Ehe und Familie vor! Noch ein Tor!

21 Nov

In einem Beitrag als Antwort auf einen taz-Artikel zur Demonstrationen des Bündnisses „Ehe und Familie vor“ schreibt Prof. Dr. Günter Buchholz:

Übrigens, Herr Speit, Homosexualität ist weder links noch fortschrittlich noch gesellschaftlich nützlich noch wünschenswert.

Was Prof. Dr. Günter Buchholz für gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert hält, entscheidet er nicht alleine.

Homosexualität ist Homosexualität und als solche zu tolerieren, also ohne Diskriminierung (Art. 3 (3) GG) zu dulden.

Und dafür steht unter anderem der Bildungsplan. Denn Homosexualität dort außen vor zu lassen, wäre eine Diskriminierung.

Und Heterosexualität, Ehe und Familie sind nicht “rechts”, sondern schlicht für die biologische Reproduktion der Gesellschaft unverzichtbar.

Homosexuelle Menschen verhindern die Reproduktion der Gesellschaft nicht. Sie können hierzu sogar beitragen.

Das ist der Unterschied, und das ist die Begründung dafür, dass es den Art. 6 GG gibt; siehe unten. […]

„(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“

Das gilt demnach auch für Familien mit homosexuellen Eltern, mit homosexuellen Kindern und ebenso für die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare, die früher oder später kommen wird.

„(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“

Genau! Und zu dieser staatlichen Gemeinschaft gehören auch homosexuelle Menschen. Was bedeutet, dass auch wir ein Wörtchen bei der Kindererziehung mitzureden haben.

„(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.“

Dem steht Homosexualität nicht entgegen. Und auch der Bildungsplan nicht.

„(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.“

ebenda

in einem solchen Land bedarf es eines “Bündnisses für Ehe und Familie”, das eben hierfür demonstrieren will?

Nein, dessen bedarf es nicht. Denn in diesem Lande ist es durchaus erlaubt, sowohl eine Familie zu gründen, als auch eine Ehe einzugehen (zumindest sofern man nicht,einen Menschen des gleichen Geschlechtes ehelichen will, was de facto eine Diskriminierung darstellt, gegen die sich Prof. Dr. Günter Buchholz weiter oben ausgesprochen hat). Heterosexuelle Menschen haben demnach überhaupt gar keine Veranlassung für Ehe und Familie zu demonstrieren. Denn ihnen werden hierfür keinerlei Steine in den Weg gelegt.

Das alleine sagt eigentlich schon alles.

Ja, ich bin auch total erschüttert. Erst wird Homosexualität legalisiert und dann dürfen Heteros immer noch heiraten und Kinder bekommen. Wo soll das alles enden?

 

 

 

17 Antworten to “Ehe und Familie vor! Noch ein Tor!”

  1. derdiebuchstabenzaehlt 22. November 2014 um 00:40 #

    „Denn Homosexualität dort außen vor zu lassen, wäre eine Diskriminierung.“

    Warum sollte das eine Diskriminierung sein?

    • Adrian 22. November 2014 um 01:38 #

      @ ddbz
      „Warum sollte das eine Diskriminierung sein?“

      Weil es eine staatlich subventionierte Ungleichbehandlung wäre.

  2. fink 22. November 2014 um 02:39 #

    Ja, es gibt so Artikel, da muss man jeden einzelnen Satz vom Kopf auf die Füße stellen. Einen Satz finde ich hier besonders drollig; so viel Unsinn in so wenige Worte zu packen, das muss man erst mal hinkriegen:

    „Und Heterosexualität, Ehe und Familie sind nicht ‚rechts‘, sondern schlicht für die biologische Reproduktion der Gesellschaft unverzichtbar.“

    Zur Reproduktion müssen eine Ei- und eine Samenzelle zusammentreffen, ein Embryo entstehen, ein Kind geboren und aufgezogen werden. Heterosexualität ist hierfür zugegebenermaßen recht hilfreich, aber keineswegs unverzichtbar. Der Eisprung setzt nicht erst nach dem Glockengebimmel ein, es sei denn, ich habe im Aufklärungsunterricht irgendetwas völlig missverstanden. Und eine Familie ist ja doch eher die Folge und nicht die Ursache biologischer Reproduktion.

