Ich gehe mal auf’s Klo

10 Apr

Mögen die „Piraten“ auch zunehmend in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, bestimmte Anliegen erachte ich immer noch als unterstützenswert:

Die Piratenfraktion wird am Donnerstag einen Antrag ins Berliner Abgeordnetenhaus einbringen, in dem die Einrichtung von Unisextoiletten in öffentlichen Gebäuden gefordert wird. Damit soll Diskriminierung von Trans- und Intersexuellen abgebaut werden, erklärte Simon Kowalewski, der frauenpolitische Sprecher der Piraten: „Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden, so steht es in der Berliner Verfassung“.

Selbst wenn man sich nicht auf die Bedürfnisse von Trans- und Intersexuellen konzentriert, ist die sanitäre Trennung der Geschlechter meines Erachtens aboluter Humbug. Es ist eine kulturbedingte Tradition, die in einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen frei miteinander agieren können, überholt ist. Die Unisex-Variante ist dabei den früheren Vorschlägen einer dritten Kategorie von Toiletten im jeden Fall vorzuziehen, da sie nicht separiert, sondern vereint – auch bei so banalen Dingen wie dem „stillen Örtchen“.

Interessant auch, dass bei den Berliner Piraten zumindest Fragmente des früheren Anspruchs, für die Gleichberechtigung aller Geschlechter  – einschließlich Männer – einzutreten, noch vorhanden sind:

Im übrigen würde die Initiative auch die Diskriminierung von Vätern abbauen, erklärte Kowalewski weiter: „Auch Väter müssen um ihr Kind zu wickeln oft noch die Damentoilette aufsuchen. Unisextoiletten mit entsprechenden Einrichtungen können auch dafür Abhilfe schaffen“, so der Abgeordnete.

Eine Vorbedingung zur Unisex-Toilette braucht es allerdings: Frauen müssten mehr auf Sauberkeit achten, wenn sie eine Toilette benutzen. Aber dies sollte dem „sozialeren Geschlecht“ durchaus zuzumuten sein.

 

 

23 Antworten to “Ich gehe mal auf’s Klo”

  1. tom174 10. April 2014 um 11:38 #

    solange mir niemand die pissiors wegnehmen will, bin ich da schmerzfrei.

  2. m 10. April 2014 um 11:43 #

    Was Tom sagt.

    Ausserdem:

    „Frauen müssten mehr auf Sauberkeit achten, wenn sie eine Toilette benutzen.“
    Das soll da ja echt schlimm aussehen teilweise, habe ich mir sagen lassen. ^^

  3. Adrian 10. April 2014 um 11:43 #

    @ tom174
    Ach, nicht weniges an Unmut in der gesamten Genderdiskussion ist ja völlig übertrieben: Bildungspläne, Homo-Ehe, Unisex-Klos – niemanden wird da etwas weggenommen.

  4. keppla 10. April 2014 um 11:53 #

    Schwalbe/Sommer und so.

    Vor nicht all zu langer zeit hieß es noch von namhaften Piratinnen, dass das Patriachat ihre Microphone kreischig stellt, um sie zu benachteiligen, und jemand, der auch nur fragte, ob es neben eine Verschwörung der Männer andere Erklärungen für eine geringere Teilnahme von Frauen bei den Piraten gab, wurde sofort der Veranstaltung verwiesen.

    Dass sie jetzt, wo sie abstürzen, und sie feststellen, dass irgendwer die Arbeit machen muss, wieder Kreide fressen, und feststellen, dass die Männer ja eigentlich „Ally“ sind, ist in etwa so überraschend, wie wenn die SPD nach jedem Wahlverlust wieder so versucht zu tun, als sei sie eine Arbeiterpartei.

    Wie irrelevant ihnen die Männer weiterhin sind, kann man schon gut an der Formulierung erkennen „…im übrigen würde…“. Oder anders: alles wie früher, nur dass man bei Kritik von Männern nicht direkt „du sexist!!!!“ schreit, sondern erstmal so tut, als würde man ja total die gleichen Interessen haben.

