Archive | Moral und Ethik RSS feed for this section

Christlich besorgte Muttis

19 Mär

Die Vorsitzende von “Christian Concern”, einer britischen christlichen Fundi-Organisation, lässt uns an ihren Weisheiten teilhaben:

Gleichgeschlechtliche Paare mit einem Baby, welches sie über Reproduktionsmedizin erhalten, verweigern diesem Kind bewusst einer Mutter oder einem Vater. [“Same-sex couples having a baby by way of reproductive medicine are deliberately depriving a child of either a mother or a father.”]

Ja, und heterosexuelle Eltern mit einem Baby, verweigern diesem Kind bewusst zwei Mütter oder zwei Väter. Weiterlesen

Dulden heißt beleidigen

17 Mär

Die Ebene der Toleranz hat man dabei schon lange verlassen. Das Schlagwort der Stunde ist Akzeptanz. Diese duldet nämlich keinen Widerspruch. Es ist schon erstaunlich, dass bei den Diskussionen in allen Bundesländern, die derzeit mit der Überarbeitung ihrer Bildungspläne hin zur Akzeptanz sexueller Vielfalt befasst sind, gelebte Toleranz mittlerweile als ausgrenzendes Handeln definiert wird. Denn wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, erlaubt sich noch eine abweichende Meinung. Wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, widerspricht der neuen Marschrichtung. Wo aber Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime mit staatlichem Auftrag zur Akzeptanz einer bestimmten Meinung auf Linie getrimmt werden sollen, ist für tolerantes Denken kein Platz mehr. Dort ist nur noch Platz für eine Meinung, durchgepaukt von einer Minderheit. Gelebte Demokratie ist das dann allerdings nicht mehr.

“Gelebte Demokratie” im Sinne von Birgit Kelle ist der Anspruch der Mehrheit, das eigene Leben als gesellschaftliches Ideal propagiert sehen zu wollen; ist der Anspruch der Mehrheit auf bedingungslose Akzeptanz, während man sich gleichzeitig das Recht herausnehmen möchte, alle anderen lediglich zu tolerieren, weil diese ja nur eine Minderheit darstellen.

Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime werden staatlicherseits zur Akzeptanz der Meinung getrimmt, dass Heterosexualität und Cisgender zu akzeptieren sind.

Warum der Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität dann aber lediglich Toleranz zukommen soll, kann wohl nur demjenigen einleuchten, der etwas gegen Homo- und Bisexuelle, sowie Trans* und Inter* hat.

Denn hätte man nichts gegen diese, bräuchte man sie nicht lediglich zu tolerieren.

“A good unto itself”

12 Mär

“The freedom to speak one’s mind is not only an aspect of individual liberty – and thus a good unto itself – but also is essential to the common quest for truth and the vitality of society as a whole.”

Supreme Court der USA – Hustler Magazine v. Falwell (1988)

In der Schweiz wird die Meinungsfreiheit demnächst weiter eingeschränkt werden. Selbstverständlich unter Berufung auf höhere Ziele:

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe drohen demnach jedem, der eine “angebotene Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einer Person oder einer Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung verweigert”.

Während man dies noch tolerieren könnte, weil es hier um öffentliche Dienstleistungen geht (obwohl es m. E. durchaus das Recht eines jeden privaten Dienstleisters ist, Dienstleistungen zu verweigern), bin ich mit folgendem Abschnitt des Gesetzesentwurfes absolut nicht einverstanden: Weiterlesen

Krass und reaktionär?

10 Mär

In der “Welt” habe ich gerade den Artikel einer lesbischen Frau gelesen, die über die Schwierigkeiten und Zumutungen in unserer heteronormativen Gesellschaft berichtet. An dem Artikel habe ich grundsätzlich nichts zu kritisieren, möchte aber eine Frage der Autorin herausgreifen, weil diese mir merkwürdig vorkommt.

Zunächst einmal der Zusammenhang:

“Es gibt Dinge, die kannst du nicht überwinden. Kerle wollen was anderes als Frauen.” Ich höre zu, sie fährt fort: “Solche Probleme habt ihr natürlich nicht. Ich wünschte manchmal, ich wär auch lesbisch.” Und fügt erbarmungslos hinzu, dass es ja viele Turbofeministinnen gebe, die sich ganz bewusst für eine Frau entschieden, weil sie Männer als Beschränkung ihrer Selbstverwirklichung ablehnten.

Ich kratze mir den Kopf, sage: “Ach, echt?”, und füge, statt zu widersprechen, irgendeinen pseudoprovokanten Scherz zum Thema “Frauenfeindlichkeit unter Lesben” hinzu. Erst zehn Stunden zu spät und mitten in der Nacht komme ich auf einen wichtigen Gedanken: Ist es nicht die krasseste unter den reaktionären Ansichten über Homosexualität, man könne sich aus marktwirtschaftlichen Motiven für oder gegen sie entscheiden? So wie man sich für eine Partei entscheidet oder eine Wohnzimmereinrichtung? Homosexualität ist in den Augen dieser jungen, aufgeklärten und links orientierten Frau offenbar bloß ein fauler Ausweg aus der Gendermisere.

