulen gevögelt, das Fernsehen hat nicht anderes mehr gesendet. Schulkinder waren im ganzen Land verunsichert, ob sie überhaupt noch heterosexuell sein dürfen. Da musste was unternommen werden. Die armen Kinder!!!

  6. martin 16. Januar 2014 um 15:02 #

    @ gnaddrig: Na toll! Wieso erfährt man sowas immer erst, wenn es schon zu spät ist?

  7. gnaddrig 16. Januar 2014 um 22:00 #

    @ martin: Muss so eine Art Geheimpropaganda gewesen sein wie so manches, was konservative Law-and-Order-Leute angeborener Rechthabe so wahrnehmen.

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