Berliner Sexismen

20 Feb

Überall da, wo Grüne die Mehrheit stellen, geht es früher oder später mit der Freiheit bergab. So auch im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg:

An diesem Donnerstag diskutiert jedenfalls der Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Queer von Friedrichshain-Kreuzberg über den Plan des Bezirksparlaments, sexistische, frauenfeindliche und diskriminierende Werbung von bezirkseigenen Werbeflächen zu verbannen.

Zunächst einmal: Wieso gibt es einen Ausschuss in dem Frauen und „Queer“ erwähnt werden, aber keine Männer? Wie kann das sein, wenn Männer doch knapp die Hälfte der Bevölkerung stellen und einen Großteil des Steueraufkommens generieren, von dem die Politiker, also auch die Mitglieder des Bezirksparlamentes, finanziert werden? Ist das nicht schon ein Ausdruck von Sexismus, den der Ausschuss vorgeblich bekämpfen will? Und wieso soll eigentlich speziell „frauenfeindliche Werbung“ verbannt werden? Und was ist „frauenfeindliche Werbung“ überhaupt?

Zu Gast sind auch Vertreter des „Amts für Werbefreiheit und gutes Leben“, einer Initiative, die aus 40 Konsumkritikern besteht, und der Initiative „Pinkstinks“, eines Vereins, der gegen Werbeinhalte ist, die Mädchen auf eine bestimmte Geschlechterrolle reduzieren.

Kann mir mal einer erklären, was Konsumkritiker sind? Menschen die den Konsum anderer Leute kritisch sehen? Oder die selbst nicht konsumieren? Und wenn, dann nur kritisch?

Und darf ich mir das so vorstellen, dass in dem Ausschuss tatsächlich diskutiert wird, nur noch Werbung zuzulassen, die Mädchen auf eine bestimmte, politisch genehme, Geschlechterrolle „reduzieren“?

In Zukunft soll das Bezirksamt Pächter verpflichten, „Werbung zurückzuweisen, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder Identität herabwürdigt“.

Geht es nach dem Willen des Ausschusses wird es in Friedrichshain-Kreuzberg also bald einen steuerfinanzierten Rat gütiger und weiser Menschen geben, die jedwede Werbung auf den korrekten Klassenstandpunkt Geschlechterstandpunkt überprüfen. Dieser Rat also, und nicht mehr die Verbraucher und Konsumenten (letztere muss man sowieso „kritisch“ betrachten), sollen also künftig darüber entscheiden, ob Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung, dem Geschmack der Bevölkerung bzw. der Zielgruppe entsprechen.

Susanne Hellmuth, die Vorsitzende des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Queer der BVV Friedrichshain-Kreuzberg, sieht in dem Vorstoß dagegen eine Chance: „Ich hoffe, dass Menschen, die sich Werbung ausdenken, durch die Debatte ins Nachdenken kommen.“ Einer ihrer Vorschläge: „Vielleicht lässt sich die Geschlechterrolle in der Werbung auch mal umdrehen – natürlich ohne zu diskriminieren.“

Richtig, Frau Hellmuth! Denn wenn Menschen, die sich Werbung ausdenken, etwas viel zu wenig tun, dann ist es nachdenken! Das brauchen die in ihrem Job nun wirklich nicht! Wozu auch, immer müssen diese doch lediglich Produkte und Dienstleistungen einer bestimmte Zielgrupe schmackhaft machen, immer mit dem Risiko, dass die Werbung nicht ankommt, und das Beworbene zum Ladenhüter wird. Nachdenken braucht man da nun wirklich nicht!

In einem Punkt stimme ich den Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Queer allerdings zu. Werbung ist oftmals sexistisch. So gibt es etwa weitaus mehr Werbung mit halbnackten Frauen als mit halbnackten Männern. Was ich persönlich als diskriminierend meiner sexuellen Orientierung gegenüber empfinde. Vielleicht könnten Menschen, die sich Werbung ausdenken, ausnahmsweise mal darüber nachdenken…

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3 Antworten to “Berliner Sexismen”

  1. Blacky 20. Februar 2014 um 14:32 #

    „Vielleicht lässt sich die Geschlechterrolle in der Werbung auch mal umdrehen – natürlich ohne zu diskriminieren.“
    Aber Frau Hellmuth, Männer KÖNNEN doch garnicht diskriminiert werden, wegen gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen blahfasel.
    Wieder mal nicht aufgepasst bei feminism 101?

  2. Graublau 22. Februar 2014 um 17:35 #

    Zunächst einmal zwei sinnvolle Quellen für die Debatte (die etwa Stefan Niggemeier erwähnt hatte):

    1. Der Antrag an sich

    2. Der Ethik-Kodex des Österreichischen Werberats, welcher inspiriert hat

    Der neue Artikel im Tagesspiegel erwähnt, was man auch im Antrag (bzw. der Begründung) finden kann: Natürlich geht es darum, Werbung insgesamt zu verbieten. Einzig die klammen öffentlichen Kassen verhindern, dass Werbung ganz verschwindet.

    Spannender finde ich jedoch einen anderen Teil im Artikel:
    „Gegenstand der Diskussion sind zunächst nur die vier bezirkseigenen Werbeflächen, die von der Firma Ströer betrieben werden. Sie stehen in Friedrichshain, an der Frankfurter, Stralauer und Landsberger Allee sowie an der Straße der Pariser Kommunen. Derzeit wechseln sich laut Betreiber hier die Werbung für Ford, Audi, Vox und Mc Donalds sowie ein Hinweis auf die Potsdamer Platz Arcaden ab.“

    Das wäre ein hervorragendes Thema für Bürgerjournalismus: Einfach mal hinfahren, die vier Werbeflächen fotografieren, Bilder im Blog veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Denn bisher war es doch arg theoretisch – und mit vier geknippsten Werbeflächen könnte es doch endlich konkret werden. Vor allem könnte man die Bezirksversammlung fragen: Ist diese Werbung für Ford / Audi / VOX / McDonald’s / Arcaden sexistisch oder widerspricht sie einem anderen Grundsatz, der durch den Antrag verwirklicht werden soll? Dann müssten sich die Leute erklären, warum sie dies und jenes ok finden oder ablehnen.

  3. Graublau 10. März 2014 um 11:08 #

    Ich bin gestern kläglich daran gescheitert, meine eigene Idee in die Tat umzusetzen. Ich bin die Straße der Pariser Kommune abgeschritten. Das Problem: Es gibt sogar drei dieser Plakatwände von der Firma Ströer! Entweder stimmt die Information im Artikel nicht oder nur eine dieser Wände steht auf öffentlichem Grund.

    Damit wäre die Debatte natürlich ziemlich Banane, denn einen von drei Aufstellern zu entfernen, wird nicht viel bringen. Man kann natürlich argumentieren, dass irgendeiner den ersten Schritt machen muss, aber von der ursprünglichen Intention, Werbung aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, bleibt damit praktisch gar nichts mehr übrig außer einer heftigen Diskussion.

    Die Motive waren übrigens: mehrfach Autowerbung (ganz ohne Menschen), irgendetwas mit Berlin (Füße einer Frau) sowie einmal Unterwäsche (Calzedonia; Modell oben ohne, ohne dass ansatzweise etwas von der Brust zu sehen gewesen wäre).

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