Ich bin schwul, weil ich es sein will!

17 Mai

Am heutigen Internationalen Tag gegen Homophobie findet am Wittenbergplatz in Berlin eine Demonstration für Menschenrechte statt. Diese läuft unter dem Motto „Sexualität ist keine Entscheidung!“ und wirbt mit dem Slogan: „Wann hast Du entschieden hetero zu sein?“

Sexuelle Orientierung ist keine Entscheidung! Weder für heterosexuelle Menschen noch für homosexuelle, trans-, bi- oder intersexuelle Menschen. Einige Menschen glauben, dass Lesben und Schwule sich ihre sexuelle Orientierung selbst ausgesucht haben oder dass sie zur Homosexualität verführt wurden. Je stärker Menschen glauben, dass sexuelle Orientierung eine freie Entscheidung ist oder durch die Umwelt beeinflusst wird, desto homophober sind ihre Einstellungen. Die Annahme, dass Menschen ihre sexuelle Orientierung durch Verführung lernen, ist hingegen wissenschaftlich widerlegt. Dabei mehren sich die Belege dafür, dass sexuelle Orientierung angeboren ist.

Das ist ja alles wunderbar, gut und richtig begründet. Und trotzdem grundfalsch!

Weil man sich erstens seine sexuelle Orientierung zwar nicht aussucht, aber sich dennoch dafür entscheidet, diese zu leben. Theoretisch wäre es durchaus eine Option, sich den Normen der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft zu unterwerfen, seine Sexualität zu unterdrücken und brav wie allen anderen auch hetero zu leben, ganz so wie es homosexuelle Menschen jahrhundertelang getan haben. Die Entscheidung schwul, lesbisch, bisexuell zu leben, trifft letztendlich jeder Einzelne in freier Entscheidung.

Den zweiten Punkt halte ich für noch wichtiger: Es geht überhaupt nicht darum, ob Sexualität eine Entscheidung ist. Weil es nämlich jedermanns (gottgegebenes) Recht ist, mit anderen Menschen einvernehmliche sexuelle und partnerschaftliche Beziehungen einzugehen, unabhängig vom Geschlecht und völlig unabhängig davon, ob andere Menschen das gutheißen. Denn es hat andere Menschen schlicht einen feuchten Kehricht anzugehen, mit wem man Tisch und Bett teilt, es hat andere Menschen schlicht nichts anzugehen, mit wem man fickt!

Was soll uns diese Kampagne also sagen: Dass man uns Homos bitte akzeptieren soll, weil wir nun mal so geboren wurden? Dass es nicht unsere Schuld ist, wenn uns ein solcher Makel anhaftet? Dass wir ja gerne hetero sein würden, aber wir nun mal nicht anders können?

Hinfort mit dieser Anbiederung! Zum Teufel mit dieser Kriecherei! Zur Hölle mit dieser Unterwürfigkeit! Jeder Mensch hat ein Recht darauf seine Beziehungen und sein Sexleben so zu gestalten, wie er es für richtig hält! Grenzen hierbei kann ihm nur der Partner seiner Wahl setzen. Jedwede einvernehmliche Sexualität ist moralisch akzeptabel, und das völlig unabhängig davon, ob man sich dafür „entschieden“ hat.

Ich jedenfalls habe mich für meine Homosexualität entschieden! Ich lutsche Schwänze, weil es mir gefällt! Ich ficke Männer, weil ich es geil finde. Mein Leben, mein Körper, meine Entscheidung! Und wem das nicht passt, der kann mich mal kreuzweise!

 

12 Antworten to “Ich bin schwul, weil ich es sein will!”

  1. derdiebuchstabenzaehlt 17. Mai 2014 um 06:29 #

    „den Normen der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft“

    Oh mein Gott, geht’s auch ne Nummer kleiner? So richtiges PolitSoziologengewäsch ist das … Tut mir leid, Du hast ja recht mit „Jeder Mensch hat ein Recht darauf seine Beziehungen und sein Sexleben so zu gestalten, wie er es für richtig hält!“ aber solche Sprüche wie oben klingen wirklich lächerlich doof.

  2. Adrian 17. Mai 2014 um 10:15 #

    @ ddbz
    „Oh mein Gott, geht’s auch ne Nummer kleiner?“

    Nein.

