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Bis hierher und wie weiter?

22 Jun

In den letzten Tagen gab es viele Gelegenheiten, um seine Vorurteile gegenüber „dem Islam“ zu bestätigen. Man musste nur ausreichend Fakten ausblenden, dann war Orlando „ein weiterer Beweis dafür, dass der Islam der Welt nichts als Unfrieden bringt“.

Wenn man es schaffte, seine Augen und Ohren etwas weiter zu stellen, konnte man die Welt differenzierter wahrnehmen. Vor gut 10 Jahren hätte ich mich vermutlich in der ersten Beschreibung wiedergefunden. Wir waren damals überzeugt davon, dass „der Islam“ keine Religion des Friedens ist, eine derartige Aussage schien uns nur ironisch möglich. Wir waren überzeugt davon, dass „der Islam“ für die offene Gesellschaft eine einzige Bedrohung ist. „Der Islam“ erschien uns als ein monolithischer Block, in dem es so gut wie keine differenzierten Meinungen gab. Ich kann heute nicht mehr im Einzelnen nachvollziehen, was von dem, was ich damals in diesem Blog geschrieben habe, von der Realität gedeckt war und was eher unseren Angstphantasien entsprang, zumindest in der Interpretation, die wir dem Geschehen in der Welt gaben. Es gibt eine ganze Reihe von Beiträgen aus dieser Zeit, die ich heute nicht mehr (so) schreiben würde. Einige davon habe ich in den letzten Jahren gelöscht, andere habe ich stehen lassen.

Doch was ist passiert, das meine Meinung, meine Sicht auf die Welt, auch auf die Welt des Islam so verändert hat? Weiterlesen

Dulden heißt beleidigen

17 Mrz

Die Ebene der Toleranz hat man dabei schon lange verlassen. Das Schlagwort der Stunde ist Akzeptanz. Diese duldet nämlich keinen Widerspruch. Es ist schon erstaunlich, dass bei den Diskussionen in allen Bundesländern, die derzeit mit der Überarbeitung ihrer Bildungspläne hin zur Akzeptanz sexueller Vielfalt befasst sind, gelebte Toleranz mittlerweile als ausgrenzendes Handeln definiert wird. Denn wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, erlaubt sich noch eine abweichende Meinung. Wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, widerspricht der neuen Marschrichtung. Wo aber Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime mit staatlichem Auftrag zur Akzeptanz einer bestimmten Meinung auf Linie getrimmt werden sollen, ist für tolerantes Denken kein Platz mehr. Dort ist nur noch Platz für eine Meinung, durchgepaukt von einer Minderheit. Gelebte Demokratie ist das dann allerdings nicht mehr.

„Gelebte Demokratie“ im Sinne von Birgit Kelle ist der Anspruch der Mehrheit, das eigene Leben als gesellschaftliches Ideal propagiert sehen zu wollen; ist der Anspruch der Mehrheit auf bedingungslose Akzeptanz, während man sich gleichzeitig das Recht herausnehmen möchte, alle anderen lediglich zu tolerieren, weil diese ja nur eine Minderheit darstellen.

Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime werden staatlicherseits zur Akzeptanz der Meinung getrimmt, dass Heterosexualität und Cisgender zu akzeptieren sind.

Warum der Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität dann aber lediglich Toleranz zukommen soll, kann wohl nur demjenigen einleuchten, der etwas gegen Homo- und Bisexuelle, sowie Trans* und Inter* hat.

Denn hätte man nichts gegen diese, bräuchte man sie nicht lediglich zu tolerieren.

Frauen und Homos und andere Probleme

11 Mrz

Wollen wir ein wenig Opferolympiade spielen? Okay, Madonna, leg los:

„Frauen sind immer noch die am stärksten marginalisierte Gruppe.“ [“Women are still the most marginalised group.”]

Sie sind immer noch die Gruppe, denen es nicht erlaubt wird, sich zu ändern.“ [“They’re still the group that people won’t let change.”]

„Die Rechte von Homosexuellen sind viel fortgeschrittener als die Rechte der Frauen. Die Menschen sind viel aufgeschlossener gegenüber Homosexuellen, als gegenüber Frauen. Punktum.“ [“Gay rights are way more advanced than women’s rights. People are a lot more open-minded to the gay community than they are to women, period.”]

Es hat sich viel getan, for die Homosexuellen, für die Afroamerikaner, aber Frauen „are still just trading on their as“ [ich weiß leider nicht, wie man diese Redewendung einigermaßen stimmig übersetzen soll, die Intention sollte aber klar sein, A.] Die letzte große Herausforderung, das sind für mich die Rechte von Frauen.” [“It’s moved along for the gay community, for the African-American community, but women are still just trading on their ass. To me, the last great frontier is women.”]