  5. m 10. April 2014 um 11:53 #

    @Adrian

    So wie ich das erfahren habe sind Pissoirs einigen Damen aus unerfindlichen Gründen ein Dorn im Auge, selbst wenn sie nie in die Nähe eines solchen geraten.

    Und was die Umwidmung betrifft: In einem öffentlichen Gebäude, hier in Fhain/Kreuzberg sollte das Projekt „Unisex-Klo“ gestartet werden. Die für die Umwidmung ausgewählten Toiletten sollten _zwingend_ ein Merkmal erfüllen: es sollten ausschliesslich Männertoiletten sein, da Frauen die Wegnahme einer reinen Frauentoilette nicht zugemutet werden konnte. Die Argumentation habe ich nicht mehr genau in Erinnerung. Den Beitrag dazu habe ich auf youtube gesehen. Vielleicht lässt sich der dort noch finden.

  6. tom174 10. April 2014 um 12:13 #

    @adrian: „Unisex-Klos – niemanden wird da etwas weggenommen.“
    naja. Die unisexklos die ich so kenne sind die, wie man sie in jeder wohnung findet. Wird das die normale Toilette, kommen die Nurimsitzenpinkeln Schilder natürlich gleich mit.

  7. m 10. April 2014 um 12:19 #

    @adrian
    auf _jeder_ toilette? ^^

  8. gracuch 10. April 2014 um 12:24 #

    Btw, auf den Toiletten in Ikea gibt es sowohl in der Damen- wie auch in der Herrentoilette Wickeltische🙂

    • Adrian 10. April 2014 um 12:29 #

      @ gracuch
      Nun ja, die Schweden sind halt kinder- und elternfreundlich und schieben demografische Probleme nicht den Homos in die Schuhe.

      • gracuch 10. April 2014 um 12:36 #

        @Adrian
        Die Nordeuropäer machen in Sachen Familienpolitik und der Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen so einiges besser als hier. Wird Zeit, dass sich die sonst so Schwedenbegeisterten Deutschen eine Scheibe von abschneiden.

  9. Alreech 10. April 2014 um 21:34 #

    natürlich müssen die Pissoirs weg.
    Bei aller Liebe zum Unisex und Toleranz, einen Mann beim urinieren sehen zu können wird man den Frauen und Transgendern kaum zumuten wollen…

    Auf alle Fälle ist es gut zu sehen das die Piraten sich um Themen kümmern die wirklich alle bewegen, so dürfte das auch mit der Wiederwahl klappen…😉

  10. allsurfer4 10. April 2014 um 22:55 #

    Meine Erfahrungen sagen da etwas anderes.
    Reine Männertoiletten sind oft zugeschmiert mit irgendwelchen blöden Sprüchen – kommt natürlich auf den Standort der „Örtlichkeit“ an.
    Toiletten auf Baustellen sind da am schlimmsten.
    Viele südöstliche ausländische Mitbürger „stehen“ auch drauf, entsprechend unsauber sind diese Örtlichkeiten.
    Frauentoiletten sind da wesentlich sauberer.
    Unisex-Toiletten würden u. a. auch dazu führen, dass die „Herren“ ihren Fantasien freien Lauf lassen, ganz nach dem Motto des Songs der Kranken-Schwestern, wonach Sperma ekelhaft ist.

  11. pedro luis 11. April 2014 um 08:19 #

    @alreech

    Es ist einem Mann nicht zuzumuten, sich beim Urinieren von Frauen und Transgendern zuschauen zu lassen.

  12. m 11. April 2014 um 11:31 #

    Aber wie ist das denn mit transgender-Leuten? „Können“ die nicht, wenn die nur „eine Sorte“ Menschen um sich haben (ich meine, es geht hier um Stuhlgang etc., da setzt man sich hin, lässt es laufen und gut ist…)? Sie können sich doch entscheiden, wo sie zum Scheißen hingehen. Und zwar jedes Mal auf’s Neue. Oder ist die Entscheidungsfindung so schwierig, dass es in der Zwischenzeit zu spät sein könnte?

