Der Kulturkampf ist da

24 Feb

Neuigkeiten zum Bildungsplan in Baden-Württemberg:

[Ministerpräsident Winfried]Kretschmann kündigte Presseberichten zufolge eine Überarbeitung des Bildungsplans an: Formulierungen sollten geändert werden, um „missverständliche Interpretationen“ zu verhindern und Ängsten entgegenzutreten. […]

Ich glaube nicht, dass man einem Großteil der Gegner des Bildungsplanes ihre Ängste nehmen kann. Ich glaube nicht mal, dass ein Großteil der Gegner tatsächlich Angst hat. Ich glaube, dass der Antrieb nicht Angst, sondern simple Aversion ist. Aversion gegen alles, was sich nicht in das Schema der Heterosexualität, nicht in das Schema der binären Geschlechterordnung, pressen lässt.

„Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass da Kulturkämpfe entstehen“, sagte er in der letzten Woche.

Aber diesen Kulturkampf haben wir doch schon längst. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle als selbstverständlichen Teil der Menschheitsfamilie akzeptieren, und nicht einsehen, warum einen diese Eigenschaften zu Menschen zweiter Klasse machen sollten.

Und dann gibt es da halt noch die andere Seite.

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13 Antworten to “Der Kulturkampf ist da”

  1. torwine 24. Februar 2014 um 10:34 #

    Ich habe die Petition gegen den Bildungsplan unterschrieben, weil ich gegen den Aufbau einer ideologischen Infrastruktur bin.
    An den Unis ist der Drops gelutscht, und jetzt kommen die Schulen dran.
    Ich bin überzeugt davon, dass Schwule etc. hier nur als Schutzschild zur Errichtung dieser Infrastruktur dienen.
    Reflexhaft wird einem Gegner der Petition homophobie unterstellt.
    Das nennt man glaub ich eine Immunisierungsstrategie.

    Wieso, so frage ich, wurde nicht generell „Toleranz“, sondern nur Gendertoleranz in den Bildungsplan aufgenommen ????
    Als ob _nur_ Intoleranz gegen sexuelle Orientierungen Leiden verursachen würden.

    Was ich nicht verstehe, ist, wieso sich Menschen, die aus eigener Erfahrung wissen, dass die sexuelle Orientierung keine Wahl ist,
    vom Gendermist vereinnahmen lassen, der genau dieses behauptet.

    An anderer Stelle schrieb ich dies :
    Ideologischer Trick # 33 : Schutzschild

    Behaupte, die Interessen einer diskriminierten Minderheit zu vertreten.
    Legitimiere damit die Schaffung von vielfältigen Institutionen und Einflussmöglichkeiten die Deiner Obhut unterstehen.
    Bei Kritik an der Implementierung dieser Machtstrukturen, behaupte einfach, diese Kritik wäre gegen die Minderheit gerichtet.

    Voraussetzung : Die Diskriminierung der Minderheit muss gesellschaftlich breit abgelehnt werden.
    Denn wenn die Diskriminierung der Minderheit in der Gesellschaft verbreitet und akzeptiert wäre,
    dann fände sich kein Streiter gegen die behauptete ‚Diskriminierung‘.

    Beispiel : Wenn Deutschland breit homophob _wäre_, dann wäre der Homophobievorwurf wirkungslos.

    • Adrian 24. Februar 2014 um 10:41 #

      @ torwine
      „Was ich nicht verstehe, ist, wieso sich Menschen, die aus eigener Erfahrung wissen, dass die sexuelle Orientierung keine Wahl ist,
      vom Gendermist vereinnahmen lassen, der genau dieses behauptet.“

      Ich habe keine Ahnung, ob der „Gendermist“ das behauptet. Allerdings ist es m.E. auch nicht relevant, ob Homosexualität, oder Sexualität überhaupt, eine Wahl ist, oder nicht.

      Ich behaupte nämlich, dass jeder Mensch das Recht hat, mit jedem anderen Menschen in gegenseitigen Einvernehmen zu verkehren.

      Was wäre so schlimm daran, wenn man seine sexuelle Orientierung, oder sein Geschlecht, wählen könnte?

