Tag Archives: Homo-Kolonialismus

Gnade vor Unrecht

30 Mai

Das ist mal wirklich eine erstaunliche Meldung:

Malawis Präsident Bingu wa Mutharika hat überraschend ein zu langer Haft verurteiltes schwules Paar begnadigt. Er habe dessen sofortige Freilassung veranlasst, sagte der Präsident am Sonnabend bei einem Treffen mit UN- Generalsekretär Ban Ki Moon in der Hauptstadt Lilonge. Stephen Monjeza (26) und Tiwonge Chimbalanga (20) waren wegen „unzüchtigen Verhaltens“ und „naturwidriger Handlungen“ zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Weiße Haus begrüßte die Entscheidung Mutharikas; es sei zu hoffen, dass sie „einen Dialog eröffnet (…) und weltweit eine Botschaft sendet“.

Nun sollte man daraus jedoch nicht den Schluss ziehen, der Präsident wäre einem moralischen Gewissen gefolgt. Weiterlesen

Haltet ein in Eurem schändlichen Tun! Lebet die Liebe und gebt Euch weder Hass noch Furcht hin!

16 Dez

Den Pressemitteilungen diverser Blätter und Internetportale, Uganda nehme sein Vorhaben, Homosexualität in bestimmten Fällen mit dem Tode zu bestrafen, zurück,  hat der ugandische Abgeordnete David Bahati nun im britischen „Guardian“ eine ziemlich deutliche Abfuhr erteilt. Bahati:

„Erlerntes Verhalten kann einem abgewöhnt werden. Niemand kann mir erzählen, dass es Menschen gibt, die schwul geboren werden. Da sind äußere Einflüsse am Werk.“

Das kennt man: Weil Homosexualität erworben wird, und natürlich eine furchtbar schlimme Sache ist, muss man unter allen Umständen verhindern, dass sie sich ausbreitet. Zur Not eben auch mit Gewalt. Was sollen also die Klagen? Es geht schließlich um die Zukunft von Ugandas Kindern: Weiterlesen

Todesstrafe oder nicht – das ist hier die Frage

14 Dez

Wie bekannt sein dürfte, ist das afrikanische Land Uganda nicht gerade ein Musterbeispiel homophiler Gesetzgebung. Kürzlich wollte man dort sogar ein Gesetz verabschieden, welches für „schwerwiegende Homosexualität“ die Todesstrafe vorgesehen hätte. Doch, oh Wunder:

Kurz nachdem das Gesetz beschlossen wurde, gab es heftige Kritik seitens internationaler Politiker und internationaler Menschenrechtsverbände. So wandten sich der britische Premierminister Gordon Brown und Volker Beck, der menschenrechtspolitische Sprecher von Bündnis’90/Die Grünen, massiv gegen die geplante Einführung der Todesstrafe und der lebenslangen Haft. Auch der kanadische Regierungschef Stephen Harper kritisierte gegenüber der Regierung Ugandas das geplante Gesetz scharf.

Was allerdings nicht bedeutet, dass die Homos in Uganda nun aus dem Schneider sind:

Da das Gesetz nun ohne die Todesstrafe und die lebenslange Haft erlassen wird, gilt die alte Regelung, die Homosexualität mit 14 Jahren Haft unter Strafe stellt. Die anderen Regelungen des „Antihomosexualitätsgesetzes 2009“ bleiben aber in Kraft. So ist es nun verboten, sich für die Rechte von Lesben und Schwulen einzusetzen, und mit solchen Personengruppen zu werben.

Was im Klartext bedeutet: Wer sich in Uganda outet, kommt in den Knast. Denn wie wir es auch aus Deutschland kennen, ist die schiere Existenz schwuler Liebe für manche nichts anderes als Reklame für einen verderbten Lebensstil.

