Tag Archives: Abtreibung

Abtreibung als Selbstbestimmung?

28 Sep

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mit konservativen Christen nichts und mit Religion nur wenig anfangen kann. Insofern zeige ich keinerlei Symapthie mit den Anliegen, die auf dem „Marsch für das Leben“ artikuliert werden, der am vorherigen Wochenende in Berlin stattfand.

Die Veranstalter der Gegenkundgebung zogen für ihre Sache jedenfalls eine positive Bilanz:

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung zog ein positives Resümee der Kundgebung. “Religiöse Vorstellungen einzelner Gruppen dürfen in einer freiheitlichen Gesellschaft niemals wieder zum moralischen oder gar gesetzlichen Maßstab für das Leben aller Menschen werden” sagte Sybill Schulz vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung gleich im Anschluss an die Kundgebung. Sie betonte, dass Mädchen und Frauen, ob homosexuell oder heterosexuell, heute prinzipiell ihre individuelle Sexualität und Familienplanung frei und selbstbestimmt leben können. Dies ist eine über mehr als 200 Jahre erkämpfte Errungenschaft. Und deshalb – so Schulz “dürfen wir das Recht auf freie Entscheidung nicht dem Zeitgeist opfern, der unter dem Eindruck des demographischen Wandels, aufgeheizter Debatten um Migration und einer allgemeinen sozialen Krise steht.”

Prinzipiell würde ich dieses Statement unterschreiben, zumal angesichts von Kreuz schwenkenden Christen, die einen Gott verehren, der der Meinung ist, meine sexuelle Vorliebe für Männer machen mich zu einem Untermenschen. Weiterlesen

Mein Leben, meine Entscheidung, Dein Geld

1 Jul

Genderama schreibt:

Der Oberste Gerichtshof der USA hat entschieden: Wenn ein Arbeitgeber aufgrund seiner religiösen oder moralischen Einstellung Probleme damit hat, seinen weiblichen Angestellten Medikamente zu finanzieren, die Abtreibungen auslösen, kann er nicht dazu gezwungen werden.

Viele Frauen, Feministen, und generell die politische Linke der USA, zeigen sich über das Urteil empört. Aber warum eigentlich? Wieso soll ein Arbeitgeber die Verhütungsmittel seiner Angestellten bezahlen? Habe ich als Mann im Gegenzug auch ein Recht darauf, dass meine Firma mir kostenlose Kondome zur Verfügung stellt?

Liebe Frauen, Ihr habt das Recht auf Verhütungsmittel. Aber Ihr habt kein Recht darauf, dass andere für Eure Verhütungsmittel bezahlen.

Abtreibungskliniken sind keine Bühne

6 Apr

Natürlich genießen Abtreibungsgegner absolute Meinungsfreiheit. Das heißt aber nicht, dass sie auch vor Abtreibungskliniken „Bürgersteigberatungen“ betreiben dürfen. Ann Furedi, Geschäftsführerin der britischen Schwangerschaftsberatung bpas, über widerstreitende Rechte und Freiheiten: Weiterlesen

Was hat der Kampf gegen Rechtsextremismus mit Abtreibung zu tun?

28 Nov

Nichts, meinen Sie? Helmut Matthies scheint das anders zu sehen und so nutzt er die Gelegenheit, um den Rechtsextremismus gleichzeitig zu funktionalisieren und zu verharmlosen. Im Editorial der letzten Ausgabe von ideaSpektrum fällt ihm angesichts der

mindestens zehn Morde, die in acht Jahren mutmaßlich von der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ begangen wurden,

erstens ein,

dass „Rechte“ angesichts kirchlicher Stellungnahmen den Eindruck haben, ihnen werde ohnehin die Menschenwürde abgesprochen

und zweitens, dass die EKD sich nun, ebenso wie gegen Rechtsextremismus auch gegen Abtreibungen äußern müßte: Weiterlesen

Raus aus dem Bundestag

26 Jan

Während in Großbritannien die Privatautonomie unter dem Deckmantel der Antidiskriminierung ausgehebelt wird, geht ein evangelischer Pastor in Deutschland jetzt noch weiter. Hartwig Hohnsbein heißt der Mann und er mag keine Evangelikalen. Diese gingen

mit der Bibel gegen Homosexuelle und Abtreibungen vor.

Die Bibel bzw. Teile von ihr möchte Hohnsbein

von der Bundesfamilienministerin auf den Index für jugendgefährdende Schriften setzen lassen. Die Begründung: An hunderten Stellen laufe die Bibel mit ihren „menschen- und lebensfeindlichen Aussagen“ den Menschenrechten zuwider. Weiterlesen

Schädlinge, homosexuelle

1 Apr

Scharfe Kritik an der Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), hat der Vorsitzende der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt (Filderstadt bei Stuttgart), geübt. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften Kinder adoptieren dürfen.

