Tag Archives: Homophobie erklären

„Fags get out“ – Von Linguistik, Homophobie und echt bescheuerten Harley-Bikern

8 Nov

Wer die amerikanische Trickserie „South Park“ nicht kennt, der hat was verpasst. Wohl keine andere Sendung spielt so gekonnt mit Vorurteilen, Ressentiments und gesellschaftlichen Trends, in keiner anderen Fernsehsendung wird wirklich alles und jeder veralbert und aufs Korn genommen, seien es nun Linke und Rechte; Männer und Frauen; Juden, Muslime, Christen und Atheisten; Pazifisten und Terroristen; Raucher und Nichtraucher. Und eben auch Schwule und Heteros.

Kaum verwunderlich also, dass „South Park“ regelmäßiger Addressat wütender und empörter Reaktionen ist, von Menschen denen ein solches Maß an satirischer Zuspitzung zu weit geht. Wie z. B. der Homo-Organisation GLAAD, die Einwände gegen eine kürzlich ausgestrahlte Episode erhebt. Worum geht es? Weiterlesen

Auf dass Peter und Gabriel auch morgen noch Freunde sind

24 Okt

Eines der anschaulichsten Beispiele für die zunehmende Anerkennung, die Schwule und Lesben in der Gesellschaft erreicht haben, ist der Aspekt, dass nicht mehr nur gefragt wird, wie Homosexualität entsteht, sondern dass man sich nun auch mit der Frage beschäftigt, warum es eigentlich Menschen gibt, die Homosexuelle nicht leiden können:

„Ich bin schwul, und das ist gut so.“ Ob der vielzitierte Satz des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu mehr Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft beigetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist: Bei vielen Menschen muss er auf Ablehnung gestoßen sein, denn sie finden Homosexualität keineswegs „gut so“, sondern lehnen sie als unmoralisch ab: Diese Ansicht vertreten einer Umfrage zufolge 21,8 Prozent der Deutschen.

Was an sich doch eine erfreulich geringe Zahl ist, die man, nach meiner Einschätzung, allerdings schwerlich noch weiter verringern kann. Es scheint realistisch zu sein, immer von ungefähr einem Viertel der Bevölkerung auszugehen, mit denen man lieber nichts zu tun haben will und die sich gegen jegliche Aufklärung als immun erweisen. Damit muss man wohl leben.

Doch wieso gibt es eigentlich solche Menschen? Weiterlesen

„Sie verlangen nach Kindern“ – Vom Horror schwullesbischer Herrschaftspläne

14 Aug

Seitdem Bundesjustizministerin Brigitte Zypries angeregt hat, Deutschlands Kinder endlich auch in die Klauen der homosexuellen Lobby zu übergeben, herrscht in kulturkonservativen Kreisen ein Sturm im Wasserglas. So auch bei unseren ganz speziellen Freunden von der „Blauen Narzisse„. Die Kameraden, immer gut, wenn es darum geht, unterhaltsames Kasperletheater aufzuführen, sind jedenfalls schockiert; was sein Gutes hat, denn so gelangen wir in den Genuss hervorragend einfältig-humoriger Sätze:

Wer glaubt, die linke 68er-Brut hätte gemeinsam mit den Lesben- und Schwulenverbänden bereits sämtliche Überreste christlicher Werte aus Deutschland verbannt, irrt gewaltig. Denn die eingetragene Lebenspartnerschaft scheint Deutschlands Homosexuellen nicht zu genügen – sie verlangen nach Kindern. Und weil das biologisch nicht möglich ist, und Homosexualität im politisch korrekten Deutschland Kultstatus genießt, ist es kein Wunder, dass der Linksblock gemeinsam mit den Liberalen nun nach einem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare verlangt.