Man muss Schwule nicht mögen – aber deswegen braucht man sie noch lange nicht umzubringen

24 Nov

Irans Präsident Ahmadinedschad weilt in Brasilien um sich Schützenhilfe für sein umstrittenes Atomprogramm zu verschaffen, den er natürlich prompt bekommt:

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat den Iran im Atomstreit mit dem Westen zu einer „gerechten und ausgewogenen Lösung“ aufgefordert. Die internationale Gemeinschaft müsse mit Teheran im Bemühen um Frieden im Nahen Osten in Kontakt bleiben statt das Land zu isolieren, sagte er nach einem Gespräch mit dem iranischen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad in Brasilia am Montag weiter. Er verteidigte Irans Recht auf die zivile Nutzung der Atomkraft und forderte einen neuen Umgangston mit Teheran.

Den einzig richtigen Umgangston mit dem Repräsentanten der mörderischen Theokratie fanden indes andere als „Lula“:

In Rio de Janeiro demonstrierten am Sonntag rund 500 Menschen gegen den Besuch Ahmadinedschads. Am Ipanema-Strand versammelten sich zu dem Protest Gruppen von Homosexuellen, Künstlern, Christen, Juden sowie mehrere Holocaust-Überlebende. Ahmadinedschad hat den Holocaust mehrfach infragegestellt und die Vernichtung Israels gefordert. Zudem, wie er im Interview mit Globo TV wiederholte, betrachtet er Homosexualität als widernatürlich.

Wobei das Problem nicht darin besteht, dass der olle Mahmud Homosexualität als widernatürlich betrachtet, sondern in seinem Land Homosexuelle hingerichtet werden. Nur mal zur Erinnerung.

Darf man Schwule hinaus in die Welt lassen?

25 Okt

Nun ist es offiziell: Guido Westerwelle wird der neue Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Weite Teile der Öffentlichkeit schwanken zwischen Häme und Verwunderung, attestieren ihm einerseits mangelnde Englischkenntnisse gepaart mit typisch teutonischer Überheblichkeit, andererseits zu wenig Erfahrungen im schwierigen Geschäft der auswärtigen Beziehungen. Völlig unverständlich, denn seit wann braucht man als Außenminister Erfahrung auf internationaler Bühne? Erstens hat das Auswärtige Amt einen bewährten Stab von Mitarbeitern und zweitens ist deutsche Außenpolitik nun wirklich nicht allzu schwer: Alles was man zu tun hat, ist darauf zu insistieren, gute Beziehungen zu allen Ländern dieser Erde zu unterhalten, egal ob sie nun demokratisch oder diktatorisch regiert werden, und den Befindlichkeiten Russlands größeres Gewicht einzuräumen, als den ehemals von Russland geknebelten osteuropäischen Staaten. Dazwischen streut man Floskeln von gegenseitigem Respekt ein, betont die Wichtigkeit  der europäischen Integration und mahnt mit erhobenem Zeigefinger, wie entscheidend es ist, das größte Übel unserer Welt zu besiegen: höhere Temperaturen.

Noch abstruser als die Fragen nach der Befähigung Westerwelles waren die in letzter Zeit täglich zu vernehmenden Einwände, wie sich denn dessen Homosexualität mit seinem Job als Außenminister unter einen Hut bringen lasse, Weiterlesen

Hallo Uganda…

19 Okt

…ich möchte ganz bestimmt keine Kritik an Dir üben, wo Du doch ein armes, ausgebeutetes Dritte-Welt-Land bist, und ich ein reicher, weißer, kapitalistischer Europäer, der selbstverständlich alles respektiert, was nicht aus dem Westen stammt, weil er schließlich aus der Vergangenheit gelernt hat und weiß, dass Toleranz und Respekt gegenüber fremden Kulturen die höchste aller Tugenden ist. Aber dennoch komme ich nicht umhin, ein wenig das Näschen zu rümpfen und Dir meine winzig kleine Missbilligung in folgenden Worten mitzuteilen:

Pfui, pfui, pfui!

Leitfaden für afrikanische Herrscher

5 Apr

So, Sie wollen also demnächst ein afrikanisches Entwicklungsland regieren und wissen nicht genau, wie das geht? Kein Problem! Lesen Sie folgenden Leitfaden und Sie werden erkennen, dass es so schwierig gar nicht ist.