    Und mal im Ernst: So einer ist Professor?

  3. derdiebuchstabenzaehlt 22. November 2014 um 09:54 #

    Warum wäre das denn ein Ungleichbehandlung? Steht denn JEDE sexuelle Ausrichtung im Bildungsplan und wird JEDE diese Lebensmodelle gleich lange behandelt oder dies im Bildungsplan gefordert? Ist es Aufgabe eines Bildungsplans Akzeptanz lehren zu fordern? Sind ALLE Bildungspläne wo dies nicht drinsteht etwa Diskriminierungspläne?

    Ich glaube ernsthaft hier gehst Du weit über das Ziel hinaus …

    • Adrian 22. November 2014 um 10:09 #

      @ ddbz
      Wenn in Schulen Heterosexualität behandelt wird, Himosexualität aber nicht, dann ist das selbstverständlich eine Ungleichbehandlung. Und ja, meines Erachtens sollte man sich mit allen „sexuellen Ausrichtungen“ beschäftigen. Ja und ich finde auch, dass man Schüler dazu befähigen sollte, andere „Lebensmodelle“ zumindest zu tolerieren. Wie man das im Detail tut, überlasse ich dabei gerne den Pädagogen.

  4. HansG 22. November 2014 um 10:33 #

    Was Prof. Dr. Günter Buchholz für gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert hält, entscheidet er nicht alleine.

    Auch wenn’s Wortklauberei ist. Doch! Wer soll den sonst für ihn entscheiden?

    So ganz Unrecht hat er damit allerdings nicht. In welcher Form ist Homosexualität den gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert? Allerdings ist das Heterosexualität per se ebenso wenig. Denn da muss ich dir Recht geben. Eine rein homosexuelle Gesellschaft könnte sich ebenso fortpflanzen. Der Unterschied besteht eigentlich nur darin, dass Fortpflanzung durch Heterosexualität begünstigt wird. Dein Partner wird dir wohl kaum eines Tages unverhofft mitteilen, dass er schwanger ist.

    • Adrian 22. November 2014 um 11:04 #

      @ HansG
      „In welcher Form ist Homosexualität den gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert?“

      Keine Ahnung. Ich beschäftige mich üblicherweise nicht damit, ob andere meine Sexualität für wünschenswert oder nützlich halten.

  5. Ralf 22. November 2014 um 13:27 #

    Da muss mal wieder das Wort ausgetauscht werden, also: Inwiefern ist es gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert, einer bestimmten oder gar keiner Religion anzugehören? Ein bestimmtes Geschlecht oder Lebensalter zu haben? Behindert zu sein oder nicht? Von bestimmter Abstammung, Herkunft oder Hautfarbe zu sein? – Richtig: All das ist in keiner Weise gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert, denn es ist gänzlich irrelevant. Nur bei der sexuellen Orientierung wird diese Frage aufgeworfen. Keinem Christen, keinem Schwarzen, keinem Juden, keinem Sinto, keinem Behinderten, keiner Frau, keinem Greis, keinem Asiaten würde man in Deutschland die Frage zu stellen wagen, inwiefern sein besonderes Persönlichkeitsmerkmal gesellschaftlich nützlich oder wünschenswert sei. Diesen Anwurf sollen sich nur Schwule und Lesben gefallen lassen müssen. Gesellschaftlich wünschenswert und nützlich ist nur eines: gegenseitige Akzeptanz aller.

  6. derdiebuchstabenzaehlt 22. November 2014 um 14:49 #

    @ Adrian

    Warum sollten sich Schulen überhaupt mit sowas beschäftigen?