Die Narzissen haben uns also ertappt und unseren geheimen schwulen Masterplan aufgedeckt, der da lautet: Weiterlesen

Lyrisches Töten – Warum man Reggae-Sängern ihre homophoben Mordphantasien nicht allzu übel nehmen sollte

27 Jun

Eigentlich hätte man es sich denken können: Wenn im jamaikanischen Reggae dazu aufgerufen wird, Schwule zu töten, sollte man die Sänger deswegen nicht einfach pauschal kritisieren und ihre Äußerungen als hassenswert ablehnen. Nein, zuerst muss man natürlich den soziokulturellen Kontext berücksichtigen, indem eine solche Musik gedeihen kann. Und Olaf Karnik erklärt diesen „Kontext“ geradezu liebevoll:

Die sogenannten «Battyboy Tunes» im Dancehall, die in direkter oder metaphorischer Sprache dazu auffordern, Homosexuelle zu erschiessen oder zu erschlagen, sind als sogenannte «Lyrical Killings» zu verstehen. Weiterlesen

Leipziger Allerlei – Wie man Homosexualität anonymisiert

5 Jun

Es gibt, zugegeben, viele Dinge, die mir komisch vorkommen. Zu diesen gehören auch Plakataktionen gegen Homophobie. Ob in Berlin oder jetzt in Leipzig, beständig hat man das Gefühl, einer Volkserziehungskampagne beizuwohnen, die darüberhinaus auch noch schwerfällig und bemüht herüberkommt.

Der Leipziger CSD wirbt jedenfalls kräftig für die neueste Kampagne:

„Unser diesjähriges CSD-Motto „Homophobie ist heilbar!“ wird durch diese Plakatkampagne in hervorragender Weise umgesetzt.“ sagt Pressesprecher Dirk Bockelmann. „Wir hoffen, dass über unsere Plakatkampagne Vorurteile abgebaut werden und gleichzeitig zivilcouragiertes Verhalten zur Verhinderung von Übergriffen und Diskriminierungen gefördert wird.“ ergänzt Prof. Markus Dreßen (HGB).
Die Kampagne besteht aus sechs verschiedenen Plakatmotiven, die direkt im Anschluss an die Kommunalwahl im gesamten Stadtgebiet auf bestehende Wahlplakate von Grünen, SPD und Linkspartei geklebt werden sollen.

Zunächst einmal ist das CSD-Motto „Homophobie ist heilbar“ nicht gerade das, was man von einem CSD im 21. Jahrhundert erwartet. Desweiteren scheint mir fraglich, wie durch die sechs Plakate die Zielgruppe der Menschen mit homophoben Vorurteilen erreicht werden soll. Vielmehr hat man den Eindruck, als werden die Plakate eher die LGBT’s ansprechen und nicht jene, die man doch eigentlich zum Nachdenken anregen will.

Schauen wir uns die Plakate doch einmal an und bewerten sie nicht aus schwuler, sondern aus der Sicht eines Homophoben: Weiterlesen

Armes, kleines Würstchen

2 Jun

Aktuell produzieren Studierende der Studienvertiefung CAST an der Zürcher Hochschule der Künste Inhalte für die Seite europride.tv. Im Rahmen dieses Projektes hatten sie auch das Missvergnügen, mit Daniel Regli zu sprechen, seines Zeichens furchtloser Kämpfer gegen die Rosa Flut, de sich seit einger Zeit über Zürich ergießt.

Vielleicht, liebe Leser, haben Sie sich schon immer gefragt, von was für einem Schlage Leute wie Regli sind. Ja, also, beschreiben kann man das nicht. Man muss es sehen – und hören:

Kirche für Demonstrationsrecht auf Homo-Anomalität

25 Mai

Im Vorfeld einer Homosexuellendemonstration gab es in Bukarest Gegen-Demonstrationen orthodoxer Christen und Rechtsextremer.

Die orthodoxe Kirche in Rumänien legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass sie nicht gegen Homosexuelle sei, sondern dagegen, öffentlich für Homosexualität als Normalität einzutreten.

