Tag Archives: Bildungsplan 2015

Dulden heißt beleidigen

17 Mrz

Die Ebene der Toleranz hat man dabei schon lange verlassen. Das Schlagwort der Stunde ist Akzeptanz. Diese duldet nämlich keinen Widerspruch. Es ist schon erstaunlich, dass bei den Diskussionen in allen Bundesländern, die derzeit mit der Überarbeitung ihrer Bildungspläne hin zur Akzeptanz sexueller Vielfalt befasst sind, gelebte Toleranz mittlerweile als ausgrenzendes Handeln definiert wird. Denn wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, erlaubt sich noch eine abweichende Meinung. Wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, widerspricht der neuen Marschrichtung. Wo aber Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime mit staatlichem Auftrag zur Akzeptanz einer bestimmten Meinung auf Linie getrimmt werden sollen, ist für tolerantes Denken kein Platz mehr. Dort ist nur noch Platz für eine Meinung, durchgepaukt von einer Minderheit. Gelebte Demokratie ist das dann allerdings nicht mehr.

„Gelebte Demokratie“ im Sinne von Birgit Kelle ist der Anspruch der Mehrheit, das eigene Leben als gesellschaftliches Ideal propagiert sehen zu wollen; ist der Anspruch der Mehrheit auf bedingungslose Akzeptanz, während man sich gleichzeitig das Recht herausnehmen möchte, alle anderen lediglich zu tolerieren, weil diese ja nur eine Minderheit darstellen.

Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime werden staatlicherseits zur Akzeptanz der Meinung getrimmt, dass Heterosexualität und Cisgender zu akzeptieren sind.

Warum der Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität dann aber lediglich Toleranz zukommen soll, kann wohl nur demjenigen einleuchten, der etwas gegen Homo- und Bisexuelle, sowie Trans* und Inter* hat.

Denn hätte man nichts gegen diese, bräuchte man sie nicht lediglich zu tolerieren.

Ehe und Familie und so weiter und so fort

4 Jul

Die Gegner des Bildungsplans in Baden-Württemberg geben nicht auf. In einer neuen Petition heißt es:

Sehr geehrter Herr Kultusminister Stoch,

die von Ihnen vorgestellten Änderungen am neuen Bildungsplan reichen nicht aus. Ich sehe unverändert die Gefahr, daß der Bildungsplan parteipolitische und ideologische Vorstellungen auf dem Rücken der Kinder exekutiert.

Dies trifft insbesondere auf die von Ihnen geplante Erziehung zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ zu, die sich in der neuen Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ unverändert verbirgt. Das Einfordern von Akzeptanz generell verstößt gegen das Indoktrinationsverbot und ist deshalb verfassungswidrig. Darauf hat jüngst der Rechtswissenschaftler Prof. Ulrich Palm hingewiesen, unter Berufung auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2008 wonach „Schule zu Zurückhaltung, Toleranz und Offenheit für unterschiedliche Wertungen“ verpflichtet ist und nicht indoktrinieren darf (AZ: 6B64/07). Akzeptanz setzt – im Gegensatz zur Toleranz – einen positiven Zustimmungsakt voraus, den der Staat nicht zulässig fordern oder auf ihn hinarbeiten darf.

Ich fordere Sie deshalb auf, im Zuge der geplanten Überarbeitung bis 2016 sämtliche Indoktrinierungsansätze der „Leitperspektiven“   konsequent aus dem Bildungsplan zu streichen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich will mich jetzt nicht lang und breit mit dem Inhalt dieser Petition beschäftigen, allerdings fällt mir eine Zeile auf, die ich als Widerspruch zum Anliegen der „Demo für alle“- Initiatoren betrachte: Weiterlesen

Repressive Toleranz

7 Mai

Auf der Internetseite des Norddeutschen Rundfunks findet sich „Die Schwulenheiler“, eine sehenswerte Dokumentation:

Bin ich krank? Christian Deker, schwul und Panorama-Reporter, besuchte Ärzte, die offenbar seine sexuelle Orientierung ändern wollen. Eine Reise in die homophoben Winkel der Republik.