    Und warum sollte man andersherum allen anderen Menschen zumuten, das jeweilige andere Geschlecht um sich zu haben obwohl das einigen womöglich unbehaglich sein könnte? Ein Recht sich da Unwohl zu fühlen hat ja jeder. Wer könnte es Ihnen absprechen und einfach darüber hinweg entscheiden?

    Das sind nur theoretische Fragen. Mich persönlich wird das wohl nicht stören. Kann mich auch nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf einem öffentlichen Klo war. Ich vermute, Gaststätten gehören nicht dazu?

  13. gracuch 11. April 2014 um 12:44 #

    @allsurfer4
    Frauentoiletten sind nicht zwangsläufig sauberer, vorallem dann nicht, wenn sie von vielen benutzt wird. Es nervt mich zum Beispiel, wenn die werten Damen nicht mal die Klobrille hinter sich abwischen können, um Urinspuren oder Menstruationsblut zu entfernen. Und in manchen harten Fällen liegen benutzte Tampons in der Ecke rum…*schüttel*

    @m
    Unisex-Toiletten sollen eher eine Ergänzung zu den getrennten Toiletten sein, also wenn jemand beim Klogang nicht auf das andere Geschlecht treffen möchte, muss man nicht auf die Unisex-Toilette gehen. Und zu den Transgender-Menschen: wenn z.B. eine transmaskuline Person auf die Damentoilette gehen würde, würde sie dort wahrscheinlich schief angeguckt oder angegriffen werden, die Unisex-Toiletten sind dann eine Auschweichmöglichkeit.

  14. Atacama 11. April 2014 um 22:07 #

    Mich wundert es, dass Männer immer als Klobrillenpinkler gelten.
    Wenn ichim Stehen pinkle weil ich mich nicht draufsetzen will, habe ich einen Streukreis wie Opas abgesägte Schrotflinte und ich habe das auf Frauenklos schon oft gesehen dass die Klobrillen bepinkelt sind^^.

    Als Mann müsste das Zielen doch viel einfacher sein.

  15. m 13. April 2014 um 18:03 #

    „Unisex-Toiletten sollen eher eine Ergänzung zu den getrennten Toiletten sein, also wenn jemand beim Klogang nicht auf das andere Geschlecht treffen möchte, muss man nicht auf die Unisex-Toilette gehen.“

    Fair enough.

    Aber: dann gäbe es doch wieder Separation, wenn die transgender nicht auf die althergebrachten Toiletten gehen wollen und die, die sich ihres Geschlechtes sicher sind, nicht auf die transgender-klos. Das ist doch aber gerade nicht im sinne der – verzeihung – social justice warrior, denn die wollen doch, das es eben keinen Trennung gibt. Das ist doch deren Mission, wenn ich das richtig verstanden habe.

    First World, i tell you.😀

  16. m 13. April 2014 um 18:06 #

    @Atacama

    „Als Mann müsste das Zielen doch viel einfacher sein.“

    Ist es auch. Wir heben auch den Sitz vorher an, wenn es die Keimsituation offensichtlich zulässt.

  17. gracuch 13. April 2014 um 20:08 #

    @m
    „Das ist doch aber gerade nicht im sinne der – verzeihung – social justice warrior“

    Verstehe dich in dem Punkt nicht. Meinst du jetzt die Trennung zwischen Damen- und Herrentoiletten? Die Unisex-Toiletten (nenne sie bitte nicht „Transgender-Klos“, denn da hängt bestimmt kein Schild „Nur für transidentitäre Menschen!“) sollen einfach eine Alternative für diejeinigen sein, die die anderen Toiletten nicht benutzen können oder wollen.

  18. bajazbasel 14. April 2014 um 17:42 #

    Ich weiss nicht, warum Ihr überall Probleme sehen müsst! Es gibt Männer- und Frauentoiletten. Und jedeR soll sich die Passende aussuchen können! Für Männer verlange ich Pissoirs. Denn für Frauen gab es früher auch die „Bidets“ in Hotelzimmern! (> Wikipedia > Bidet!) Und für die Sexualprobleme zwischen Männern und Frauen sind Schwule nun mal nicht zuständig!!

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