Von Mäusen und Menschen

23 Jan

Kinder brauchen Väter

titelt Deutschlands evangelikales Frontmagazin. Konkret heißt es:

Väter sind für die Entwicklung von Kindern wichtig. Wenn Jungen und Mädchen ohne Vater aufwachsen, erhöht sich das Risiko von Hirnschädigungen und Verhaltensstörungen. Das haben Forscher am Gesundheitszentrum der kanadischen McGill-Universität (Montreal) in wissenschaftlichen Experimenten herausgefunden. Danach erhöhen sich bei vaterlos heranwachsenden Kindern mehrere Risikofaktoren, darunter die Anfälligkeit für Drogensucht. Außerdem zeigen sie Verhaltensauffälligkeiten wie erhöhte Aggressivität.

Überzeugend? Wie man’s nimmt. Tatsächlich haben die Forscher nämlich keineswegs mit Menschen experimentiert:

Um Umwelteinflüsse weitgehend auszuschließen, experimentierten die Forscher um die Neurologin Gabriella Gobbi mit der sogenannten Kalifornischen Weißfußmaus.

Wieso gerade die?

Diese Art lebt im Unterschied zu anderen Mäusen monogam.

Neulich habe ich gelesen, diese Maus sei das einzige monogame Lebewesen in Kalifornien. Wenn das kein Grund für einen Preis von ideaSpektrum ist: Die mutigste Maus von Kalifornien! Wo man doch heutzutage dauernd diskriminiert wird, wenn man heterosexuell ist und monogam lebt.

Die Paare ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Dadurch seien die Forschungsergebnisse auch für Menschen relevant, so Gobbi.

Könnte mir das jemand erklären?

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9 Antworten to “Von Mäusen und Menschen”

  1. Adrian 23. Januar 2014 um 11:02 #

    Haben die jetzt echt rausgefunden, dass Kalifornische Weißfußmauskinder ohne Väter eher drogensüchtig werden? Was ist denn so die beliebteste Partydroge unter Weißfußmausjugendlichen?

  2. Yadgar 23. Januar 2014 um 11:14 #

    Und, vor allem, züchtigen Kalifornische Weißfußmausväter ihre Kinder auch biblisch korrekt mit der Rrrrrrrute?

  3. m 23. Januar 2014 um 11:37 #

    Ich bin ohne Vater aufgewachsen, habe einen starken Hang zu Suchtverhalten, meine Aggressionen tatsächlich streckenweise nicht unter Kontrolle und eine erfolglose Verhaltenstherapie hinter mir. Kausal? Ich weiß es nicht. Meiner Schwester aber geht es ähnlich.

    • Damien 23. Januar 2014 um 13:59 #

      Vielleicht mal mit einer anderen Therapiemethode versuchen 🙂

  4. marenleinchen 23. Januar 2014 um 16:34 #

    *Was ist denn so die beliebteste Partydroge unter Weißfußmausjugendlichen?*

    Ich schätze mal Mutterkorn 😀

  5. Kai V 24. Januar 2014 um 06:05 #

    „Die Paare ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Dadurch seien die Forschungsergebnisse auch für Menschen relevant, so Gobbi.

    Könnte mir das jemand erklären?“

    Das bedeutet, das Papamaus und Mamamaus auch nach der Geburt bei Babymaus bleiben und dieses versorgen. Da Dr. Gobbi, übrigens Neurobiologe, denkt, dass eine Beziehung der Mäuse zum Menschen besteht (also denke ich Trigger sind bei Mäusen und Menschen gleich), glaubt sie die Forschungsergebnisse sind auch für Menschenkinder relevant. Ähnlich wird das auch mit anderen Experimenten in der Verhaltensbiologie gemacht.

    Bei Mäusen, die ja nun eine kürze Dauer haben, bis diese Erwachsen werden, kann man diverse andere Versuchsstellungen betreiben, die man bei Menschen nicht machen kann. Z. B. absolute Isolation von anderen männlichen Mäusen. Deshalb hier Mäuse, Stichwort Umwelteinflüsse…

    Ehe das jetzt hier ausartet in eine Mäusedrogenpartie,
    Kinder die ohne Vater oder Mutter aufwachsen haben ein erhöhtes Risiko, hierzu gibt es auch diverse Studien mit Menschen.

    http://www.deutschlandfunk.de/abwesende-vaeter-koennen-jungen-schaden.680.de.html?dram:article_id=259581

    Nicht getestet wurde, zumindest steht dazu nichts im Artikel, ob und wie ein fehlender Elternteil ausgeglichen werden kann. Nicht getestet wurde, was wichtiger ist für ein Kind, Vater und Mutter oder Liebe, etc. etc. etc.

  6. m 25. Januar 2014 um 16:43 #

    @ Damien: Ja das könnte man machen. Die erste hat mich allerdings mehrere tausend Euro gekostet. Als Selbstzahler (private zahlen das nicht) überlegt man sich das aber eher zwei Mal.

    • Damien 26. Januar 2014 um 13:03 #

      @m: Das ist verständlich. Ich dachte, man kann das bei den Privaten auch mit versichern?

  7. Andreas 26. Januar 2014 um 20:31 #

    Nochmal auf deutsch:

    Die Vaterlosigkeit korreliert schon merklich mit späteren Problemen im Leben. Aber mit einem Vater in der Familie aufzuwachsen, muss nicht die Monogamie der Eltern bedeuten.

    Es gibt keine monogamen Primaten. Auch unsere Nächstverwandten am Leibe und im Geiste sind alle polygam.

    Die Lösung – wir sind hier *hüstel* wieder einmal in der heterosexuellen Lebenswelt: Das Konkubinat, wenn der Vater reich ist, das Puff, wenn er arm ist.

    Amen.

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