Mal abgesehen davon, dass Partnerschaften keine Kinder adoptieren können, lautet die übliche Begründung laut ideaSpektrum 13/2010: Weiterlesen

Gabi Klöckner

18 Nov

Die Herausforderin von Kurt Beck um das Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten im Jahre 2011 heißt Julia Klöckner. Die CDU-Politikerin ist, meint jedenfalls die Heimatzeitung,

bei ethischen Fragen als Konservative erkennbar. Beispielsweise bei Fragen der Spätabtreibung und zu Stammzellen vertritt sie kirchennahe Positionen unbedingten Lebensschutzes.

Der eine oder andere Homosexuelle mag sich jetzt sorgen, was die gute Frau für seinesgleichen übrig hat. Doch diese Sorge scheint unbegründet. Klöckners zweiter Vorname ist nämlich Gabi: Weiterlesen

Totaliarititär oder wie das heißt

14 Nov

Völlig überraschend kommt das nicht:

Österreichs Bischöfe haben nach ihrer Herbstvollversammlung im Salzburger Stift Michaelbeuern die Ergebnisse vorgestellt: Sie lehnen Abtreibungen, die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle und das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), das für Italien das Aufhängen von Schulkreuzen untersagt, ab. Das Kreuz-Urteil erinnere an „religionsfeindliche totalitäre politische Systeme“ und gebe „Anlass zu berechtigter Sorge“.

In seiner geballten Dreistigkeit allerdings ist es dann doch überraschend. Wie kann man einerseits fordern, Weiterlesen

Kollektiv und Faschismus

11 Jun

Das größte Manko der Gesellschaft ist, das Anderssein nicht verstehen zu können. Aus dem Nichtverstehen heraus etikettiert man. Die „Homosexuellen“, die „Immigranten“, bis hin zu „den Frauen“. Man teilt in Kollektive. Das „andere“, da wissen viele nicht, wie man es behandeln soll. Sie isolieren es, verkindlichen den Umgang mit ihm, oder sie meiden es schlichtweg. Es entstehen Stereotype, Vorurteile, bis hin zu Wörtern wie „Discapacidad“ („nicht fähig sein“), dem spanischen Wort für Behinderungen.

Pablo Pineda, Europas erster Akademiker mit Downsyndrom, im Interview mit der Welt

Was denken Sie über Abtreibungen von Embryonen mit einer pränatal diagnostizierten Behinderung, wie sie auch aktuell in Deutschland debattiert werden?

Ich bin gegen die Abtreibung. Aber nicht aus moralischen Gründen, sondern aus Gründen der Erfahrung. Es sind harte Erfahrungen, aber extrem bereichernde, die man durch eine Abtreibung eines behinderten Kindes niemals erleben würde. Eltern mit Kindern, die „anders“ sind, verbessern sich auch als Eltern. Sie werden toleranter und solidarischer. Das ist doch eine Chance, die man nützen sollte. Die Auswahl des Kindes à la carte ist nicht gut. Denn schlussendlich wählen wir das Perfekte. Und wenn dann alle gleich sind, sind wir um vieles ärmer. Auch Blumen sind verschieden, und alle sind schön. Der Drang zur sozialen Homogenisierung ist ein Übel der Gesellschaft. Wenn alle gleich denken, gleich aussehen, alle „uniform“ sind, dann ist das Faschismus.

Sexuelle Denunziation unter Demokraten

4 Mrz

Auch wenn es manche nicht mehr hören können, Ed Koch hat einfach Recht:

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Ed Koch erklärte, es sei nicht hinnehmbar, wenn Journalisten Politiker nach ihrer Sexualität befragten – er selbst wehrte sich seit Jahrzehnten gegen derlei Gerüchte.

Wobei die Bezeichnung, er habe sich dagegen gewehrt, auf den ersten Blick irreführend klingt. Tatsächlich hat Koch  sich nämlich schlicht geweigert, derartige Fragen nach dem Intimleben zu beantworten.

„Ich will nicht dazu beitragen, dass jeder Kandidat gefragt werden kann: ‚Bist du hetero, schwul oder lesbisch?’“, erklärte der 84-jährige ewige Junggeselle im Interview mit der „New York Times“. „Das darf keine legitime Frage werden, also beantworte ich sie auch nicht. Mir ist es egal, ob Leute mich für schwul halten, ich beantworte die Frage nicht.“

Humor hat der Mann auch noch dabei:

Ich fühle mich aber geschmeichelt, dass die Öffentlichkeit bei meinem Alter von 84 Jahren immer noch an meinem Sexleben interessiert ist – es ist nämlich ziemlich begrenzt.

Vor rund 30 Jahren hatte Koch noch ein wenig anders auf entsprechende „Anschuldigungen“ reagiert: Weiterlesen

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