  2. tom174 24. Februar 2014 um 11:05 #

    Ich glaube nicht, dass man einem Großteil der Gegner des Bildungsplanes ihre Ängste nehmen kann. Ich glaube nicht mal, dass ein Großteil der Gegner tatsächlich Angst hat. Ich glaube, dass der Antrieb nicht Angst, sondern simple Aversion ist. Aversion gegen alles, was sich nicht in das Schema der Heterosexualität, nicht in das Schema der binären Geschlechterordnung, pressen lässt.
    Hm. Nichteinmal das glaube ich. Der Großteil wird schlicht eine Aversion dagegen haben, dass Sexualität ganz generell größer in der in der Schule behandelt wird. Sexualität schon in der Grundschule? Ein Alptraum für den schwäbischen Hausmann. Dann steht die Bildungspolitik in BW generell in der Kritik. Grün-Rot hier ist ein Stuttgart21/Fukushima Artefakt. Alles was da kommt wird sehr kritisch beäugt. Ich sag es gerne nochmal: Toleranz ist einer der Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Das zum Thema in der Schule zu machen, absolut notwendig. Toleranz aber nur gegenüber sexuellen Minderheiten so sehr in den Vordergrund zu stellen.. das ist im besten Falle ungeschickt. Schaut man sich das Arbeitspapier an, pickt sich da einzelne Teile raus, nimmt den GEW Entwurft und tut das gleiche… natürlich lassen sich da (gerade konservative) Menschen gegen mobilisieren.

  3. torwine 24. Februar 2014 um 11:06 #

    @Adrian
    Gender heißt doch, dass alles, was mit dem Geschlecht zusammenhängt, soziale Konstruktionen sind. Also variabel, veränderbar.
    Damit werden doch Veränderungsversuche erst möglich.
    Genau mit diesem Ansatz wurden doch schon schlimme Sachen angestellt.

    Wenn ich dagegen sage, dass meine Orientierung gegeben ist, dann impliziert das, dass man meine Orientierung gefälligst so zu nehmen hat, wie sie nun mal ist.
    Da gibt’s nix zu kritisieren, genausowenig, wie an meiner Augenfarbe.

    > Ich behaupte nämlich, dass jeder Mensch das Recht hat, mit jedem anderen Menschen in gegenseitigen Einvernehmen zu verkehren.

    Sehe ich genau so.

    • Adrian 24. Februar 2014 um 11:22 #

      @ torwine
      „Gender heißt doch, dass alles, was mit dem Geschlecht zusammenhängt, soziale Konstruktionen sind.“

      Nein, Gender bezeichnet
      „die soziale, gesellschaftlich konstruierte […] oder psychologische Seite des Geschlechts einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. sex)“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Gender

      „Damit werden doch Veränderungsversuche erst möglich.“

      Nein, Veränderungsversuche werden in dem Moment möglich, indem eine bestimmte sexuelle Orientierung als defizitär betrachtet wird.

      „Wenn ich dagegen sage, dass meine Orientierung gegeben ist, dann impliziert das, dass man meine Orientierung gefälligst so zu nehmen hat, wie sie nun mal ist.“

      Und wenn ich sage, dass es andere Menschen einen feuchten Kehricht anzugehen hat, mit wem ich ins Bett gehe und in wen ich mich verliebe, impliziert das, dass man mich gefälligst so zu nehmen hat, wie ich mich nun mal bin.

      „Da gibt’s nix zu kritisieren, genausowenig, wie an meiner Augenfarbe.“

      Augenfarbe und sexuelle Orientierung sind nicht das Gleiche. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die sexuelle Orientierung von Geburt an feststeht, heißt das nicht, dass man seine sexuellen Orientierung leben muss. Soll heißen: Nur weil man als Mann/Frau auf Männer/Frauen steht, folgt daraus nicht, mit einem Mann/einer Frau ins Bett gehen, oder mit diesem/dieser zusammen leben zu müssen. Insofern ist Homosexualität – und mit ihr jede Sexualität – selbstverständlich auch eine Frage der Wahl und der Entscheidung.

