Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen!

18 Mrz

Der nigerianische Kardinal John Onaiyekan hat der „Deutschen Welle“ ein Interview gegeben, in dem er sich auch über das in Nigeria verbschiedet Gesetz gegen Homosexualität äußert. Dieses Interview wäre kaum erwähnenswert, wenn da nicht ein spezieller Absatz wäre:

Das Anti-Homosexuellen-Gesetz besagt einfach nur, dass man in Nigeria eine Beziehung zwischen gleichen Geschlechtern nicht Ehe nennen kann. Und wir werden zwei Männer oder zwei Frauen nicht als verheiratet akzeptieren, egal aus welchen Teilen der Welt sie in unser Land kommen. Damit wäre es gut für mich gewesen. Aber ich bin kein Mitglied der Regierung und wurde nicht nach meiner Meinung gefragt, als das Gesetz verabschiedet wurde. Das Problem ist nämlich, dass ein Gesetz immer nach einer Sanktion verlangt und so kam es zur Kriminalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Allerdings können Homosexuelle nur bestraft werden, wenn sie auch wirklich versuchen zu heiraten – nicht aber, wenn sie sich nur zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. Wie will man das auch beweisen?

Erstaunlich. Da lügt einem der Kardinal die Hucke voll, und die DW ist nicht journalistisch genug geschult, um ihn auf seine Lügen hinzuweisen. Nach dem, was der Kardinal sagt, könnte man annehmen, in Nigeria wäre es lediglich strafbar, gleichgeschlechtlich zu heiraten. Das ist Unsinn! Männer können dort nicht nur bestraft werden, wenn sie versuchen einander zu heiraten, sie können auch dann bestraft werden, wenn sie mit dieem sexuell verkehren oder sich einfach nur zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen. So steht es im nigerianischen Strafgesetzbuch:

Any person who –

(a) has carnal knowledge of any person against the order of nature; or

(c) permits a male person to have carnal knowledge of him or her against the order of nature;

is guilty of a felony, and is liable to imprisonment for fourteen years.

Any person who attempts to commit any of the offences defined in the last preceding section is guilty of a felony and is liable to imprisonment for seven years. The offender cannot be arrested without a warrant.

Any male person who, whether in public or private, commits any act of gross indecency with another male person, or procures another male person to commit any act of gross indecency with him, or attempts to procure the commission of any such act by any male person with himself or with another male person, whether in public or private, is guilty of a felony and is liable to imprisonment for three years. The offender cannot be arrested without a warrant.

Und? Was steht da? Richtig! Männliche Homosexualität, ob Geschlechtsverkehr, ob Küssen, oder eine zu offensichtliche Zuneigung – all das kann mit Gefängnis bis zu 14 Jahren bestraft werden. In den nördlichen, vom Islam dominierten Bundesstaaten Nigerias, kann sogar die Todesstrafe verhängt werden, wenn der betreffende Mann verheiratet ist.

Warum also lügt uns der Kardinal an? Warum impliziert er, es wäre in Nigeria lediglich die gleichgeschlechtliche Ehe kriminalisiert? Und warum sind unsere Journalisten nicht in der Lage, jemanden einer offensichtlichen Lüge zu überführen, für deren Nachweis man nur mal kurz im Internet recherchieren muss?

6 Antworten to “Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen!”

  1. LoMi 18. März 2014 um 11:48 #

    Das ist dreist. Überhaupt verstehe ich die katholische Kirche in dieser Frage nicht. Was fällt ihnen so schwer, Menschen einfach anzuerkennen? Als Christen müssten sie sich doch auf ihr Vorbild Jesus berufen. Der aber ist mit den Ausgestoßenen und Verfemten speisen gegangen und hat jene, die sich selber öffentlich als „rechtschaffen“ auf die Schulter geklopft haben, links liegen lassen. Aus dieser Geschichte haben die Katholiken wenig bis nichts gelernt.

    Wie kann dieser Kardinal sein Spiegelbild ertragen? Dort werden Menschen eingesperrt wegen nichts und wieder nichts. Das Leiden dieser Männer scheint dem Kardinal aber nicht nahezugehen. „Alles, was Ihr dem geringsten meiner Brüder angetan habt, habt Ihr auch mir angetan“, so heißt es von Jesus. Seltsam, dass diese Mahnungen, bezogen auf das Jüngste Gericht und die Fragen, die dort gestellt werden, den Katholiken recht egal sind. Glauben die überhaupt an Jesus? Manchmal möchte man meinen, sie sind die ungläubigsten Menschen überhaupt. Nur so kann man sich eine solche Haltung erklären. Sage ich mal als Nicht-Christ.

