Wo sind all die Homos hin?

4 Mrz

Der altmodische Homophobe hat Angst, dass man sein Kinder homosexuell machen könnte. Deshalb will er, dass die Krim zu Russland gehört:

„Wir wollen nicht in dieses Schwulen-Europa. Damit uns nicht diese Homoehe aufgezwungen wird. Ich habe gesehen, dass ein hochrangiger Beamter in der EU in einer Homoehe lebt. Ich will nicht, dass meine Kinder schwul und lesbisch werden“, so ein prorussisch gestimmter Mann in Tarnuniform in Perewalne.

Der moderne Homophobe zeichnet sich dagegen durch folgende Eigenschaften aus: Er hat überhaupt nichts gegen Homos, hat Dutzende homosexuelle Freunde und sieht überall homosexuelle Paare (siehe Kommentare zum verlinkten Artikel):

Mich ärgert es auch, wenn ich z.B. in einem Theaterfoyer bin und alle verhalten sich normal – aber zwei Schwule knutschen vor allen Leuten rum. So was macht – außer diesen Schwulen – niemand. Und täglich kommt dieses Thema im Fernsehen, und die Schwulen schreiben es noch auf ihre T-Shirts.

Wenn ich so etwas lese, frage ich mich beständig: Wo leben solche Leute?

Ich wohne in Berlin, einer Stadt, die von sich selbst behauptet, homofreundlich zu sein, und eine äußerst lebendige homosexuelle Szene zu haben. Mag sein, dass ich blind durch die Gegend laufe, aber ich habe noch niemals zwei Schwule vor alle Leuten „rumknutschen“ sehen (außer am CSD, aber auch da ist das vergleichsweise selten). Zum Thema Fernsehen kann ich mich nicht äußern, da ich kein Fernsehen schaue. Aber T-Shirts wo drauf steht, dass man homosexuell ist? Fehlanzeige!

Ich glaube diesem Kommentator nicht. Er fantasiert, halluziniert, oder bauscht für ihn traumatische Einzelerlebnisse auf. Für mich mich stellt sich die Situation nämlich ganz anders da: Im Gegensatz zu Heteros, verhalten sich Homosexuelle weiterhin äußerst diskret in der Öffentlichkeit, so diskret, dass man fast auf die Idee kommen könnte, Schwule und Lesben gäbe es gar nicht. 

7 Antworten to “Wo sind all die Homos hin?”

  1. HansG 4. März 2014 um 11:40 #

    So verschieden kann Wahrnehmung sein. Wobei ich das eher so sehe wie du. Ich habe in meinem Leben durchaus ein paar Homo- oder Bisexuelle Menschen getroffen. Die waren in ihrem Auftreten, bis auf einen »Paradiesvogel«, alle völlig normal. Ohne Outing hätte da niemand auch nur im Ansatz einen Verdacht hegen können.

    Die konkreten Beweggründe für das Outing kenne ich nicht. Ich hatte da aber überwiegend das Gefühl, dass es darum ging zu sagen: »Ich bin schwul/lesbisch. Wer noch?« Und ich kann durchaus verstehen, dass die Suche nach einem Partner in einer Minderheit nicht einfach ist. Aber als aufdringlich empfand ich das nie.

  2. LoMi 4. März 2014 um 13:32 #

    @Adrian

    „Ich wohne in Berlin, einer Stadt, die von sich selbst behauptet, homofreundlich zu sein, und eine äußerst lebendige homosexuelle Szene zu haben. Mag sein, dass ich blind durch die Gegend laufe, aber ich habe noch niemals zwei Schwule vor alle Leuten “rumknutschen” sehen…“

    Ich wohne da auch und mir geht es genauso. Insgesamt sehe ich wenige Paare in der Öffentlichkeit knutschen und nur äußerst selten mal zwei Männer oder zwei Frauen, die das tun.

    Ich halte das daher auch für vorgeschoben.

    @Hans
    “ Ich habe in meinem Leben durchaus ein paar Homo- oder Bisexuelle Menschen getroffen. Die waren in ihrem Auftreten, bis auf einen »Paradiesvogel«, alle völlig normal.“

    Was nicht überrascht. Es sind ja normale Menschen, was sonst. Und es ist ja sowieso so, dass man andauernd homosexuelle Menschen trifft, man weiß es nur nicht, weil sie es einem nicht auf die Nase binden. Und weil sie völlig normal sind und deshalb äußerlich keine Anhaltspunkte für irgendwelche Vermutungen liefern. Insofern würde ich sagen, dass jeder laufend homosexuelle Menschen trifft.