Die Frage lautet also:

“Ist es nicht die krasseste unter den reaktionären Ansichten über Homosexualität, man könne sich aus marktwirtschaftlichen Motiven für oder gegen sie entscheiden? So wie man sich für eine Partei entscheidet oder eine Wohnzimmereinrichtung?”

Ich möchte diese Frage gerne mit einem überzeugten “nein” beantworten, weil ich diese Ansicht weder für sonderlich krass noch reaktionär halte. Warum? Weiterlesen

Gleichberechtigung und so

7 Mär

Nach der Frauenquote für Vorstandsposten dürfen wir von Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (welches die Geschlechtsdiskriminierung bereits im Namen trägt) weiteren Aktionismus erwarten.

So teilt uns Manuela Schwesig, die am 8. März vor der UNO sprechen wird, mit:

“Mir ist wichtig, dass wir in der Frauenpolitik auch international wieder Verantwortung übernehmen. Kein einziges Land hat die Gleichberechtigung von Frauen vollständig umgesetzt.”

Es dürfte schwer fallen, ein westliches Land zu finden, in dem Männer und Frauen nicht gleichberechtigt sind. Allerdings: vor dem Gesetz gleich sind Männer und Frauen auch in Deutschland nicht. Hierzu drei Beispiele: Weiterlesen

Sweet Home Alabama

5 Mär
Governor_George_Wallace_stands_defiant_at_the_University_of_Alabama

Gouverneur George Wallace (links) und der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten, Nicholas Katzenbach, (rechts) bei ihrer Konfrontation am Eingang zur Universität von Alabama (11. Juni 1963)

Obiges Bild zeigt George Wallace, den ehemaligen Gouverneur von Alabama, wie er die Tür zur Universität des Bundesstaates blockiert, um demonstrativ gegen die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts der Vereinigten Staaten zu protestieren, welches  die Segregation von Schwarzen und Weißen für verfassungswidrig und damit illegal erklärt hatte. Durch diese Aktion wurden Wallace und das Foto weltweit bekannt und zum Symbol eines offen rassistischen Systems.

Es ist erstaunlich, wie wenig Alabama aus seiner Vergangenheit gelernt hat. Und noch erstaunlicher ist, wie unschuldig und selbstgerecht sich die führenden politischen Eliten des Staates angesichts einer derartigen Historie generieren, wenn es um einen durchaus ähnlichen Fall geht: Weiterlesen

Reaktionäre Realität

3 Mär

Unter vielen queerbewegten Menschen gibt es den Wunschtraum, die Einteilung der Menschen in Geschlechtskategorien hinter sich zu lassen und sich eine Welt zu imaginieren, in der Geschlecht, Sexualität und sexuelle Orientierungen keine Rolle mehr spielen. Beispielhaft sei hier Marco Höne, zitiert, seines Zeichens Landesgeschäftsführer der Linkspartei in Schleswig-Holstein:

Morgen wartet nicht weniger als die Chance auf eine neue sexuelle Revolution auf uns. Es geht um die Entgrenzung der sexuellen Identitäten. Spätestens Conchita Wurst hat einer breiten Öffentlichkeit vorgelegt, dass die alten Schubladen nicht mehr passen, um Wirklichkeit abzubilden. Politisch korrekte Sprache wird zu einer immer längeren Abkürzungskette – natürlich gegendert und mit Sternchen. Wir sind dabei, die ehemals schlichten kategorischen Grenzen (Mann/Frau, Homo-/Heterosexuell) aufzutrennen und hinter uns zu lassen. Wir sprengen die Schubladen, die uns beschränken. Wie bei der Loslösung der Sexualität von der Reproduktion bietet sich die Chance auf ein ganz neues Erleben sexueller und geschlechtlicher Wirklichkeit.

Klassisch linkes Denken hat sich nicht sonderlich gewandelt. Es geht immer ums Ganze: Eine Revolution zur Umsetzung einer Utopie, zur Durchsetzung einer strahlenden Zukunft, in der dann alle Probleme gelöst sind.

Als Homo mag man dieser Utopie etwas abgewinnen können. Es ist in gewisser Weise verständlich, sein eigenes identitäres Bewusstsein als Minderheit hinter sich lassen zu wollen, indem man Identitäten an sich hinterfragt. Es ist in gewisser Weise verständlich, Sexualitäten und  Geschlechtlichkeit dekonstruieren zu wollen, weil die eigene Sexualität dann nicht mehr von der Mehrheit abweicht, sondern selbst Teil der Mehrheit wird.

Aber es wird dauerhaft nicht funktionieren. Und das aus sehr einfachen Gründen: Weiterlesen

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