Ein neuer Wind?

28 Feb

Hella von Sinnen meint, was das Thema Homosexualität angeht, einen gesellschaftlichen Stimmungsumschwung zu erkennen:

„Ich treffe oft heterosexuelle Menschen, die zwitschern, dass wir Homosexuellen uns nicht beschweren sollten“, berichtete die Wahl-Kölnerin im Gespräch mit „Filmreporter“. „Es ist aber nun mal so, dass wir die Situation ganz anders empfinden. Ich habe den Eindruck, dass es schon mal eine entspanntere Zeit gab und dass es einen Rückwärtssalto gegeben hat.

Ich kann nachempfinden, was die von Sinnen meint, da auch ich das Gefühl habe, dass der Ton in dieser Hinsicht etwas rauher geworden ist. Hitzlspergers Outing und der Streit um den Bildungsplan in Baden-Würtemberg haben meines Erachtens dazu geführt, dass Menschen, die bislang zu dem Thema geschwiegen haben, sich nun bemüßigt fühlten, ihr Unwohlsein angesichts einer als zu viel empfundenen Präsenz Homosexueller zu artikulieren.

Andererseits ist das vielleicht auch gar nicht verwunderlich. Je präsenter Homosexualität wird, umso mehr fühlen sich die vor den Kopf gestoßen, die mit dem Thema nichts anfangen können und Vorurteile oder gar Ressentiments gegen LGBTI hegen. Gleichzeitig nehmen die Möglichkeiten der Meinungsbildung rasant zu: Blogs und soziale Netzwerke, wie Facebook oder Twitter, machen es möglich, an Debatten und Meinungsäußerungen teilzuhaben, von denen man bis vor nicht allzu langer Zeit nicht allzu viel mitbekommen hätte.

Möglicherweise ist der empfundene Stimmungsumschwung aber auch Teil einer größeren gesellschaftlichen Trendwende. So meine ich zu erkennen, dass sich vor allem in den Bereichen Feminismus und Gleichberechtigung der Geschlechter zunehmend neue Stimmen Gehör finden. Als Sympathisant der Männerrechtsbewegung bin ich da sicherlich nicht ganz objektiv, aber es ist meines Erachtens nicht abzustreiten, dass kritische Stimmen zum Feminismus zunehmen und die Belange von Männern prominenter in die Öffentlichkeit drängen.

Auf die Thematik Homosexualität, welches mit Geschlechterfragen und – zumindest im gesellschaftlichen Bewusstsein – dem Thema Feminismus verknüpft ist, wird dies nicht ohne Auswirkungen bleiben.

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7 Antworten to “Ein neuer Wind?”

  1. Ralf 28. Februar 2014 um 11:54 #

    Ich empfinde den uns ins Gesicht blasenden kälteren Wind nicht erst in jüngerer Zeit. Im Gegenteil bemerke ich ihn seit dem Gesetzgebungsverfahren zur Lebenspartnerschaft, also schon gut anderthalb Jahrzehnte. Die Schwulenhasser hatten sich damit abgefunden, dass sie uns nicht mehr einsperren (geschweige denn einer Endlösung zuführen) können und dass auch die Krankheit mit den vier Buchstaben uns nicht den Garaus gemacht hat. Damit hätten sie sich langsam arrangieren gekonnt, wenn wir uns eben damit begnügt hätten. Dass wir aber volle Gleichberechtigung einfordern und diese Forderung auch noch von der Mehrheit der Gesellschaft anerkannt wird, das können sie nicht ertragen. Es ist genau die Situation eingetreten, vor der die Verteidiger des § 175 immer gewarnt hatten. Mit der zunächst Aufweichung und schließlich Abschaffung des Paragraphen brach der Damm, enfiel die rechtliche und gesellschaftliche Ächtung, die verhindert hatte, dass wir nicht als Perverse, Kinderschänder, Verbrecher wahrgenommen wurden, sondern als Normalbürger, denen Gleichbehandlung zusteht. Symbole dafür sind die Ehe und das Adoptionsrecht, wenn auch beide gar nicht von der Mehrheit der Schwulen wahrgenommen werden. Aber Minderheitenpolitik ist immer auch Symbolpolitik, mehr theoretische Möglichkeit als deren tatsächliche Nutzung. Daher die hysterischen Reaktionen auf jedes neue Urteil aus Karlsruhe. Und natürlich sollen jene Nischen erhalten bleiben, in denen Schwule nach wie vor Unpersonen sind. Vornehmlich sind das Fußball und Schulhof. Das erklärt den Kreuzzugseifer, der verhindern will, dass in den Schulen genau der Hass und die Verachtung bekämpft werden, die ewiggestrige Eltern ihren Kindern per Erziehung einimpfen. Diese Leute fürchten nicht zu Unrecht, dass schon die nachfolgende Generation von Schwulenhassern dank schulischer Aufklärung weit weniger stark sein könnte, als sie selbst es noch sind.

  2. Thjum 1. März 2014 um 09:00 #

    Die Homohasser haben nie ganz verwunden, dass sich gesellschaftlich seit den 90ern was geändert hat, aber es war eine Weile nicht opportun, dem Bauchgefühl freien Lauf zu lassen. Homokeile ist der neue Trend. Zur Zeit üben sie noch ein bisschen, die Hemmschwelle weiter zu senken. Alles unter dem Deckmantel Liberalismus, der bei diesen Menschen natürlich einseitig ist. Bis jetzt läuft es ganz gut für sie, auch dank schwul-lesbischem … ja was? Toleranz/Selbsthass/eigener Homophobie/Eselsgeduld (?)