  3. HansG 4. März 2014 um 14:12 #

    @LoMi
    Auch wenn Es vielleicht nicht deutlich wurde bin ich ebenso nicht überrascht. Ich halte »den schwulen Detlef« absolut nicht für repräsentativ und sehe in affektiertem Verhalten eher eine bewusste Provokation. Von der Sorte habe ich bisher, wie schon geschrieben, nur einen Einzigen getroffen. Film und Fernsehen würde ich ebenso wenig als repräsentativ betrachten.

    »Insofern würde ich sagen, dass jeder laufend homosexuelle Menschen trifft.«
    Davon gehe ich auch aus. Statistisch betrachtet müsste circa jeder 15. homosexuell sein. Also wer weiß wie oft ich mit Homosexuellen schon unter der Gemeinschaftsdusche stand… Über Bisexuelle sollte Jemand mit Aversionen besser gar nicht erst nachdenken.

    Aber ich gehe ja auch in die Sauna und lasse mich von weiblichem medizinischem Personal behandeln ohne mich gleich schmutzig und missbraucht zu fühlen.

  4. gracuch 4. März 2014 um 16:12 #

    Also ich hab’s paar Mal in Berlin gewagt, mit meinen Exfreundinnen in der Öffentlichkeit rumzuknutschen, vielleicht meinen die ja alle mich? Oder zählen lesbische und bisexuelle Frauen nicht?😛
    Aber ich gebe dir recht, selbst in Berlin trifft man höchstens in entsprechenden Clubs knutschende homosexuelle Pärchen.

  5. martin 4. März 2014 um 16:24 #

    Der altmodische Homophobe würde sich vermutlich mit Händen und Füßen gegen den bloßen Verdacht wehren, er könnte homosexuelle Freunde haben. Moderne Homophobe haben solche Vorurteile nicht mehr, sondern bloß eine seltsame Einstellung ihren Freunden gegenüber.
    Wir sehen aber: die guten alten Zeiten kommen zurück. In diesem Fall meine ich jene Zeiten, in denen die Reaktionäre hierzulande auf Russland als den Ort verweisen konnten, wo noch alles mit rechten Dingen zugeht – wo der Glaube noch orthodox, die Lebensverhältnisse geordnet, das Volksempfinden gesund und das Nationalbewusstsein von jeder Dekadenz ungetrübt ist. Zwischenzeitlich war das ja leider mit dem Russland-Komplex der deutschen Rechten etwas schwieriger geworden (so zwischen Oktoberrevolution und dem Oligarchenrussland der Jelzin-Ära – dafür gab’s zum Ausgleich einen linken Sowjet-Komplex). Aber Putin sei Dank fühlt man sich wie zurückversetzt in Zarenzeiten und mancher hierzulande schreibt schon wieder von Russland wie weiland ein Moeller van den Bruck.

  6. Kai V 5. März 2014 um 07:21 #

    Wenn ich so zurückdenke habe ich höchstens (CSD ausgenommen) zwei drei mal gleichgeschl. Paare in der Öffentlichkeit küssen gesehen.

    Selbst in Gent, wo es mich mit meinem Sohn und meine Eltern durch Zufall in eine Kneipe voller homosexueller verschlagen hat, habe ich 20 mal hinschauen müssen bis ich 1 und 1 zusammenzählen konnte. Evtl. haben die aber auch auf uns “falsche“ Rücksicht genommen, aber auch in „normalen“ Bars küssen sich die Menschen ja nicht alle 10 Minuten. Wer, wie der Mensch im Artikel, nichts gegen Homosexuelle hat, der muss halt einen Grund finden, selbst wenn er noch so vorgeschoben ist… Und wer einen Krieg rechtfertigen muss, wie diese Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, der erst Recht.

    Wenn er ehrlich gewesen wäre, dann hätte er gesagt, ich bin Russe und hier weil man es mir befohlen hat, weil unser Präse ein Idiot ist, weil ich absolut Homophob bin, obwohl ich ja eigentlich keinen Homo kenne und auch sonst meist geistig unterprivilegiert, sonst hätte ich ja auch nen anderen Job…

  7. marenleinchen 7. März 2014 um 15:30 #

    Jetzt denkt doch mal nach: Alle schwulen und lesbischen Menschen haben von Kindesbeinen an STÄNDIG heterosexuelle Zuneigungsbekundungen mitbekommen, manche waren wahrscheinlich sogar Blumenkind auf Heterohochzeiten.

    Und sind sie hetero???

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