1.) Zunächst einmal sollten Sie bei jeder Gelegenheit die Kolonialismus-Karte ausspielen. Weiterlesen

Déjà vu in Beirut

5 Mrz

Obwohl im gesellschaftlich zerrissenen Libanon eine kleine Homo-Szene blüht, darf man sich als Schwuler dort nicht allzu sicher fühlen. Denn die Polizei des Landes verschwendet gewaltige Ressourcen in ihrer Dämlichkeit, erwachsene Menschen vom Geschlechtsverkehr abzuhalten. Nun ja, „Geschlechtsverkehr“ stimmt nicht ganz, der Casus Knacktus heißt nämlich „Penetration“:

Die libanesische Homo-Gruppe HELEM [h]at in der Hauptstadt Beirut eine Demonstration gegen Polizei-Willkür organisiert. […]

Libanon, das als tolerantester arabischer Staat gilt, verbietet derzeit in Paragraf 534 des Strafgesetzbuches „sexuelle Beziehungen gegen die Gesetze der Natur“. Schwule und Unverheiratete können mit bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen – lesbische[r] Sex ist dagegen straffrei, weil keine Penetration stattfindet.

Was Antiwestler jedweder Coleur befürchten, scheint sich nun also auch im Libanon anzubahnen: eine Entwicklung hin zu Selbstbestimmung und individueller Freiheit.

Dekonstruktivismus ist Kolonialismus

27 Jan

Den Erzbischof von Johannesburg, Joseph Tlhagale, plagen Sorgen schwerwiegender Art. Nein nicht etwa die Kriminalität, die Armut und die Menschenrechtsverletzungen auf dem schwarzen Kontinent. Das Problem liegt viel tiefer:

„In der Zeit der Postmoderne vertritt man die Ansicht, dass die Realität ein soziales Konstrukt ist, das man sich die Wahrheit selbst konstruiert. Es gibt keine objektive Wahrheit. Es wird auch behauptet, dass die Realität ein Text ist, den man auslegen kann und meine Version ist genauso richtig wir die meines Nachbarn“

Natürlich wäre Kritik an einem solchen postmodernen Dekonstruktivismus berechtigt, aber wenn der Bischof mal seinen Kopf aus dem Sand stecken würde, hätte er längst gemerkt, dass selbst im dekadenten Europa kaum ein Mensch sich auch nur einen Furz dafür interessiert, was irgendwelche dekonstruktivistischen Schaumschläger so vor sich hin labern.

Andererseits scheint der Kirchenfürst mit seiner Sorge um die Dominanz „sozialer Konstrukte“ ein wenig zu weit auszuholen: Weiterlesen

Queer-Theorie made in Iran

26 Jan

Eine neue Studie offenbart, dass der Iran in Sachen Homosexualität weitaus progressiver ist, als wir bislang vermutet haben:

Eine iranische Soziologin hat auf einer Konferenz über das Familienleben eine Studie veröffentlicht, nachdem 16 Prozent der männlichen Iraner homosexuelle Erlebnisse hatten.

Parvaneh Abdul Maleki erklärte nach Angaben der International Gay and Lesbian Human Rights Commission ferner, dass sogar 24 Prozent der iranischen Frauen mindestens ein lesbisches Erlebnis hinter sich hätten. 73 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen gaben an, dass sie onanieren bzw. masturbieren würden.

Doch diese paradiesischen Zeiten fröhlichen Herumfickens werden auch im Iran bald vorbei sein. Denn der böse schwule Westen steht schon vor der Tür, um das Konstrukt „Homosexualität“ auch dort zu verbreiten, wo es dies bislang gar nicht gegeben hat. Und dann werden nicht mehr soviele Menschen einfach so und ganz zwanglos gleichgeschlechtliche Kontakte genießen dürfen. Nein, sie werden sich statt dessen als „schwul“ und „lesbisch“ bezeichnen müssen. Schlimm, schlimm! Ist es das alles wirklich wert?

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