Unnormal ist auch normal

21 Okt

Die abfälligen Äußerungen über Homosexualität des Bildungsexperten der hessischen CDU-Fraktion, Hans-Jürgen Irmer, haben heftige Proteste beim grünen Koalitionspartner und der Opposition ausgelöst. Irmer hatte in der „Frankfurter Neuen Presse“ am Montag gesagt: „Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt.“

Irmer hat recht. Homosexualität ist nicht normal, denn homosexuelle Menschen sind hinsichtlich ihrer Sexualität anders als die Mehrheit der Menschen.

Irmer hat nicht recht. Homosexualität ist normal, denn homosexuelle Menschen teilen mit etwa der Hälfte der Menschheit die sexuelle Vorliebe für ein bestimmtes Geschlecht.

Irmer hat nicht recht. Homosexualität ist normal, denn Homosexualität existiert.

Die SPD sprach von unerträglichen Aussagen.

Der Meinung darf die SPD ruhig sein. Allerdings behalte ich mir im Gegenzug die Meinung vor, diese Aussage durchaus für erträglich zu halten. Denn selbst wenn Irmer Recht hat und ich nicht normal bin, wäre das so schlimm? Ist Normalität Grundvoraussetzung für Leben, Freiheit und Streben nach Glück? Will ich wirklich so normal wie Heterosexuelle sein? Ist meine Existenz als Individuum nicht schon Ausdruck von Unnormalität per se? Sind wir also nicht alle irgendwie unnormal? Und damit geradezu erschreckend normal?

8 Antworten to “Unnormal ist auch normal”

  1. Andreas 21. Oktober 2014 um 11:50 #

    Abweichungen von der Norm sind normal. Das ist das Wesen von Norm.

    Wenn es von der Norm keine Abweichungen gäbe, wäre die Norm keine solche, sondern eine Totalität.

  2. WTF 21. Oktober 2014 um 12:47 #

    Die Aussage ist weder unerträglich, noch richtig oder falsch. Sie ist einfach nur dumm. Irmer und all jene, die Sexualität binär betrachten und dann das eine als richtig/normal und das andere als falsch/unnormal bezeichnen, haben sich noch nie wirklich mit Sexualität beschäftigt.
    Aber Irmer glaubt ja auch, dass der Herrgott bei der Fortpflanzung seine Finger im Spiel hat, was will man da anderes erwarten. Wie hieß es neulich in der heute-Show: „Die unbefleckte Empfängnis hat sich als Fortpflanzungsmethode leider nicht durchgesetzt.“

  3. tom174 21. Oktober 2014 um 12:56 #

    „Wenn zwei Menschen – egal ob homo- oder heterosexuell – einander lieben und füreinander Verantwortung übernehmen, ist es nicht nur normal, sondern auch gut so“, betonte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Angelika Dorn. „Nicht ganz so normal ist es, wenn einzelne das auch im Jahr 2014 immer noch nicht akzeptieren können.“
    Ist das wirklich die Normalität? Sind die Single-Haushalte nicht eher normal? Und selbst wenn zwei Menschen zusammenleben, übernehmen die dann immer Verantwortung miteinander?
    Wieso muss „normal“ was wertendes sein? „Normal“ ist nicht synonym mit „gut“ oder „richtig“.
    Für mich ist es „normal“ einer attraktiven Frau auf den Hintern zu schauen. Moralisch „gut“ findet das bestimmt nicht jeder.
    Und, mal ernsthaft, NIEMAND hier wird behaupten wollen, der Adrian wäre normal. Und das ist auch gut so.

  4. aranxo 21. Oktober 2014 um 13:24 #

    Das Problem an der Sache ist, dass der Begriff der Normalität so unterschiedlich gehandhabt und verstanden wird. Wenn man es wertfrei und ganz numerisch betrachtet, ist das normal, was eben in der überwiegenden Mehrzahl so passiert. Insofern ist Homosexualität nicht normal.

    Zum Problem wird es dann, wenn man anfängt, Normalität bzw. Abweichung auch einen Wertmaßstab zuzuordnen, also das Normale als höherwertig zu betrachten und das Abweichende als minderwertig. Das wird im umgangssprachlichen leider oft gemacht. Und viele Menschen haben leider die Einstellung, dass das Normale automatisch in irgendeiner Form besser sei. Was ein Trugschluss ist, denn gerade das Außergewöhnliche ist oftmals viel spannender, innovativer, lebendiger.

    Ich verstehe da oft die Schwulen-Community nicht, die unbedingt darauf besteht, auch normal sein zu wollen. Schließlich ist normal doch auch irgendwie ein Synonym für langweilig.

    Wenn man sich auf das Narrativ normal=in Ordnung, anormal=nicht in Ordnung einläßt, so wie die SPD, gibt man ja schon den Spießern nach. Die SPD unterstellt Irmer ja, dass er das Wort normal im Sinne einer Wertzuweisung benutzt hat. Nachdem er der „Herrgott“ ins Spiel bringt, der das doch eigentlich anders geregelt habe, könnte man auch darauf schließen. Trotzdem wäre es m.E. sinnvoller, das Wertzuweisungs-Narrativ zu bekämpfen als sich darauf einzulassen.

  5. LoMi 21. Oktober 2014 um 13:26 #

    Da kann man schnell in dem Topf mit Binsenweisheiten landen. Norm und Abweichung gehören natürlich zusammen, begrifflich. Das ist trivial. Interessant wird es, wie die Abweichung bewertet wird. Die Frage ist also, was Irmer für Schlussfolgerungen aus der „Unnormalität“ der Homosexualität zieht. Allein die Feststellung, dass sie nicht die Norm ist, ist noch kein Skandal. Aber Herr Irmer wird daraus politische Schlussfolgerungen ziehen. Ebenso wie Grüne und SPD.

  6. derdiebuchstabenzaehlt 21. Oktober 2014 um 14:17 #

    Ach Gottchen, die armen SPD Hanseln, mussten sich als Menschenrechtsteiler unerträgliche Aussagen anhören. Die muss ich bei Gelegenheit mal ganz dolle bedauern. Schniff.🙂

  7. petpanther 21. Oktober 2014 um 14:33 #

    Ein unerquickliches wie unergiebiges Gerede.

    Das von der „Normalität“ von Homosexualität. Niemand braucht diese gesellschaftliche Eichung. Das sind nämlich immer auch Bewertungsversuche.

    Offenbar nicht die Mehrheit und es gibt sie. Punkt. Ohne Wertung.

  8. Peter 21. Oktober 2014 um 14:53 #

    Jeder, und zwar ausnahmslos, entspricht in einigen Persönlichkeitsmerkmalen nicht der gesellschaftlichen Norm.
    Ich frage mich seit einigert Zeit, warum die Religiösen obsessiv alles, was sich um Sexualität dreht, werten, regulieren und kontrollieren wollen, also das Sexualverhalten insgesamt. Diese Obsessionen sind schon auffällig.

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