Ehe und Familie und so weiter und so fort

4 Jul

Die Gegner des Bildungsplans in Baden-Württemberg geben nicht auf. In einer neuen Petition heißt es:

Sehr geehrter Herr Kultusminister Stoch,

die von Ihnen vorgestellten Änderungen am neuen Bildungsplan reichen nicht aus. Ich sehe unverändert die Gefahr, daß der Bildungsplan parteipolitische und ideologische Vorstellungen auf dem Rücken der Kinder exekutiert.

Dies trifft insbesondere auf die von Ihnen geplante Erziehung zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ zu, die sich in der neuen Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ unverändert verbirgt. Das Einfordern von Akzeptanz generell verstößt gegen das Indoktrinationsverbot und ist deshalb verfassungswidrig. Darauf hat jüngst der Rechtswissenschaftler Prof. Ulrich Palm hingewiesen, unter Berufung auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2008 wonach „Schule zu Zurückhaltung, Toleranz und Offenheit für unterschiedliche Wertungen“ verpflichtet ist und nicht indoktrinieren darf (AZ: 6B64/07). Akzeptanz setzt – im Gegensatz zur Toleranz – einen positiven Zustimmungsakt voraus, den der Staat nicht zulässig fordern oder auf ihn hinarbeiten darf.

Ich fordere Sie deshalb auf, im Zuge der geplanten Überarbeitung bis 2016 sämtliche Indoktrinierungsansätze der „Leitperspektiven“   konsequent aus dem Bildungsplan zu streichen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich will mich jetzt nicht lang und breit mit dem Inhalt dieser Petition beschäftigen, allerdings fällt mir eine Zeile auf, die ich als Widerspruch zum Anliegen der „Demo für alle“- Initiatoren betrachte: Wir verträgt sich denn deren Slogan „Ehe und Familie vor!“ mit dem „Indoktrinationsverbot“ und der „Zurückhaltung, Toleranz und Offenheit für unterschiedliche Wertungen“? Ist der Slogan „Ehe und Familie vor!“ nicht im Kern ein Aufruf zur Bevorzugung von Ehe und Familie, der einen „positiven Zustimmungsakt“ voraussetzt?

Selbstverständlich! Den Initiatoren geht es nämlich genau um ihr bevorzugtes Bild von Ehe und Familie als exklusive heterosexuelle Veranstaltung, bei gleichzeitiger Marginalisierung schwulen und lesbischen Lebens. Dem soll lediglich „Toleranz“ zukommen.

Da dies nicht überraschend ist, möchte ich nun noch auf einen Kommentar auf dem Blog der „Demo für alle“- Initiatoren aufmerksam machen, der mich gleichzeitg erstaunt und belustigt hat:

Diese Petition habe ich gerne mit unterschrieben, denn als BeziehungsDoc sage ich aus langjähriger Erfahrung: Stabile Ehen und Familien führen zu gesunden und glücklichen Kindern sowie einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft mit einer erfolgreichen Zukunft.

Zunächst einmal ist es korrekt, dass stabilie Ehen und Familien zu gesunden und glücklichen Kindern führen. Das gilt allerdings nicht nur für Heteros, sondern auch für Homos. Der Gegensatz, der hier implizit aufgebau wird, ist verfehlt.

Wozu stabile Ehen und Familien allerdings nicht führen, ist eine freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dafür gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt. Stabilie Familien können genau so gut in Diktaturen, autoritären Regimen und sonstigen undemokratischen Gesellschaftsformen gedeihen. Ehe und Familie gibt es seit tausenden Jahren, beziehungsweise, wenn man sie breiter definiert, bereits seit Anbeginn der Menschwerdung vor einigen Millionen Jahren. Die freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist dagegen recht jung.

3 Antworten to “Ehe und Familie und so weiter und so fort”

  1. Der nachdenkliche Mann 4. Juli 2014 um 14:19 #

    Im wesentlichen stimme ich dir zu.
    Ein Punkt hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt:

    „Wir verträgt sich denn deren Slogan “Ehe und Familie vor!” mit dem “Indoktrinationsverbot” und der “Zurückhaltung, Toleranz und Offenheit für unterschiedliche Wertungen”? Ist der Slogan “Ehe und Familie vor!” nicht im Kern ein Aufruf zur Bevorzugung von Ehe und Familie, der einen “positiven Zustimmungsakt” voraussetzt?“

    Ist halt die Frage, ob man den Slogan „Ehe und Familie vor!“ im Privaten vertritt, oder ob man fordert, den auch in der Schule zu verankern. Sollte letzteres der Fall sein, hättest du recht: Das wäre in der Tat ein Widerspruch. Wird das denn gefordert?

    Ich persönlich wäre ja dafür, nicht die Ehe, sondern Paare mit Kindern zu fördern, gleichgültig, ob die nun verheiratet sind, oder nicht. Denn was wir brauchen, sind nicht möglichst viele verheiratete Menschen, sondern Kinder, die in einem angemessenen Umfeld aufwachsen. Ehe sollte Privatsache sein – wer will der darf. Aber warum das finanzielle Förderung verdient, ist mir schleierhaft.

    • Adrian 4. Juli 2014 um 14:28 #

      „Wird das denn gefordert?“

      Ich kann es nur auf der Grundlage vermuten, dass die Petition sich ja gegen einen Bildungsplan richtet, der Slogan also als eine Alternative zum Bildungsplan angesehen werden könnte.

  2. Ralf 5. Juli 2014 um 14:32 #

    Ich akzeptiere ein Menschen- und Gesellschaftsbild, das in gleichberechtigter Partnerschaft zweier Menschen und deren Ergänzung durch Kinder zu einer Familie ein nach Möglichkeit anzustrebendes Ideal sieht. Welchen Geschlechts die Partner(innen) sind und von wem die Kinder biologisch abstammen, ist dabei aber egal, denn es geht um Liebe, gegenseitige Verantwortung und das Wohl der Kinder, nicht um Geschlechtsmerkmale der Partner(innen) oder genetische Herkunft des Nachwuchses. Sicher wird die übliche Vater-Mutter-Kind-Konstellation die Regel bleiben. Das will (und kann!) auch niemand ändern. Andere Zusammensetzung ist aber nicht weniger wert. Deshalb ist nicht zur Toleranz zu erziehen, d.h. zur Duldung dessen, was eigentlich einem Unwerturteil unterliegt, sondern zur Akzeptanz, d.h. zur Anerkennung dessen, was als gleichwertig zu begreifen erlernt werden muss.

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