    Toleranz? In Schulen? Bei uns? Per Genderlehrplan? Selten sooo gelacht! Träum schön weiter …🙂

  7. tom174 22. November 2014 um 15:06 #

    Gibt es eigentlich irgendwo einen fertigen Bildungsplan? Würde mir gerne mal einen anschauen. Ich finde es nämlich absolut wünschenswert, dass den Kids erklärt wird, dass es noch mehr als die Frau-Mann Beziehungen gibt, und dass das völlig ok ist.
    Meine Sorge ist aber, dass sich da ein Lehrx vorstellt und erklärt, warum Lehrerinnen und Lehrer was Schreckliches ist. Warum es falsch ist, dass es Brüste in den Zeitungen zu sehen gibt. Ich kann ja verstehen, wenn ein Adrian dann auch Ärsche fordert (Quotierung? 1 männlicher hintern auf 5 Brüste?)

    • Adrian 22. November 2014 um 15:12 #

      @ tom174
      Mit einem Hintern auf sechs Brüste (3×2) könnte ich leben.

      • tom174 22. November 2014 um 15:17 #

        ich wäre auch für 1:2 zu haben. Soll ja auch frauen, geben, die Hintern mögen. Oder wir hören mit der männerdiskrinierenden Kacke komplett auf und machen nur noch hintern.

  8. Blub 23. November 2014 um 14:36 #

    Da sie biologisch vorkommt, scheint Homosexualität wohl doch nützlich zu sein. Also, die Natur meint das. Das zentrale Staatsplanungsorgan, von dem Konservative in dem Kontext ganz sozialistisch träumen, mag das anders sehen, so what. Ich würde mir hier etwas kohärentere Meinungen wünschen.

    Ich denke aus Sicht der Natur gibt es keinen echten Mangel an möglichen Kindern. Die Heteros haben eigentlich genug Austragekapazität. Vorteil von Homosexualität könnte ähnlich gesehen werden wie bei katholischen Priestern, Entlastung bei Erziehung in der Gemeinschaft sowie Freiraum für allgemeingesellschaftliche Aufgaben.

    Ich halte es auch für robuster, wenn eine Spezies beim Erkennen, mit wem genau nur Sex gehabt werden darf, nicht zu pingelig ist. Wenn sich leicht was ändert, stirbt sie sonst schnell aus.

  9. HansG 23. November 2014 um 15:08 #

    @Blub
    Es gibt tatsächlich Theorien, nach denen Homosexualität häufiger auftritt wenn eine Population ihre natürliche Wachstumsgrenze erreicht. Demnach handelt es sich dabei um eine natürliche Geburtenkontrolle. Und tatsächlich steigt die statistische Wahrscheinlichkeit für homosexuelle Neigungen mit der Anzahl älterer Brüder mit der gleichen Mutter an. Ob das auch für Mädchen gilt ging aus dem Artikel leider nicht hervor. Den Link habe ich im Moment auch nicht zur Hand.

    Die von dir genannten »Vorteile« würden allerdings nur dann greifen, wenn man Adoption oder allgemein die Fortpflanzung für Homos verbietet.

  10. crumar 26. November 2014 um 07:54 #

    @Adrian und andere

    Wenn man Buchholz vorführen möchte, dann natürlich am besten selektiv zitieren und den Worten einen Sinn unterstellen, der offensichtlich nicht gemeint wurde.

    Sein Eingangssatz: „Übrigens, Herr Speit, Homosexualität ist weder links noch fortschrittlich noch gesellschaftlich nützlich noch wünschenswert.“

    Bezieht sich ganz klar darauf, die sexuelle Orientierung „Homosexualität“ zu einem Popanz aufzublasen, als hätte ein Schwuler per se oder wäre die Verkörperung einer fortschrittlichen Haltung.
    Von Beust, Wowereit, Westerwelle – alles Fortschritt.
    „Schwul“ ist einfach schwul – es ist keine politische Orientierung, es ist noch nicht einmal eine Meinung

    Dass dieser alberne Ansatz, sich selbst für das Zentrum des gesellschaftlichen Fortschritts zu halten, identitätsbildend für die Szene geworden ist (siehe queer), ist nicht das Problem von Buchholz.