    „So richtiges PolitSoziologengewäsch ist das …“

    Ich bin ja auch Politsoziologe.

    „aber solche Sprüche wie oben klingen wirklich lächerlich doof.“

    Dennoch stimmen sie.

  3. quellwerk 17. Mai 2014 um 11:45 #

    Ich hatte gerade einen Kaffee getrunken und dazu eine karzigone Zigarette genossen, als mich ein Rumpeln aus meinen Träumereien weckte. Huch, dacht ich, ist das Internet implodiert? Ein rascher Blick in dasselbe entlarvte den Grund: Adrian hatte ganz entgegen seiner Gewohnheit, statt zur spitzen, spöttischen Feder, zum stumpfen Krummsäbel gegriffen und im Zustand der höchster Entäußerung seiner Seele sein Recht, einfach nur leben zu wollen, eingeklagt. Verfickte Scheisse, Adrian, recht hast du. Hau sie alle in Grund und Boden! Verträumte Grüße sendet dir quellwerk🙂 .

  4. Graublau 17. Mai 2014 um 14:30 #

    Adrian, manchmal bist Du echt der coolste.

    Ich glaube, dass so mancher heterosexuelle Mann tatsächlich heute Manschetten hat, zu seiner Sexualität zu stehen – ganz im Sinne von „und ich zeige offen, dass ich Lust habe, dass ich Spaß an Körperlichkeit habe, dass meine Art von Sexualität eben ganz anders als die einer Frau ist“. In dem Sinne ist die Frage „Wann haben sie entschieden, heterosexuell zu sein?“ tatsächlich sehr sinnvoll! Einige mögliche Antworten:

    – Als mir klar wurde, dass es nicht „eine“ richtige Perspektive auf Sexualität gibt (nach radikalfeministischer Sicht natürlich die weibliche), sondern mindestens die von Frauen UND Männern, und dass die von Männern nicht weniger wert oder richtig ist
    – Als ich verstanden habe, dass es nicht glücklich macht, weibliche Vorstellungen kritiklos zu übernehmen, wie Anbahnung und Sexualität stattzufinden haben.
    – Als ich akzeptiert habe, dass meine Sexualität ganz natürlich und nicht „böse“ ist

  5. derdiebuchstabenzaehlt 17. Mai 2014 um 15:31 #

    „Ich glaube, dass so mancher heterosexuelle Mann tatsächlich heute Manschetten hat“

    Ich wage nich, ich wage wirklich nicht zu fragen …

    Frage! Meint Ihr das ernst?

  6. derdiebuchstabenzaehlt 17. Mai 2014 um 20:47 #

    „Ich bin ja auch Politsoziologe.“

    Aha! Das erklärt Dies und Das! 🙂

  7. rs 18. Mai 2014 um 03:30 #

    # “Ich glaube, dass so mancher heterosexuelle Mann tatsächlich heute Manschetten hat”
    # Ich wage nich, ich wage wirklich nicht zu fragen …
    # Frage! Meint Ihr das ernst?

    Ich könnte mir vorstellen, dass dies vor allem die im Lebensalter etwas Vorgerückten betrifft, sagen wir einmal, ab 30 Jahren. Die sozialen Anforderungen an einen solchen heterosexuellen Mann sind eben nicht: Ein erfülltes Sexualleben und Zufriedenheit im eigenen Körper aus eigenem Interesse heraus – sondern es sind die Bilder, die von außen an ihn getragen werden und inmitten derer sich vielleicht mancher verloren hat: Familienvater, sicheres Einkommen, Fußballfan, Mittelklassewagenfahrer, leichter Bauchansatz … und dennoch das Bestreben, doch endlich etwas „für sich“ zu tun!

    Zweifelsohne sollte „er“ sich nicht ausschließlich über seine Sexualität identifizieren, aber er tut es eben zusehends weniger. Den Konflikten, die sich (vereinfacht) aus einer guten Ausstrahlung ergeben, geht man(n) bequemerweise aus dem Weg – zugespitzt: Blicketauschen mit einer Fremden beim Spaziergang mit der Gattin oder auch der kollegiale Kontakt mit weiblichen Arbeitskolleginnen läuft zumeist auf Schmalspur, um Eifersüchteleien zu vermeiden. (Andernfalls gibt’s ’ne hemmungslose Affäre ohne Gefühle, einfach nur, um sich „lebendig“ zu fühlen, midlife crisis here we go)
    Dieser Typus Mann – nochmal zur Wiederholung – der eben nur ein „Typus“ ist und keinesfalls auf jeden zutrifft, hat doch sprichwörtlich den „Schwanz eingezogen“ und viele Facetten seiner Sexualität begraben, Versöhungs- und Wochenendsex einmal ausgenommen. Schade für ihn!

