Im Osten nichts Neues

2 Mai

Jan Fleischhauer weiß, warum man sich vor Russland, warum man sich vor Putin, fürchten sollte. Weil dieses Land, und sein Führer, antiwestlich ist:

Wie sieht diese [russische] Seele aus? Auch dazu hat Putin Auskunft gegeben: „Ich denke, dass der russische Mensch, oder allgemeiner der Mensch in der russischen Welt, vor allem anderen an seine moralische Verpflichtung denkt, an eine höchste moralische Wahrheit.“ Im Gegensatz dazu steht der Westen mit seiner Fixierung auf Erfolg und Wohlstand oder wie es Putin ausdrückt: „das persönliche Selbst“. Es ist also ein ideologischer Kampf, den Russland aus Sicht seines Präsidenten kämpft: gegen die Oberflächlichkeit des Materialismus, gegen den Verfall der Werte, gegen die Verweiblichung und Verweichlichung der Gesellschaft, die mit der Auflösung aller traditionellen Bindungen einhergeht, kurz: gegen alles Unrussische.

Die Gegnerschaft zu Individualismus und Materialismus gehört seit jeher zum Kern antiwestlichen Denkens. Man muss nur hin zum den rechten Rand der Gesellschaft schauen, welche Sympathien Putin dort erntet:

Bei den Freiheitsfeinden am rechten Rand haben sie die Witterung sehr viel früher aufgenommen. Hier hat man sofort verstanden, dass in Putin jemand zu Europa spricht, der ihre Zwangsvorstellungen und Ressentiments teilt. Putin revanchiert sich bei seinen Bewunderern, indem er sie als Verwandte im Geist anerkennt. „Was das Überdenken von Werten angeht, sehen wir in Europa denselben Prozess“, sagte er in seinem Fernsehauftritt am vergangenen Donnerstag und verwies auf den „Sieg von Viktor Orban in Ungarn“, den „Erfolg von Marine Le Pen in Frankreich“. Es war die einzige Stelle in dem vierstündigen Interview, bei dem er etwas Positives über Europa zu sagen wusste.

Doch nicht nur die extreme Rechte, auch die extreme Linke bewundert Putins kraftvolle autoritäre Aura als Gegenpol zum pluralistisch-kapitalistischen Westen. Kaum verwunderlich also, dass viele Demonstranten am 1. Mai in Berlin Plakate, Transparente und Zeitungen mit sich führen, auf und in denen die Bewunderung für Russland kaum verhohlen zum Ausdruck gebracht wird.

 

 

2 Antworten to “Im Osten nichts Neues”

  1. Gert Ewen Ungar 3. Mai 2014 um 19:40 #

    naja… riecht doch ziemlich nach Propaganda, denkst du nicht?

  2. Alreech 3. Mai 2014 um 20:38 #

    Möglicherweise ist Putins Meinung reine Propaganda, aber sie fällt bei vielen Deutschen auf fruchtbaren Boden.

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