    Die Männerrechtsbewegung wird das Thema Homosexualität in der Debatte in der Tat beeinflussen. Vor allen Dinge der rechte Flügel. Sie hat das bereits getan und meiner Ansicht nach nicht im positiven Sinne. Die meisten sind nämlich nur so lange schwulenfreundlich, wie Schwule keine wirkliche Gleichberechtigung wollen und ihr Schwulsein nicht so „penetrant in den Vordergrund stellen“ – Federboa im Arsch, Kinderheime leeradoptieren, Hund heiraten wollen – man kennt das ja.

    Nach der Rede von Panti Bliss (und vor allen Dingen der Vorgeschichte), bin ich endgültig zu dem Schluss gekommen, dass Homophobie keine Meinung ist, genauso wenig wie Rassismus oder Antisemitismus eine „Meinung“ ist. Diese sogenannte Meinung dient dazu, Ungleichbehandlung zu legitimieren. Wenn selbst deutsche Demokraten sich entzückt über die russische Gesetzgebung zeigen oder sie zumindest bagatellisieren, sollte man diese (Rückwärts)Entwicklung nicht länger zu ignorieren. Homophobe sollte man wieder klar als Homophobe bezeichnen, gerade dann, wenn sie sich den Schafspelz übergezogen haben.

    Zur Männerrechtsbewegung ist noch zu sagen, dass die für Schwulenrechte so viel tun wie Feministinnen für Lesben: Nix.

    Viele Grüße vom anderen Ende des Regenbogens

  3. Peter 5. März 2014 um 09:21 #

    Zur Männerrechtsbewegung ist noch zu sagen, dass die für Schwulenrechte so viel tun wie Feministinnen für Lesben: Nix.

    Das ist richtig, die Männerrechtsbewegung kann sich nicht damit brüsten, irgendwas für Schwule getan zu haben. Sie kann sich auch nicht damit brüsten, irgendwas für Männerrechte getan zu haben. Die MRB ist politisch nahezu bedeutungslos. Ein marginalisiertes Grüppchen. Wenn sie eine gesellschaftliche Funktion erfüllen, dann den als Fussabtreter.
    Fragen wir aber mal andersrum. Haben sich Schwule, die durchaus politische Unterstützung in Teilen der grossen Volksparteien erfahren und deren Lobbyorganisationen als politisch etabliert gelten dürfen, sich jemals gegen Männerbenachteiligungen ausgesprochen, Benachteiligungen, die keinen direkten Bezug zu Homosexualität aufweisen? Mir fällt da nicht viel ein.

    Warum sollten sich Schwule mit der MRB solidarisieren? Einer MRB, die systematisch marginalisiert und diffamiert wird zu einem Zeitpunkt, da sich die Schwulen und ihre Interessenvertreter politisch Gehör verschaffen können? Ich halte ein Solidarisierung von Schwulenlobby und MRB für illusionär. Schwule haben da nichts zu gewinnen.

  4. Thjum 5. März 2014 um 14:45 #

    Die Rolle als Schwuler in dieser Bewegung ist die des dummen August. Was kennzeichnet die MRB denn? Sie versucht aufzurechnen, dass es Männern viel schlechter geht als Frauen und der Feminismus Schuld daran ist. Das war’s. Sie liefert keine gescheiten Antworten auf offensichtliche Missstände, die man nun mal konstatieren muss: eine höhere Gewaltbereitschaft bei Männern.

    Wenn du von Schwulenlobby sprichst, zeigt das schon, wo das Hässchen herhoppelt, denn wer von Männerlobbyismus gilt als lila Pudel, aber die sagenumwobene Schwulenlobby hat natürlich überall ihre schmutzigen Finger im Spiel … und sorgt sich nicht genug um die, mit denen sie aus berechtigten Gründen nicht bedingungslos kuscheln möchte.

    Warum schlagen Männer andere Männer zu Brei? Was ist deine Meinung? Hat der Feminismus das gelehrt? Was sind deine konkreten Diskriminierungserfahrungen als Mann in dieser Gesellschaft? Kein Männerparkplatz?

  5. Peter 6. März 2014 um 11:28 #

    Du hast mich falsch verstanden. Ich erwarte von den politisch organisierten Schwulen bezueglich Maennerrechte rein gar nichts. Meine Erfahrung sagt mir, dass sie sich ausschliesslich fuer ihre spezifischen Problematiken interessieren und sonst gar nichts. Eine MRB, die politisch Einfluss gewinnen wuerde, wuerde wohl bloss als Opferkonkurrenz wahrgenommen. Dein Beitrag geht auch in diese Richtung. Meine persoenlichen Diskriminierungserfahrungen gehen dich nichts an. Danke fuers Gespraech.

  6. Thjum 6. März 2014 um 16:34 #

    Nicht deine Erfahrungen sagen dir das, sondern deine Vorurteile. Das Wort Schwulenlobby spricht Bände.

  7. Peter 7. März 2014 um 07:55 #

    Schwulenlobby spricht Baende. Ja klar. Das Reizwort, und schon weiss er, wer was warum denkt. Vorurteile? Beschaeftige du dich besser mal mit deinen. Aber ich diskutier nicht mit Pawlowschen Huendchen. Jehove, jehova, Schwulenlobby, Schwulenlobby … 🙂

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