    • Adrian 18. März 2014 um 11:54 #

      @ LoMi
      Ja, es gibt da auch eine schöne Folge von „South Park“, in der ein hoher Kardinal Jesus töten will, weil der die katholische Doktrin untergräbt.

      Ich als Quasi-Atheist habe folgende Erklärung: Die Katholische Kirche, als Institution, hat kein Moralempfinden, weil ihre Lehre sich auf kein moralisches Grundgerüst stützen kann. Der alleinige Glaube an Gott bzw. die Bibel gibt so was m. E. nicht her.

  2. LoMi 18. März 2014 um 12:01 #

    „Die Katholische Kirche hat kein Moralempfinden, weil ihre Lehre sich auf kein moralisches Grundgerüst stützen kann. Der alleinige Glaube an Gott bzw. die Bibel gibt so was m. E. nicht her.“

    Ich bin zwar auch Atheist, aber einigermaßen bibelkundig. Das Neue Testament bietet ja eine Menge Moral und es ist eine Moral des Verzeihens und des Gewaltverzichtes. Teilweise ist diese Moral sehr radikal. Eigentlich ist es wirklich unglaublich, dass die Katholiken das alles ignorieren. Im Grunde folgen sie eher dem Alten Testament, wo es noch in Ordnung war, zu steinigen und sonstwie zu strafen.

  3. Leszek 18. März 2014 um 12:54 #

    Zum Thema Religion und Moral verweise ich gerne auf den interessanten Artikel des Wissenschaftsjournalisten Rolf Degen – Fromme sind nicht besser

    http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=30905191

    Die negativen Effekte von zuviel Religion auf die Gesellschaft beschreibt außerdem der Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas in dem Artikel „Göttliche Gesellschaften“:

    http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=33229964

  4. martin 18. März 2014 um 13:10 #

    Tja, so ist das mit den Kardinälen. Wie macht man das eigentlich, zu heiraten versuchen?
    Erstaunlich ist hier wieder einmal diese Fixierung auf männliche Homosexualität, und zwar mit Betonung „Sexualität“ (carnal knowledge), und zudem die völlig unbekümmerte Produktion von Rechtstexten mit unbestimmten Rechtsbegriffen wie „against the order of nature“.
    Was die katholische Kirche betrifft, so kommen da in meinen Augen zwei Dinge unheilvoll zusammen: Das eine, was im Grunde alle Religionen betrifft, ist die Neigung, den Glauben an Gott zu einer Funktionsideologie zu machen, mit der die Moral, der gesellschaftliche Zusammenhalt oder die politische Ordnung abgesichert werden soll. (Was natürlich nicht heißt, dass es umgekehrt nicht auch säkulare Funktionsideologien gäbe.) Und das andere ist die spezifisch katholische Verbindung von Institutionalität und Religion, die historisch zur Ausbildung einer Amtskirche geführt hat, die zu Selbstermächtigung, moralischer Überheblichkeit und doktrinärer Illiberalität gegenüber dem gläubigen Gewissens neigt. Das alles hat Dostojewski mit seiner Großinquisitor-Parabel ja schön vorgeführt (ich nehme an, dass die zitierte South-Park-Episode darauf Bezug nimmt).
    Ich weiß übrigens nicht, ob Adrian Recht hat, wenn er sagt, dass der (katholische) Glaube an Gott an sich keine Moral hergibt. Aber Tatsache ist natürlich, dass Moral der Religion nicht notwendigerweise bedarf, obwohl genau das oft genug behauptet wird. Sicher ist allerdings, dass es den Katholizismus ohne die Institution Kirche nicht geben kann. Die Frage ist freilich, wie man Kirche versteht.

  5. subcomandante marcus 19. März 2014 um 20:56 #

    mir stellt sich dabei mal wieder die frage, was das für ein durch und durch verkommener mensch sein muss, der ohne sein klappergerüst „religion“ keine eigene moral hat.

    und wieso sind die immer dermassen auf schwulen sex fixiert, wenn sie die doch hassen?
    und warum spielen sich zölibatäre pfaffen als sex-experten auf? fragen…

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