      Ob Homosexualität moralisch ist, ist demnach völlig unabhängig von der Frage zu betrachten, ob man mit dieser geboren wird, oder sich „aussucht“

  4. Ralf 24. Februar 2014 um 11:15 #

    Bislang ist mir nicht aufgefallen, dass der Bildungsplan davon ausginge, sexuelle Ausrichtung sei frei wählbar.

    Wenn nicht generell von Toleranz die Rede ist (Akzeptanz wäre freilich besser), sondern scheinbar Schwule und Lesben allein angesprochen werden, dann liegt das schlicht daran, dass Stängle & Konsorten niemals einen solchen Affenzirkus veranstalten würden gegen die Akzeptanz von Juden, Sinti, Schwarzen usw. Das würden sie nicht wagen, und die meisten von ihnen hegen wohl auch keinen Hass gegen diese anderen Gruppen, sondern fokussieren ihre Ablehnung der Grundrechte allein auf Schwule und Lesben. Ihr Aufstand der hirnvernagelten Menschenfeindlichkeit beweist, wie notwendig die von ihnen angegriffenen Passagen des Bildungsplans sind und dass sie unbedingt durchgesetzt werden müssen.

    Kritik am Rande an Herrn Kretschmann: Ginge er in gleicher Weise auf Antisemiten oder Rassisten zu, um deren „Ängsten“ Rechnung zu tragen? Vermutlich nicht.

    Nebenbei: Die Idee der GEW mit ihrem satirischen Fragebogen ist geradezu genial. So lässt sich jungen Menschen am besten die Anmaßung und Voreingenommenheit darlegen, mit der Schwulen und Lesben gegenübergetreten wird. Das haben die Homohasser sofort erkannt. Nicht umsonst laufen sie auch dagegen Amok.

  5. Ralf 24. Februar 2014 um 15:00 #

    @Adrian

    Von Wahl und Entscheidung lässt sich nur sehr eingeschränkt sprechen. Mag sein, dass Du das so offen empfindest, mir geht es anders. Der Anblick des unbekleideten weiblichen Körpers löst bei mir erektile Dysfunktion aus. Zum Sex mit einem Mann gibt es also für mich keine Alternative, es sei denn den Zölibat. Und ich habe auch nicht den Wunsch, das möge anders sein. Davon abgesehen, meine ich, wir sollten gar nicht auf diesen abgewetzten Nebenschauplatz ausweichen, und moralisch ist jede Sexualität nur dann zu bewerten, wenn sie dazu dient, Menschen zu schaden oder sie auszunutzen. Hier geht es aber um was ganz Anderes: darum, dass Kinder und Jugendliche es als selbstverständlich annehmen sollen, dass Männer schwul und Frauen lesbisch sein können, ohne das moralisch zu bewerten. Vielmehr ist Homofeindlichkeit als unmoralisch zu erkennen,wie jede Art gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

  6. torwine 24. Februar 2014 um 20:53 #

    @Ralf
    Deinen Text kann ich unterschreiben, davon abgesehen dass ich hetero bin.
    Und abgesehen davon, dass er, wie der Bildungsplan, _nur_ von sexueller Toleranz redet.
    Was ist mit Dicken, Behinderten, Anderskulturellen, Andersreligiösen, Andersintelligenten, Andersgebildeten, Anderswohlhabenden, usw usw … ?
    Genau das nervt mich an der Petition und macht sie für mich verdächtig.
    Wieso ist die eine Toleranz wichtiger als andere ?
    Wäre es nicht _viel_ wichtiger, den Kindern generell Toleranz nahe zu bringen ?
    Und zwar _allen_ Menschen gegenüber, egal, worin sie sich von einem unterscheiden ?
    Oder will man das gar nicht ?
    Ich frag ja nur.