„[Als Frau] wird  man immer noch in Schubladen gesteckt ist man immer noch entweder Heilige oder Hure. Wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, ist es einem nicht erlaubt, seine Sexualität zum Ausdruck zu bringen, wird es einem nicht erlaubt Single zu sein, oder jüngere Männer zu daten.“ [“You’re still categorized — you’re still either a virgin or a whore. If you’re a certain age, you’re not allowed to express your sexuality, be single, or date younger men.”]

Ich lass das jetzt einfach mal so stehen. Habe keine Lust mitzuspielen. Bin sicher, die Reaktionen werden auch so folgen.

Gleichberechtigung und so

7 Mrz

Nach der Frauenquote für Vorstandsposten dürfen wir von Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (welches die Geschlechtsdiskriminierung bereits im Namen trägt) weiteren Aktionismus erwarten.

So teilt uns Manuela Schwesig, die am 8. März vor der UNO sprechen wird, mit:

„Mir ist wichtig, dass wir in der Frauenpolitik auch international wieder Verantwortung übernehmen. Kein einziges Land hat die Gleichberechtigung von Frauen vollständig umgesetzt.“

Es dürfte schwer fallen, ein westliches Land zu finden, in dem Männer und Frauen nicht gleichberechtigt sind. Allerdings: vor dem Gesetz gleich sind Männer und Frauen auch in Deutschland nicht. Hierzu drei Beispiele: Weiterlesen

Sweet Home Alabama

5 Mrz
Governor_George_Wallace_stands_defiant_at_the_University_of_Alabama

Gouverneur George Wallace (links) und der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten, Nicholas Katzenbach, (rechts) bei ihrer Konfrontation am Eingang zur Universität von Alabama (11. Juni 1963)

Obiges Bild zeigt George Wallace, den ehemaligen Gouverneur von Alabama, wie er die Tür zur Universität des Bundesstaates blockiert, um demonstrativ gegen die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts der Vereinigten Staaten zu protestieren, welches  die Segregation von Schwarzen und Weißen für verfassungswidrig und damit illegal erklärt hatte. Durch diese Aktion wurden Wallace und das Foto weltweit bekannt und zum Symbol eines offen rassistischen Systems.

Es ist erstaunlich, wie wenig Alabama aus seiner Vergangenheit gelernt hat. Und noch erstaunlicher ist, wie unschuldig und selbstgerecht sich die führenden politischen Eliten des Staates angesichts einer derartigen Historie generieren, wenn es um einen durchaus ähnlichen Fall geht: Weiterlesen

In Vielfalt Fernsehen

21 Feb
Bundesländer für alle!

Bundesländer für alle!

Zuweilen hat man den Eindruck, die Bundesrepublik Deutschland ist kein Land, sondern ein Kasperletheater:

Gegen den geplanten neuen Staatsvertrag für das ZDF regt sich heftige Kritik seitens des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD. Laut Vorstandsfrau Henny Engels sei der mit der Reform einhergehende Ausschluss von Schwulen und Lesben „unfassbar“.

Unfassbar finde ich es eher, dass es überhaupt Staatsverträge mit Medien gibt.

Das neue Regelwerk sieht vor, dass jedes Bundesland künftig in den Fernsehrat einen Vertreter einer gesellschaftlichen Gruppe entsendet. So übernimmt Hessen die “Migranten”, Rheinland-Pfalz schickt einen Vertreter der “Menschen mit Behinderung” und Sachsen-Anhalt einen für “Heimat und Brauchtum”. Damit soll der Sender nach Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts “staatsferner” gestaltet werden.

Soso, jedes Bundesland soll also demnächst eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe in den Fernsehrat entsenden, um das ZDf „staatsferner“ zu gestalten. Wäre es diesem Ziel nicht förderlicher, man privatisert das ZDF und schafft Staatsverträge und Fernsehräte ab? Weiterlesen

Hinfort mit Artikel 6!

20 Feb
Ich bin kein Freund des deutschen Grundgesetzes. Ich halte es als Verfassung für eher schlecht und eines liberalen Rechtsstaates für unwürdig. Einer der Gründe für diese Auffassung ist dabei der Artikel 6 des Grundgesetzes, und zwar vor allem der dazugehörige Absatz 1, in dem es heißt:

Die Frage die sich mir jedes Mal stellt, wenn ich diesen Satz lese, ist ein simples: „Warum?“ Weiterlesen

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