Vom Recht, eine Schwuchtel zu sein

20 Sep

Liebe Julija Wolkowa,

ältere Semester werden Sie noch als einer der Sängerinnen eines durchschnittlich guten Gesangsduos namens  „t.A.T.u.“ kennen, eines Duos, das vor etwa einer Dekade mit einigen Hits und einem unglaubwürdigen Lesbenchic Furore gemacht hat.

Ich wende mich heute an Sie, weil ich kürzlich gelesen habe, dass Sie ihrem Image als russische Staatsbürgerin alle Ehre gemacht, indem Sie merkwürdige Dinge über schwule Männer erzählt haben.

„Würden Sie Ihren Sohn verurteilen, sollte er schwul werden?“ hat Sie der Moderator irgendeiner Show gefragt, eine Frage, die Sie vollmundig bejahten, mit der Begründung „Ich finde, dass ein Mann ein Mann bleiben muss“.

Das ist eine durchaus interessante Meinung. Persönlich habe ich immer geglaubt, ein (menschlicher) Mann zeichne sich durch ein X- und Y-Chromosom und die Produktion von Samenzellen aus. Sie, Frau Wolkowa, scheinen aber offenbar das Konzept des sozialen Geschlechts zu präferieren, welches postuliert, dass Männer und Frauen lediglich gesellschaftliche Konstruktionen seien, das Geschlecht also erst durch Gesellschaft und Verhalten gemacht wird.

Und als ob das nicht bereits rätselhaft genug wäre, haben Sie noch nachgelegt, indem Sie behaupteten, dass ein Mann kein Recht habe, eine Schwuchtel zu sein, weil es genügend verfügbare Schlampen gebe. Ob Sie mit letzterem auch sich selbst gemeint haben, darüber möchte ich nicht spekulieren, es ist mir auch egal, denn im Gegensatz zu Ihnen verteidige ich das Recht eines jeden Menschen so zu sein, wie er sein möchte, vorausgesetzt, er schadet niemand anderem.

Natürlich haben Sie, Frau Wolkowa, wie so viele Menschen, enorm viel schwule Freunde. Ihr Sohn allerdings möge doch bitte ein richtiger Mann werden, was in Ihren Augen offenbar bedeutet, seinen Penis in die Vaginas von möglichst vielen Schlampen zu stecken.

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, denn, wie gesagt, ich bin ein toleranter und offener Mensch und glaube, dass jeder das Recht hat, seinen Schwanz in soviel Schlampen zu stecken, wie er möchte, vorausgesetzt, es geschieht im gegenseitigen Einvernehmen. Selbstredend bin ich zudem ein großer Freund von Schlampen und schätze es, wenn Frauen Spaß am Sex mit Männern haben, und das nicht etwa, weil ich Sex mit Frauen mag, sondern weil ich die Einstellung nachvollziehen kann, dass Männer sexy, geil und großartig sind, und man gerne mit ihnen ins Bett geht.

Frau Wolkowa, es schmerzt mich nicht, dass Sie behaupten, meine Vorliebe für Männer, mache mich nicht zu einem richtigen Mann. Was hätte ich auch davon, in Ihren Augen ein richtiger Mann zu sein? Würde mir das irgendeinen Vorteil bringen?

Was mich aber durchaus schmerzt ist Ihr Postulat, ich hätte als Mann kein Recht eine Schwuchtel zu sein. Es schmerzt mich deshalb, weil ich im Gegenzug jederzeit Ihr Recht verteidigen würde, eine Lesbe, eine heterosexuelle Schlampe oder eine Liebhaberin von Käse zu sein.

Selbstredend kann ich Ihre Ansicht in gewisser Weise verstehen. Sie sind Bürgerin eines autoritären Versagerlandes, ein Landes welches zwischen Größenwahn und Impotenz schwankt und sich mit aller Macht gegen eine Verwestlichung sträubt. Dass Sie auf Grund Ihrer russischen Sozialisation eine gewisse Abneigung gegen individuelle Freiheit verspüren, kann ich demnach durchaus nachvollziehen.

Dennoch möchte ich Ihnen eine Weisheit mit auf den Weg geben, und hoffe, dass Sie ein wenig darüber nachdenken:

Das Recht eine Schwuchtel zu sein, ist das Recht eines Menschen, frei zu sein. Denn es beinhaltet das Recht konsensual andere Menschen zu lieben, mit ihnen zu leben und mit ihnen zu ficken. Wenn es dieses Recht nicht gibt, dann gibt es keine Freiheit. Weder für Sie, noch für mich, noch für irgendjemand anderen.

Dies bitte ich Sie, in Ihrem Herzen zu bedenken.