  8. Atacama 18. Mai 2014 um 14:49 #

    @ddbz

    „“Ich glaube, dass so mancher heterosexuelle Mann tatsächlich heute Manschetten hat”

    Ich wage nich, ich wage wirklich nicht zu fragen …

    Frage! Meint Ihr das ernst?“

    War das Ironie oder leidest du an Amnesie. ich will ja nicht den Stasibeamten raushängen lassen, aber vor ein paar Tagen hast du noch geschrieben:

    „“Heteros müssen sich mit ihrer Hetrerosexualität nicht als moralische und gesellschaftliche Frage beschäftigen und sich daher dafür auch nicht rechtfertigen. Weil sie eben normal sind.”

    Das stimmt doch nicht! Jeder Blick auf’s Dirndl, jeder nicht beachtete Orgasmus einer Frau (als wäre mir sowas als Mann soo wichtig), … wird doch inzwischen moralisch aufgeblasen.

    Auch die Heterosexuallität scheint eigentlich nicht mehr normal. Ich frage mich schon länger wie unsere Vorfahren oder Ötzis Zeitgenossen überhaupt Sex haben konnten, so ganz ohne Ratgeberbücher. Mal ist die Technik schlecht, mal gabs nicht genug Rosen vorher und hinterher, …

    Jeder hat eben sein Päckchen zu tragen.“

  9. allsurfer4 19. Mai 2014 um 02:09 #

    @Adrian
    Den Eingangssatz: “Wann hast Du entschieden hetero zu sein?” halte ich für schieren Blödsinn.
    An dem inkriminierten Artikel kann ich nichts falsches entdecken, wohl aber in deinen Folgerungen, jedenfalls im ersten Teil.

    „Weil man sich erstens seine sexuelle Orientierung zwar nicht aussucht, aber sich dennoch dafür entscheidet, diese zu leben. Theoretisch wäre es durchaus eine Option, sich den Normen der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft zu unterwerfen, seine Sexualität zu unterdrücken und brav wie allen anderen auch hetero zu leben, ganz so wie es homosexuelle Menschen jahrhundertelang getan haben. Die Entscheidung schwul, lesbisch, bisexuell zu leben, trifft letztendlich jeder Einzelne in freier Entscheidung.“

    Hetero – bi oder sonstwas zu SEIN kann sich wirklich keiner aussuchen, da hat der Artikel recht.
    Nach seiner Veranlagung zu LEBEN ist was ganz anderes.

    Ich kann mich nur entscheiden, nach meiner Veranlagung zu leben, wenn ich es KANN, das heißt, ohne Reppressalien befürchten zu müssen.
    Würdest du in Uganda leben, würde dich der letzte Teil deiner Ausführung wahrscheinlich in Lebensgefahr bringen.

    Zwischen „so zu sein“ und „so zu leben“ sollte immer eine strikte Differenzierung liegen.

  10. Adrian 19. Mai 2014 um 11:02 #

    @ allsurfer4
    „Ich kann mich nur entscheiden, nach meiner Veranlagung zu leben, wenn ich es KANN, das heißt, ohne Reppressalien befürchten zu müssen.“

    Nein, nicht unbedingt. Man kann dies auch in einer Gesellschaft tun, in der man Repressalien zu fürchten hat, wenn man denn bereit ist, diese Repressalien in Kauf zu nehmen. Es ist letztendlich eine Güterabwegung.

    „Würdest du in Uganda leben, würde dich der letzte Teil deiner Ausführung wahrscheinlich in Lebensgefahr bringen.“

    Das sit richtig. ich würde mich dort also dafür entscheiden, meine Sexualität zu verstecken..

  11. Rastar 19. Mai 2014 um 11:54 #

    Super-Artikel – ganz große Klasse!
    Jetzt reicht’s aber langsam – ich will mich endlich mal wieder über einen Text von Dir ärgern!🙂

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