Das bedeutet doch wohl, dass die orthodoxe Kirche in Rumänien alles das an Homosexuellendemonstrationen gut findet, was üblicherweise daran kritisiert wird, also nackte Hinterteile, Sex in der Öffentlichkeit, Dogplay, Lack und Leder, schrille Fummel,… – denn wer findet das schon normal?

Mal wieder finde ich die These von Jan Feddersen überzeugend, wonach ganz normale Homos, also die mit Mann und Kind und Reihenhaus, heutzutage die viel größere Provokation darstellen, weil sie die Erwartung der abgrenzungswilligen Heten unterlaufen, als Exoten aufzutreten und sich damit nicht mehr auf ihr Ghetto beschränken.

Adorno talks dirty

12 Mai

Es war im Frühjahr 2004, da erklärte Tjark Kunstreich in der antideutschen Zeitschrift Bahamas:

Entgegem landläufigem Vorurteil war Foucault autoritär, Adorno hingegen keineswegs homophob.

Ersteres zu beweisen, ist ebenso notwendig wie im Text gelungen. Zweiteres jedoch misslang. Kunstreichs Hinweis, Adorno selbst kennzeichne,

daß seine Nachempfindung Grenzen hat, die ihm ein Urteil unmöglich machen

habe ich implizit bereits hier hinterfragt. In der kürzlich erschienenen Golo-Mann-Biographie findet sich nun ein weiterer Hinweis darauf, dass Adorno durchaus homophob war.

Adorno und Horkheimer hätten

so Golo Mann,

zweimal durch Interventionen beim Hessischen Kultusminister verhindert, dass an ihn ein Ruf an die Universität Frankfurt erging. Einmal mit unklaren persönlichen Verleumdungen, ein anderes Mal mit dem Vorwurf, Mann sei „heimlicher Antisemit“. (Tilmann Lahme: Golo Mann. Biographie. S. 288)

Unklare persönliche Verleumdungen? Weiterlesen

Wir da oben, ihr hier unten

12 Mai

Die sozialen Proteste im Zuge der Wirtschaftskrise, weiten sich offenbar aus:

Ein homosexuelles Paar ist in der Nacht zu Sonntag in Berlin-Schöneberg beleidigt und anschließend bei einer Rangelei mit vier jungen Männern leicht verletzt worden. Die beiden 25 und 36 Jahre alten Männer wollten in einer Bankfiliale am Nollendorfplatz Geld abheben, als sie zunächst von zwei 18-Jährigen beleidigt wurden, wie ein Polizeisprecher am Sonntag mitteilte. Die Täter schlugen auf den 25-Jährigen ein. Als sein Freund ihm helfen wollte, wurde er von den beiden anderen Männern angegriffen.

Man muss die Täter schon verstehen. Denn es ist wirklich nicht gerade nett von den Schwulen, in Zeiten stiegender sozialer Ungerechtigkeit ihren Reichtum dermaß schamlos zur Schau zu stellen.

Berliner Differenzen

27 Apr

Gestern in Dahlem. Mein Freund und ich beim Spaziergang, Hand in Hand. Eine rote Ampel ignoriert und schon ereilt uns der Tadel einer alten deutschen Frau. „Die war rot“ raunt sie uns zu. Als unsere Reaktion sich auf ein freundliches Lächeln beschränkt, legt sie nach. „Ihr“, sie überlegt kurz und setzt dann zur in Dahlem für alte deutsche Frauen offenbar ultimativen Beleidigung an, „Ihr Händchenhalter!“. Wir sind sprachlos. Mitleid kommt auf. Wer weiß, wann zuletzt jemand ihre Hand gehalten hat?

Zurück in Schöneberg, erinnern wir uns an die Begegnung schon fast wehmütig, als die ersten Mitbürger mit Migrationshintergrund bei unserem Anblick auf die Straße spucken und uns nahelegen „Fickt Euch, Ihr Hunde!“. Dagegen hat man in Dahlem geradezu Stil.

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