Mit freundlichen Grüßen,

Adrian

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10 Antworten to “Vom Recht, eine Schwuchtel zu sein”

  1. allsurfer4 21. September 2014 um 15:02 #

    Sorry, aber deine Begründung finde ich ein bissel weit hergeholt.
    Ich seh das ganz einfach so, dass Wolkowa sich mit ihrer Antwort nicht festlegen wollte.
    Warum sollte ein Schwuler kein richtiger Mann sein?
    Wie du das beschreibst, klingt das so, als ob der AKTIVE stets ein richtiger Mann sei, und der PASSIVE stets eine Schwuchtel.
    Das ist vollkommener Blödsinn. 😉

    • Adrian 21. September 2014 um 18:35 #

      @ allsurfer4

      Versteh ich nicht.

  2. allsurfer4 21. September 2014 um 20:34 #

    Nach deiner Aussage ist ein Typ eine Schwuchtel, wenn er sich passiv verhält.
    Von heterosexuellem Verhalten des Mannes hat die Wolkowa offenbar nichts gesagt, ihre Worte waren wohl sehr allgemein und sehr vage gehalten.
    Im Übrigen gibt es ja nicht nur richtige Männer und Schwuchteln.
    Ich finde wenn schon, dann sollte man das doch ein bissel differenzierter betrachten.
    Wer oder was ist denn eine Schwuchtel – sowas wie „Waltraud“ aus den bewegten Männern?
    Oder einer, der selbst a./p. ist?
    Oder……..am Tage schwer in der Gießerei am Arbeiten und nachts die Strapse an?
    Ich finde, du hast einfach mit ner Kanone auf Spatzen geschossen.
    Die Wolkowa hat sich doch nur mit einer sehr vage klingenden Antwort aus der Schlinge gezogen.

  3. Adrian 22. September 2014 um 11:55 #

    @ allsurfer4
    „Nach deiner Aussage ist ein Typ eine Schwuchtel, wenn er sich passiv verhält.“

    Wo steht das?

    „Wer oder was ist denn eine Schwuchtel – sowas wie “Waltraud” aus den bewegten Männern?“

    Inwiefern spielt das eine Rolle?

  4. allsurfer4 22. September 2014 um 12:49 #

    Du hast zwar geschrieben: „Das Recht, eine Schwuchtel zu sein“, aber definiert hast du diesen Begriff bisher nicht.
    Davon ganz abgesehen ist auch „eine Schwuchtel“ ein Mann.

    Es steht nirgends dass ein passiver Mann eine Schwuchtel sei, aber dein Text lässt es durchblicken.
    Du erlaubst dir doch auch, bei dem Gesagten der Leute gewissermaßen „zwischen den Zeilen zu lesen“ und das so gelesene hinzubiegen bis es dir passt.
    Offensichtlich hat die Wolkowa das Wort „Schwuchtel“ gar nicht gebraucht, wohl aber du.

  5. Adrian 22. September 2014 um 20:03 #

    @ allsurfer4
    Dass Wolkowa das Wort „Schwuchtel“ verwendet hat, steht in dem verlinkten Artikel der „Welt“.

  6. allsurfer4 23. September 2014 um 00:09 #

    Ich bin auf Umwegen an den Artikel gelangt.
    Sie hat es gesagt.
    Sie hat aber auch gesagt, dass sie keine Patriotin sei und sich damit in der Heimat in ein böses Licht gerückt.
    Hätte sie dann noch für Homosexuelle plädiert…………….
    Trotzdem ist dein Kanonenschuß ein Fehlschuß gewesen.
    Ein solcher Brief, so sie ihn denn bekäme, kann von ihr wohl nicht gelesen und noch viel weniger verstanden werden.

    • Adrian 23. September 2014 um 00:14 #

      @ allsurfer4
      Dir ist schon klar, dass ein „offener“ Brief ein stilistisches Mittel ist?

  7. allsurfer4 23. September 2014 um 11:44 #

    Ja natürlich, aber davon wird die Wolkowa nicht das Geringste mitbekommen und für dich ist es nichts weiter als ein Ventil.
    Andererseits werden ihr aber diese gemachten Aussagen zukünftig vielleicht noch einige Kopfschmerzen bereiten, weil sie ja sagte, dass sie Amerika liebe.
    Immerhin hat sie ihre Fangemeinde mit dem lesbischen Getue auf der Bühne verarscht und stellt sich jetzt als homophob dar.
    Solche Dinge mögen die Amis nicht, und nicht nur die……..

  8. ollischaefer 23. September 2014 um 20:57 #

    Also ich habe mich köstlich amüsiert, finde das sehr treffend und bin ganz neidisch auf Deine Formulierungskünste.

    Ich habe ehrlich gesagt auch nur ein sehr begrenztes Mitleid mit in der Öffentlichkeit stehenden Leuten, deren dummes Gequatsche möglicherweise später negative Folgen hat. Und wer ein derart loses Mundwerk wie Frau Wolkowa hat, wird sich damit auskennen.

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