Besonders verstörend finde ich den Anfang, wo Deker in Stuttgart einige Teilnehmer der Demonstranten gegen den Bildungsplan interviewt. An diesen Äußerungen lässt sich gut veranschaulichen, dass die Grundmotivation hinter den Demonstrationen blanke Homophobie ist. Sicherlich ist das nicht überraschend, denn warum sonst sollte man seine freie Zeit damit verschwenden, gegen „sexuelle Vielfalt“ zu demonstrieren oder Petitionen dagegen zu unterschreiben? Hier einige Auszüge: Weiterlesen

Schützt unsere Kinder vor Heterosexualität!

4 Mai

Die Gegner des Bildunsgplans in Baden-Württemberg betonen gerne, wie wichtig das Elternrecht sei, und dass Schule die Aufgabe habe, Kinder zu bilden, nicht zu erziehen. Nun kann man durchaus dieser Meinung sein, aber wie passt dann folgende Verlautbarung? Weiterlesen

„Sexuelle Vielfalt“ – ein PR-Gau?

30 Apr

Die Gegner des umstrittenen Bildungsplans in Baden-Württemberg haben insofern eine Erfolg verbucht, als das dieser nicht wie geplant nächstes Jahr, sondern erst im Jahre 2016 eingeführt wird. Ohne den Argumenten der Gegner nun allzu viel Relevanz einzuräumen – denn letztendlich ist da nicht viel außer „Ich mag keine Homos“ -, möchte ich an dieser Stelle einen Vorschlag unterbreiten, der möglicherweise helfen könnte, künftig die größten PR-Fallen zu vermeiden. Ich beziehe mich da auf einen eben gerade gelesenen Artikel der Zeitung „Der Westen“ mit der Überschrift „Sexuelle Vielfalt in der Jugendarbeit fördernin dem es darum geht, wie man es mittels Jugendarbeit schaffen kann,

flächendeckend Angebote für junge Lesben und Schwule zu schaffen und Vorbehalte abzubauen.

Nun mein Vorschlag: Weiterlesen

Der Kulturkampf ist da

24 Feb

Neuigkeiten zum Bildungsplan in Baden-Württemberg:

[Ministerpräsident Winfried]Kretschmann kündigte Presseberichten zufolge eine Überarbeitung des Bildungsplans an: Formulierungen sollten geändert werden, um „missverständliche Interpretationen“ zu verhindern und Ängsten entgegenzutreten. […]

Ich glaube nicht, dass man einem Großteil der Gegner des Bildungsplanes ihre Ängste nehmen kann. Weiterlesen

Wie hältst Du’s mit dem Bildungsplan?

28 Jan

Das Kampagnennetzwerk „Campact“ hat beim Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid eine repräsentative Umfrage zum umstrittenen Bildungsplan in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind angesichts der Heftigkeit der im Netz geführten Kontroverse erstaunlich – und hoffnungsvoll: Weiterlesen

Zweifel und Hoffnung

26 Jan

Brian Kinney, der sexhungrige schwule Lebemann, Macho und Kapitalist, aus der kanadisch-amerikanische Serie „Queer as Folk“ hat einen denkwürdigen Satz geprägt:

„There’s only two kinds of straight people in this world: The ones that hate you to your face… and the ones that hate you behind your back.“

Der Satz ist prägnant, knackig, bedenkenswert – sonderlich ernst genommen habe ich ihn aber nie. Denn es gibt ganz sicher genügend heterosexuelle Menschen, die Homos nicht hassen, weder offen ins Gesicht, noch hinter deren Rücken. Die Diskussionen um den Bildungsplan in Baden-Württemberg lassen mich allerdings nachdenklich werden. Ist an dem Satz vielleicht mehr dran, als man bereit ist zuzugeben? Weiterlesen

Wie uncool

15 Jan

Das Hitzlsperger-Coming-Out und die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung, die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als Ziel im Bildungsplan 2015 festschreiben, sorgen nun auch beim Berliner Tagesspiegel für Unruhe. Josef Joffe merkt dort an, Hitzlspergers Schritt sei nicht mutig gewesen,

da Klaus („Und das ist gut so“) Wowereit diesen Schritt vor Jahren getan hat –

als ob Fußball und Politik identisch wären. Und dann bekommt es auch Joffe mit der Angst zu tun:

 Wir sollten allerdings darauf bestehen, dass Heterosexualität auch cool ist.

Malte Lehming hingegen problematisiert den Begriff der „sexuellen Vielfalt“: Weiterlesen

%d Bloggern gefällt das: