Zweifel und Hoffnung

26 Jan

Brian Kinney, der sexhungrige schwule Lebemann, Macho und Kapitalist, aus der kanadisch-amerikanische Serie „Queer as Folk“ hat einen denkwürdigen Satz geprägt:

„There’s only two kinds of straight people in this world: The ones that hate you to your face… and the ones that hate you behind your back.“

Der Satz ist prägnant, knackig, bedenkenswert – sonderlich ernst genommen habe ich ihn aber nie. Denn es gibt ganz sicher genügend heterosexuelle Menschen, die Homos nicht hassen, weder offen ins Gesicht, noch hinter deren Rücken. Die Diskussionen um den Bildungsplan in Baden-Württemberg lassen mich allerdings nachdenklich werden. Ist an dem Satz vielleicht mehr dran, als man bereit ist zuzugeben?

Sicher, es gibt einige wenige konstruktive Kritiken am Bildungsplan – so etwa hier -, letztendlich kann man diese aber an einer Hand abzählen. Ein Großteil der Gegner lassen dagegen jedwedes Schamgefühl vermissen. Es ist, als sprächen sie über Aliens, über Wesen aus einer fremden Welt, über Monster – nicht aber über Menschen.

Verletzender Spott, Häme und zuweilen offener Hass kennzeichnen Kommentare, wie sie etwa Akif Pirinçci mit einem vermutlich als witzig gemeinten Beitrag anzieht. Selbstreden würden diese Leute weit von sich weisen, homophob zu sein. Aber was sind sie dann?

Klar, wir alle machen ab und an Witze, und Sexualität bietet sich als Aufhänger für Humor geradezu an. Aber das ist kein Humor mehr. Das ist Dreck, der sich nur mühsam als Ironie und Satire tarnt. Meine Uroma hätte gesagt, Menschen mit solchen Ansichten seien „nichtswürdig“. Und sie hätte mit dieser Einschätzung den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ganz ehrlich: Ich verstehe diese Art von Heteros nicht. Wir Homos müssen uns Tag für Tag mit Heterosexualität auseinandersetzen, auf der Straße, in den Medien, im Kino, im Fernsehen; kein Aspekt dieser Welt bleibt uns verborgen, ob wir es nun wollen, oder nicht. Und soll ich Euch etwas sagen? Im Grunde genommen macht mir das nichts aus! Klar nervt Ihr manchmal, mit Euren ewigen Sexismusdiskussionen, Euren komplizierten Flirtritualen, Eurer Selbstverständlichkeit, die eigene Sexualität in aller Öffentlichkeit zu leben, während Ihr uns selbiges vorwerft und uns allzuoft den Hinweis gebt, unsere Sexualität doch bitte nur im Privaten zu leben – kurzum, es nervt Eure Doppelmoral, mit der ihr Euer und unser Leben betrachtet.

Brian Kinney hat selbstredend nicht Recht! Und dennoch gibt es Tage, da fehlt einem der Glauben an die heterosexuelle Welt. Es gibt Tage, da zweifelt man ernsthaft, ob es so etwas wie Akzeptanz für uns Homos jemals geben wird.

Ich bin sicher, dass wir Homos Euch manchmal tierisch auf den Sack gehen. Doch eines ist klar: Mit Euch geht es uns genau so! Doch deshalb mag ich Euch nicht weniger. Das ist Euer Leben! Das ist das Leben meiner heterosexuellen Familienangehörigen, Freunde, Bekannten, Kollegen, Mitmenschen. Ihr lebt, Ihr liebt, Ihr habt Sex, oder wollt ihn haben. Genau wie wir. Und wenn wir in unserer Kindheit die tausendfach überwältigendere „Indoktrinierung“ mit Heterosexuelität überlebt haben, dann werden Ihr und Eure Kinder umgekehrt auch die homosexuelle „Indoktrinierung“ überleben.

Ganz sicher!

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3 Antworten to “Zweifel und Hoffnung”

  1. subcomandante marcus 26. Januar 2014 um 01:34 #

    sei dir gewiss: ich hasse euch garantiert nicht, aber ich hasse homophobe macho-klemmschwuchteln die den ganzen tag über nix anderes reden als „arschficken, der bläst dem chef einen, der hält seinen arsch hin, hier wirse nur gefickt, was ist das hier für ein schwules teil, etc.“ wahrscheinlich sogar noch mehr als ihr, weil der kontakt zu solchen menschen häufiger ist als mir lieb ist.
    und ich find die nicht sympathischer weil die ihre schwulenfeindlichkeit offen zugeben, ich find die einfach nur zum kotzen. wie kann man von sowas derart besessen sein dass man von nix anderem redet, aber gleichzeitig damit dermassen den hetero-macker raushängen wollen?
    eben.
    die haben ein tiefes sexuelles identitätsproblem, aber unser mitleid nicht verdient.
    niemand hat denen verboten ihr gehirn zu benutzen.

  2. Graublau 27. Januar 2014 um 19:16 #

    „Es gibt Tage, da zweifelt man ernsthaft, ob es so etwas wie Akzeptanz für uns Homos jemals geben wird.“

    Dann lass Dich mal virtuell in den Arm nehmen und Dir kräftig auf die Schulter klopfen. Adrian, Du machst eine ganz wichtige Sache mit Deinen Artikeln hier und Deinen Kommentaren anderswo. Sollten wir uns zufällig mal im echten Leben über den Weg laufen, wäre es mir eine große Ehre, Dich zu einem Bier einladen zu dürfen.

    „Ich bin sicher, dass wir Homos Euch manchmal tierisch auf den Sack gehen. Doch eines ist klar: Mit Euch geht es uns genau so! Doch deshalb mag ich Euch nicht weniger.“

    Das sind so die Dinge (neben dem kritischen Diskurs), die Dich so unheimlich sympathisch machen.

    Was die Homophobie angeht: Es ist wirklich schlimm. Das einzig Positive, was mir dazu einfällt: Solche Reaktionen kommen von Leuten, die merken, dass sie verloren haben, dass ihre Einstellung überholt ist, dass sie aus der Zeit gefallen sind.

    In diesem Monat war ein großer Tag für Deutschland. Das meine ich genauso: Für ganz Deutschland.

    • Adrian 27. Januar 2014 um 21:42 #

      @ Graublau

      Ich danke Dir für die freundlichen Worte.

      Am liebsten mag ich übrigens Hefeweizen 😉

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