  7. Adrian 25. Februar 2014 um 01:05 #

    @ Ralf
    „Zum Sex mit einem Mann gibt es also für mich keine Alternative, es sei denn den Zölibat.“

    Nun, aber das ist doch eine Wahl, oder nicht? Jede gelebte Sexualität ist, streng genommen, das ergebnis eines Entscheidungsprozesses: „Lebe ich es aus, oder nicht.“

    „Davon abgesehen, meine ich, wir sollten gar nicht auf diesen abgewetzten Nebenschauplatz ausweichen, und moralisch ist jede Sexualität nur dann zu bewerten, wenn sie dazu dient, Menschen zu schaden oder sie auszunutzen.“

    Da bin ich durchaus mit Dir einer Meinung, nur dann sollte man endlich mit dem „Argument“ aufhören, dass Homosexualität angeboren sei. Denn das bringt einen nicht weiter. Statt dessen sollte man endlich in die Offensive gehen und die moralische Unbedenklichkeit der Homosexualität betonen. Homophobe reklamieren für sich Moral. Die haben sie aber nicht. Das herauszustreichen, darauf kommt es an.

  8. Wolfgang Brosche 25. Februar 2014 um 01:08 #

    @torwine

    Es ist schon erschreckend, daß die Leute, die sich noch nie mit den Ideen der Genderforschung beschäftigt haben, am lautesten dagegen schreien….
    Aber die haben meistens auch eine Lese- und Rezeptionsschwäche. Sie nehmen immer sehr dankbar die Hetzparolen gewisser Herrschaften und Religionen auf, die ihre abstrusen Vorstellungen über das Leben der Menschen auf ewig festschreiben.
    Nee, Torwine – stecken Sie mal die Nase in ein Buch und nicht mehr Ihre bescheidene Verbalforke in den Hetzkack der Petionsbefürworter!
    Mit Leuten wie Ihnen kann man nicht mehr freundlich sein!
    Glauben Sie etwa, Ihnen würde der P… abgeschnitten, wenn die Kinder, die in den Schulen endlich was über Geschlechterollen und gesellschaftliche Prägung hören, erwachsen geworden sind, weil sie eine Leidenschaft auf Unisex hätten.
    Letztendlich steckt hinter dem Gegreine nur Kastrationsangst… Huch, da liegt er!

  9. torwine 25. Februar 2014 um 22:16 #

    Vielen Dank Herr Brosche für dieses exquisite Beispiel dafür, dass Beleidigung, Abwertung ein universelles menschliches Phänomen ist, wenn Menschen in irgendeiner Weise verschieden sind.

  10. Adrian 26. Februar 2014 um 00:44 #

    @ Wolfgang Brosche

    Ich finde Ihre Art und Weise, Diskussionen zu führen, auch nicht besonders konstruktiv.

  11. torwine 27. Februar 2014 um 00:53 #

    Ich finde den Beitrag von Herrn Brosche wirklich wertvoll.
    Er zeigt genau das, was ich meine.
    Toleranz ist ein umfassendes Thema, und ein superwichtiges Thema.
    Und ich würde sonstwas dafür geben, wenn das Bildungssystem die Schüler in die Lage versetzen würde, eher tolerant gegenüber Andersartigkeiten zu sein.
    Den Genderismus und den Bildungsplan finde ich gerade deshalb so destruktiv, weil er so sehr auf _einen_ einzigen Aspekt fokussiert.
    Als ob’s nur darum ginge, um eine bessere, menschlichere Gesellschaft zu schaffen.

    Warum nicht gleich in einem Aufwasch die Kinder lehren, dass Menschen verschieden sind, und dass das keine Bedrohung ist ?
    Wieso die Kinder nicht generell bestärken, dass sie so ok sind, wie sie sind ?
    Groß, klein, dick, dünn, reich, arm, schwul, hetero, hell, dunkel, alt jung, Mann, Frau, …. whatever
    Ich behaupte : Wer sich sicher und akzeptiert fühlt, der braucht es nicht, andere abzuwerten, um sich selbst ein bisschen aufzuwerten.
    Ich wünschte, die Kinder würden lernen, wie es dazu kommt, dass man sich zu Gruppen zugehörig fühlt, wie es kommt, dass man sich abgrenzt, auf und abwertet, das Ego poliert.
    DAS wäre menschenfreundlich und könnte Leiden auf breiter Front bekämpfen.
    Meiner Meinung nach.

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