    Er kritisiert in einem in dem Kommentar verlinkten Beitrag die hinter der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ steckende Ideologie:

    „Und es geht auch nicht nur um A k z e p t a n z, also um eine positiv-unterstützende Wertschätzung von Homosexualität, die gewährt aber nicht eingefordert werden kann. Ja, es geht nicht einmal nur um die “Normalisierung der Homosexualität”, durch die diese quasi unterschiedslos und ´gleich´ neben der Heterosexualität stünde.

    Sondern es geht, jedenfalls so wie ich die Literatur hierzu verstanden habe, darüber noch hinaus um die Durchsetzung der Homosexualität als Neue Normalsexualität, die die “Zwangsheterosexualität” ersetzen soll.“

    D.h. es geht ihm um den ebenfalls identitätsbildenden Begriff der „Zwangsheterosexualität“, der faktisch unterstellt, erst gesellschaftliche Verhältnisse, genauer gesagt repressiver Zwang führe zur Heterosexualität.

    Womit dem Ziel einer „Befreiung“ die Unterstellung eingeschrieben ist, die noch zu Befreienden hätten eine andere sexuelle Orientierung, als sie tatsächlich haben.
    Also eine „uneigentliche“ sexuelle Orientierung, die ihnen gesellschaftlich bloß aufgezwungen worden ist.

    Das ist „blank slate“ auf der Ebene der sexuellen Orientierung, als könntest du dir deine sexuelle Orientierung aussuchen und nur die Gesellschaft hindert dich daran.

    Aber weiter und warum dies ein ständiges Ärgernis ist: Womit die Befreier und Befreierinnen der dumpfen Massen sehr viel besser wissen, was die „eigentliche“ sexuelle Orientierung der Gesellschaft ist.
    Und da trifft es sich natürlich, dass die sexuelle Orientierung der Befreier und Befreierinnen sie zu genau der „revolutionären Avantgarde“ gemacht hat, die sie selbst in die Lage versetzt, den dumpfen Massen zu erzählen was eine „eigentliche“ Sexualität ist.
    Selbstermächtigung.

    Dass die dumpfen Massen diese Mischung aus arroganter Anmaßung, Narzissmus und bloß gewendeter katholischer Kirche (die auch sehr genau weiß, wie eine „eigentliche“ Sexualität auszusehen hat) irgendwann ablehnen ist für mich ziemlich klar.

    Wenn Buchholz das kritisiert, dann hat er Recht.

    Schönen Gruß, crumar

  11. Yadgar 26. November 2014 um 17:34 #

    @crumar:

    Mal eine Offtopic-Frage: welches Modell spielst du eigentlich? Eine Haven, oder doch eher T2/T3/Organizer? Als Elektroorgel- und Synthesizer-Freak kann ich bei deinem Nickname einfach nicht anders, als danach zu fragen…

  12. crumar 26. November 2014 um 20:34 #

    @Yadgar
    Schon klar!

    Es war einmal ein „Crumar Spirit“, den hatte ich zusammen mit ein paar kleinen Korgs.
    Billig geschossen – es wollte einfach keiner mehr so etwas haben.

    Dann eine Turtle Beach Tropez für meinen PC mit sagenhaften 12 (zwölf!) MB (Megabyte!) Speicher für die Soundbänke gekauft und brauchte Geld.
    Und so verschwand er und sie aus meinem Leben…die heutigen Preise allerdings…nun ja, konnte ja niemand ahnen.

    Später auf der Suche nach einen Nick aus mit „mare“ als Bestandteil; selbstverständlich alles schon belegt.
    Unbewusst muss mir wohl die kleine Kiste eingefallen sein und tatsächlich ist das alles schon so lange her, mich haben inzwischen lediglich zwei Menschen (du bist der zweite) auf diesen Nick angesprochen!😉

    Gruß, crumar

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